Kuriose FMA-Jagd auf Öko-Banker

Gea-Boss Heinrich Staudinger (Bild) sammelt Geld von Privaten, um seine Öko-Schuh-Fabrik im Waldviertel auszubauen. Mit sechs Schuhmacherlehrlingen ist das Schremser Unternehmen der größte einschlägige Ausbildner. Die Schuhwerkstatt wurde 1984 auf Initiative des damaligen Sozialministers Alfred Dallinger gegründet und fühlt sich der Arbeitermitbestimmung verpflichtet. Nun droht die FMA der Öko-Schuh-Firma Strafe an.

Kuriose FMA-Jagd auf Öko-Banker

Dieser Kampf wird getreu dem biblischen Vorbild David gegen Goliath geführt. Auf der einen Seite steht der kleine Waldviertler Unternehmer Heinrich „Heini“ Staudinger – auf der anderen die mächtige Finanzmarktaufsicht Österreich, kurz FMA.

Seit Staudinger vor Jahren von seiner Hausbank die Kreditlinien gekürzt wurden, suchte er alternative Finanzierungsmodelle. Mit Erfolg: Staudinger sammelt seit Jahren unter Freunden und Kunden Geld ein, das er zur Finanzierung seines Unternehmens und anderer Öko-Projekte einsetzt. Über die Jahre konnte er drei Millionen Euro in Form von Beteiligungen aufstellen. Rund 200 Kleinanleger haben eingezahlt. Die Mindesteinlage beträgt 3.000 Euro – maximal sind 50.000 Euro, das entspricht einem Wochenumsatz seines Unternehmens, möglich. Das Geld wurde in den Ausbau der Schuhmanufaktur gesteckt, wodurch in der strukturschwachen Region Waldviertel hochwertige Arbeitsplätze geschaffen wurden. Zusätzlich wurde eine Photovoltaikanlage errichtet, die die Energie für das Unternehmen liefert. Die Schuhwerkstatt Staudingers konnte so mit Modellen der Marke Waldviertler in Österreich, Deutschland und der Schweiz beachtliche Erfolge feiern. Die privaten Kreditgeber erhalten dafür eine marktübliche Verzinsung und das Gefühl, die Welt verbessert zu haben.

Doch die FMA zeigt für dieses sogenannte „Crowdfunding“ eher wenig Verständnis und moniert eine fehlende Banklizenz, die für solche Geschäfte notwendig wäre. Sie erstattete Anzeige gegen Staudinger wegen Bankgeschäfte ohne Banklizenz. Die Kapitalmarktaufseher haben auch für solche Gesetzesverstöße eine klare Strafe parat: eine maximale Geldbuße in Höhe von satten 50.000 Euro. Für ein kleines Unternehmen wie Gea ein harter Schlag.

Härte des Gesetzes

Laut FMA ist das Verfahren noch immer im Gange, zwei Einvernahmen Staudingers gab es bereits. Dabei dürfte der in der Tat etwas eigenwillige Öko-Unternehmer hart angefasst worden sein. Staudinger: „Den Stil der FMA-Verhöre kannte ich bisher nur aus Nazi-Filmen. Diese Bonzen wollen mich blockieren.“ Staudinger kämpft ebenso stur wie knorrig gegen die FMA. Ohne Anwalt, versteht sich, denn diese Zunft würde ohnehin nur für das „System“ arbeiten. Mit einer langen Verfahrensdauer ist jedenfalls zu rechnen.

Doch Staudinger ist nicht der Einzige, dem die FMA bei Crowdfunding-Projekten einen Strich durch die Rechnung macht. Ähnliche Kreditkonstrukte zur Finanzierung von Photovoltaikanlagen auf Gemeindeebene sind ins Visier der FMA geraten. Mit ernsten Auswirkungen: Privatfinanzierungen derartiger Öko-Projekte sind praktisch zum Erliegen gekommen. Der WKO-Bundesobmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, Konrad Steindl, schlägt Alarm: „Das eingesetzte Kapital und die Wertschöpfung bleiben im Ort. Die Anlage geht, sobald sie abgezahlt ist, in Gemeindebesitz über und trägt zur Energiewende bei. Es kann nicht sein, dass die FMA Bürger und Gemeinden für ihr Engagement straft.“

Staudinger lässt sich freilich nicht beirren: „Ich lass mir das nicht abdrehen. Unsere Mitstreiter bringen neben Geld vor allem Vertrauen ein. Das ist das Gegenmodell zu den Banken, die sich ja mittlerweile nicht einmal mehr selbst vertrauen.“ Auf faule Deals, wie sie ihm bereits von Behördenseite angeboten worden sein sollen, will er sich auf keinen Fall einlassen. Im Gegenteil: Er erwägt die Gründung einer eigenen Genossenschaft für Energiewende-Projekte und ruft in seinem Unternehmensmagazin erneut zu Investitionen in seinen Gea-Sparverein auf.

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