"Krone"-Verkauf: Wie Krone-Boss Hans Dichand um den Rückkauf der WAZ-Anteile kämpft

Das angebliche Ultimatum der WAZ in Sachen Mediaprint-Ausstieg wird in Österreich nicht sehr ernst genommen. Es wird weiter gepokert. Viele Fäden laufen bei Raiffeisen zusammen.

Spätestens seit dem Frühjahr 2009 ist klar, dass die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) ernsthaft bereit ist, sich von ihrem 50-Prozent-Anteil an der „Kronen Zeitung“ zu trennen. Interessenten haben sich zahlreich beim zweiten Hälfteeigentümer, der Familie Dichand, gemeldet, die sich lieber heute als morgen von der „WAZ lossagen würde, aber Partner für die Finanzierung braucht. Dem Vernehmen nach hat sich zum Beispiel Johann Graf angeboten, der Besitzer des Glücksspielkonzerns Novomatic. Das nötige Kleingeld für ein Engagement bei Österreichs größter Tageszeitung hätte der Automaten- und Casino-Milliardär allemal.

Aber trotz möglicher Unterstützung – auch mit Erste Bank und Wiener Städtischer gab es Verhandlungen über eine Finanzierung – wird weiter gepokert. „Krone“-Gründer Hans Dichand, 89, sein Sohn Christoph und dessen Ehefrau Eva Dichand konnten den Sack noch nicht zumachen. „Geredet wird viel, aber entscheidend bewegen tut sich nichts“, beschreibt ein Eingeweihter die Situation.

Jenseits der Grenze

Das liegt einerseits an sehr unterschiedlichen Preisvorstellungen. Die WAZ, die Hans Dichand 1989 umgerechnet 160 Millionen Euro bezahlte, hat sich zwar von ursprünglich geforderten 300 Millionen Euro verabschiedet. Nun ist von „deutlich über 200 Millionen“ die Rede. Was immer noch weit über der Schmerzgrenze der Dichands angesiedelt ist.

Dazu kommt andererseits die ­enorme Komplexität des Deals. Denn die WAZ hält auch 49,4 Prozent am „Kurier“, Mehrheitsgesellschafter dort ist die Raiffeisen-Gruppe. Die Geschäfte von „Krone“ und „Kurier“ laufen in der gemeinsamen Firma Mediaprint zusammen. Zieht sich die WAZ zurück, dann wohl auch aus dem „Kurier“. Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad bestätigt, die Anteile in diesem Fall zu übernehmen. Aber der Topmanager spielt auch sonst eine Schlüsselrolle, weil Raiffeisen gerne auch 24,9 Prozent an der „Krone“ übernehmen würde – mehr ist aus kartellrechtlichen Gründen ausgeschlossen.

Zu Pfingsten lief angeblich ein Ultimatum der WAZ für Angebote ab, wie deren Geschäftsführer Christian Nienhaus dem „Standard“ bestätigte. Die österreichische Seite will von einer Deadline nichts gehört haben und geht davon aus, dass die WAZ weiter gesprächsbereit ist. „Ich habe mit der WAZ nur über die Reorganisation der ­Mediaprint geredet“, erzählt Konrad.

Kaum mehr Gewinn

Die scheint auch dringend geboten. Denn das Ergebnis der Mediaprint sackte in den vergangenen Jahren dramatisch ab. Noch Mitte der 2000er-Jahre wurden stabil um die 35 Millionen Euro pro Jahr verdient. Den ersten Knick gab es 2007. Und im Geschäftsjahr per 30. 6. 2009 war die Mediaprint mit 1,3 Millionen (vor Steuern) nur noch knapp im Plus. Der Umsatz ging im letzten Jahr, als die gesamte Medienbranche unter der Krise litt, von 488 auf 464 Millionen Euro zurück.

Die Rendite für die WAZ war quasi null. Die Krone Vermögensverwaltung, an der sie ihre Anteile hält, verzeichnete sogar 3,4 Millionen Verlust (2008 noch plus 8,3 Millionen) – wohl weil Hans Dichand jedes Jahr 8,5 Millionen Vorabgewinn ­kassiert. In der Mediaprint ist die Gewinnver­teilung zwischen „Krone“ und „Kurier“ mit 70:30 vertraglich festgelegt. Das ist der Hauptgrund, warum die Dichands die Konstruktion auflösen und die Mediaprint zu einer reinen Servicegesellschaft degradieren wollen. Alleine würde die „Krone“ 30 Millionen Euro verdienen, so heißt es immer wieder. Das ist im Moment wahrscheinlich übertrieben. Tatsache bleibt, dass die Verluste des „Kurier“ finanziert werden.

Möglicher Kompromiss

Und darin liegt der Hebel für eine Einigung mit Raiff­eisen, wenn sich die WAZ verabschiedet. An sich sind die Dichands in ihrem Streben, alleine im eigenen Haus zu entscheiden, ja keine unbedingten Fans einer „Krone“-Beteiligung des grünen Riesen. Für Christoph und Eva Dichand könnte es aber die einzige Möglichkeit sein, dass Christian Konrad auf den 70:30-Verteilungsschlüssel verzichtet, wenn Raiffeisen im Gegenzug bei der „Krone“ direkt einsteigen kann. Dieser Kompromiss ist jedenfalls die realistischste Variante.

Mittlerweile tauchen schon alle möglichen mehr oder minder skurrilen Gerüchte auf. Etwa jenes, dass die SPÖ im Falle eines Engagements des schwarzen Raiffeisen-Konzerns ebenfalls mit von der Partie sein will. Man hört, dass Ideen mit Stiftungen, die der Stadt Wien nahestehen, gewälzt werden. Wofür aber keine Anhaltspunkte gefunden werden konnten – und was politisch eigentlich auch nicht denkbar ist.

Obwohl sich die Gespräche jetzt noch weiter in die Länge ziehen, gehen die Dichands davon aus, dass die WAZ am Ende des Tages ihre Anteile an der „Krone“ abgeben wird – und die Familie dann entscheiden kann, an welche Partner diese weitergegeben werden.

Andreas Lampl

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