Krisenverlierer: Autozulieferer kommen auch in Österreich derzeit kräftig ins Schleudern

Die 32 Milliarden Euro schwere heimische Zulieferbranche gerät wegen sinkender Nachfrage nach neuen Autos stark unter Druck.

Die Autoindustrie und ihre Zulieferbetriebe müssen derzeit eine Vollbremsung hinnehmen. Unfreiwillig. Denn die Nachfrage nach Autos ist international rückläufig. Das hat auch dramatische Auswirkungen für Österreich, denn die Autozulieferer sind eine Schlüssel­industrie mit 32 Milliarden Euro Umsatz und 140.000 Beschäftigten. Die Ereignis­se überschlagen sich derzeit: Vor ­wenigen Tagen kündigte BMW an, seine Motorenfertigung in Steyr für mehrere Tage einzu­stellen. 1.600 Mitarbeiter sind ­betroffen. Der Lkw-Hersteller MAN will ebenfalls am Standort Steyr den Laden gleich bis Weihnachten jeden Freitag dichtmachen und hundert Arbeitskräfte einsparen. Und das Getriebe- und Motorenwerk von Opel in Aspern kriegt die Kürzung der Produktion in Deutschland um 40.000 Autos kräftig zu spüren. 150 Leiharbeiter müssen gehen, zusätzlich sind bis Oktober zehn produktionsfreie Tage geplant.

Magna-Zulieferer betroffen
Auch bei Zulieferern, die mehrere Autohersteller beliefern, sieht es derzeit düster aus. So bekommt Magna International die Krise mit voller Wucht zu spüren. Sie leiden darunter, dass Kooperationspartner wie BMW die Produktion um Zehntausende Autos reduzieren. Aber auch fette Jeeps und Chrysler, die Magna herstellt, sind nicht gerade das, was die Kundschaft derzeit anspricht. Die Bänder werden gleich für rund sechs Wochen abgestellt. 2.600 Mitarbeiter sind beim Arbeitsmarkt zur Kurzarbeit angemeldet. Schon in den letzten Mo­naten wurden 700 ­Mit- und Zeitarbeiter ab­gebaut. 2009 sollen weitere 200 gekündigt werden. Das ist aber noch nicht alles. Magna reißt auch viele kleine Unter­nehmen, die wiederum Magna zuliefern, mit in die Tiefe. So sollen laut Insidern bei den Werken Power­train in Lannach und Ilz, Heavy Stamping und Presstec in Weiz 200 Kündigungen anstehen. Für weitere tausend ist Kurzarbeit geplant.

Massiver Kostendruck
Auch die steirische Auspuffproduktionsfirma Remus kämpft mit den widrigen Marktbedingungen. „Die Nachfrage von den Autofirmen schwankt derzeit täglich extrem. An einem Tag sinkt die Nachfrage bei den Just-in-Time-Lieferungen um 30 Prozent, am nächsten steigt sie um 20 Prozent“, erläutert Remus-Chefin Angelika Kresch. Rückgänge in der Nach­frage würden bisher mit Zeitarbeitskonten und ­Urlauben ausgeglichen.
Ob 2008 der Umsatz den von 90 Millionen Euro im Vorjahr überschreiten wird, wagt sie nicht zu prognostizieren. Auch der Kostendruck macht den Unternehmen zu schaffen. „Wir werden mit den Autoherstellern über höhere Preise verhandeln müssen. Denn der Kostendruck ist am Rande des Erträglichen“, so Polytec-Boss Friedrich Huemer, der mit seiner Gruppe 2007 einen Umsatz von 660 Millionen Euro erzielte.
Der­zeit verzeichnet der Lkw-Zulieferer Beinbauer Einbrüche von knapp zehn Prozent, eben­so die Kunststofffirma Rehau. Doch dabei soll es nicht bleiben. „2009 wird heftig. Wir rechnen mit einem Absatzminus von rund 20 Prozent“, so Beinbauer-Chef Dietmar Gstrein.

Von Anneliese Proissl

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