Kranebitter-Gutachten dient der Verteidigung als wichtige Munition

Gottwald Kranebitter hat nicht nur bei der Hypo Alpe Adria genug Zores am Hals. Wenn am 17. Jänner der Startschuss für den Libro-Prozess erfolgt, wird der nunmehrige Bankchef in Kärnten zwar nicht im Gericht anzutreffen, aber dennoch sehr präsent sein. Denn die Verteidiger von Ex-Libro-Boss André Rettberg und fünf weiteren Beschuldigten werden ihre Argumentation hauptsächlich auf ein Gutachten des ehemaligen KPMG-Partners Kranebitter aus dem Jahr 1999 stützen. Dort wurde ein Unternehmenswert für Libro Deutschland von 140 bis 160 Millionen Schilling – etwa 10 bis 11,5 Millionen Euro – er­mittelt.

Nun stehen Rettberg & Co wegen Betrugs, Untreue und Bilanzfälschung vor Gericht. Die Anklage geht von einer Fehlbewertung aus. Laut Staatsanwalt sei Libro Deutschland um mehr als 116 Millionen Schilling zu hoch angesetzt worden. Damit seien die Anleger beim kurz darauf folgenden Börsengang in die Irre geführt worden. Die Verteidigung verweist hingegen auf das Kranebitter-Papier. „Wie soll eine Fehlbewertung vorliegen, wenn ein Gutachten das genaue Gegenteil belegt?“, fragen die Rechtsanwälte. Oder anders ausgedrückt: Sollte die Bewertung wirklich falsch ge­wesen sein, warum sitzt dann nicht auch Kranebitter auf der Anklagebank?

Tatsächlich wurde gegen den jetzigen Chef der Hypo ermittelt, aber keine An­klage erhoben. Kranebitter: „Das Verfahren gegen mich wurde nach mehr als acht Jahren Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft im Oktober 2009 eingestellt. Ich bin im Verfahren als Zeuge geladen und werde dieser Ladung Folge leisten.“ Zum Gutachten will er sich mit Verweis auf sein Ausscheiden aus der KPMG im März nicht äußern.

Die Angeklagten wollen sich aber auch noch in anderen Punkten auf Kranebitter berufen: So hat er auch den Börsenprospekt geprüft und soll schon rund ein halbes Jahr vor dem Börsengang in die Bewertung der Deutschland-Pläne von Libro eingebunden gewesen sein – was Kranebitters Aussage bei der Staatsanwaltschaft widerspricht, sein Gutachten habe lediglich zu Bilanzierungszwecken gedient.

– Angelika Kramer

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