Kovats: 'Meine Aufgabe bei der A-Tec ist beendet, wenn ein Investor gefunden ist'

Mirko Kovats’ Tage an der Spitze der A-Tec sind gezählt. Im Interview spricht er über das Ende seiner Ära und die Zukunft des Konzerns.

FORMAT: Herr Kovats, Sie sind nicht zur dieswöchigen Hauptversammlung der A-Tec erschienen. Ihr Verhalten wird teilweise als ignorant bezeichnet. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Kovats: Bei der HV wurde über den testierten Geschäftsbericht 2010 abgestimmt. Meine Vorstandskollegen Franz Fehringer und Christian Schmidt haben meine Anwesenheit dazu nicht gebraucht. Sie können sich aber sicher sein, dass ich nicht irgendwo herumgesessen bin. Die Gespräche mit den Investoren sind in der letzten Runde, und ich habe an den Verhandlungen teilgenommen. Ich habe die A-Tec aufgebaut, und es ist mir sehr wichtig, dass sich gute Investoren finden. Danach ist meine Aufgabe erledigt, und ich trete zurück.

FORMAT: Sie wollen zurücktreten?

Kovats: Ja, das braucht niemanden zu überraschen. Meine Aufgabe bei der A-Tec ist beendet, wenn ein Investor gefunden ist – der Bestmögliche, hoffe ich.

FORMAT: Das kommt unerwartet. Haben Sie den Rücktrittsforderungen – zuletzt von Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger – nachgegeben?

Kovats: Das kommt gar nicht unerwartet – zumindest nicht für mich –, nur wollte ich das nicht öffentlich diskutieren. Rücktrittsforderungen komme ich damit bestimmt nicht nach. Mir ist es vor allem wichtig, zu zeigen, dass die A-Tec eine Industrieperle ist, die wieder Profite schreibt – im ersten Halbjahr 2011 waren es 25 Millionen Euro Gewinn.

FORMAT: Ein bisschen nach Schuldgeständnis klingt das aber schon.

Kovats: Gar nicht. Mit neuen Investoren kommt eine neue Mannschaft. So einfach ist das.

FORMAT: Bis zum 30. September muss das Geld an die Gläubiger fließen. Ist das Ihr letzter Arbeitstag?

Kovats: So schnell wird es nicht gehen, ich muss ja vor niemandem davonlaufen. Bis Ende September erfolgt die Zahlung an den Treuhänder, das ist richtig. Ich werde noch bei der Abwicklung der Transaktion dabei sein – da geht es vor allem um technische Details. Es wird also eine Übergangsfrist geben. Danach machen meine beiden Kollegen Fehringer und Schmidt weiter. Ich gehe vor Jahresende.

FORMAT: Tut es Ihnen leid?

Kovats: Ich bin ein Mensch, der nach vorn blickt. Es hat keinen Sinn, sich mit „Was wäre, wenn?“-Fragen“ zu quälen. Mit der A-Tec habe ich österreichische Industriegeschichte geschrieben. Das Unternehmen macht 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz und beschäftigt 5.000 Mitarbeiter. Mir ist es wichtig, die A-Tec dem Investor profitabel zu übergeben – und das ist der Fall. Natürlich freut es mich, dass ich damit als Unternehmer rehabilitiert bin.

FORMAT: Die Verhandlungen sind in der Zielgeraden. Es heißt, der pakistanische Milliardär Alshair Fiyaz würde den Zuschlag erhalten; der Fonds Penta wurde abgelehnt. Stimmt das?

Kovats: Ich kann derzeit leider nichts zu den laufenden Verhandlungen sagen. Außer dass nächste Woche mit einer Entscheidung zu rechnen ist, die im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende September abgesegnet wird. Was ich zu Penta sagen kann: Wir haben herausgefunden, dass frühere KGB-Mitglieder den Fonds gegründet haben und dass es nicht nachvollziehbar ist, woher die Gelder stammen. Aus dem operativen Geschäft ist es unmöglich, dass Penta so viel Geld hat. Die Sache ist uns also zu heikel, zu ungewiss. Solange die Herkunft dieses Kapitals nicht geklärt ist, wird mit Penta auch nicht weiterverhandelt.

FORMAT: Haben Sie Penta nicht gefragt, woher die Millionen kommen?

Kovats: Natürlich.

FORMAT: Und?

Kovats: Wir sind auf eine hohe Mauer des Schweigens gestoßen.

FORMAT: Exminister Hubert Gorbach soll für Penta lobbyiert haben. Stimmt das?

Kovats: Ja. Herr Gorbach hat versucht, für Penta Stimmung zu machen, aber wir sind unbestechlich.

FORMAT: Gab es denn Bestechungsversuche?

Kovats: Wie ich vorhin schon sagte: Wir sind unbestechlich.

FORMAT: In der Vorwoche sorgte eine Meldung für Schlagzeilen, wonach eine Strohfirma am Sitz der A-Tec gegründet wurde, um bei der A-Tec gewissermaßen verdeckt einzusteigen.

Kovats: Das ist lächerlich. Glauben Sie wirklich, wir wären so dumm und würden eine Strohfirma ausgerechnet am Wiener Firmensitz der A-Tec gründen? Wir haben nichts zu verstecken. Die besagte Firma, um die es geht – Contor –, ist von einem selbständigen Berater der A-Tec, von Thomas Schätti, gegründet worden, über die Investoren gegebenenfalls einsteigen können. Daran ist nichts Geheimnisvolles.

FORMAT: Gläubigervertreter werfen Ihnen aber mangelnde Transparenz vor und fühlen sich getäuscht …

Kovats: Hier wird vergessen, dass wir Investoren der Öffentlichkeit nicht präsentieren müssen. Das ist auch gut so, weil es den Verhandlungen schaden würde. Wir verhandeln hinter den Kulissen um das beste Angebot – mit dem Ziel, dass die Gläubiger ihre Quote (Anm. d. Red.: 47 Prozent) bekommen. Und wenn ein gutes Angebot über Contor kommt, dann sollten sich die Gläubiger darüber eigentlich freuen.

FORMAT: Sie halten nach wie vor rund 66 Prozent an der A-Tec. Wollen Sie Aktionär bleiben?

Kovats: Das wird sich zeigen. Einen Anteil werde ich sicherlich behalten, aber so viel wie jetzt wird es künftig wohl nicht mehr sein, falls es einmal zu einer Kapitalerhöhung kommt. Aber auch das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ungewiss.

FORMAT: Wie steht es um Ihre Zukunft?

Kovats: Ich bin Vollblutunternehmer und habe schon mehrere Ideen und Angebote. Zur Ruhe setzte ich mich jedenfalls noch lange nicht. Es könnte durchaus sein, dass es mich ins Ausland verschlägt.

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