Kostenlose Downloads und Tauschbörsen setzen Erotik-Konzern stark unter Druck

Beate Uhse wird in Seven Sins umbenannt. Allerdings nur in Österreich – angeblich, weil hier Sinnlichkeit wichtiger ist als plumper Sex.

Männer machten es Beate Uhse nicht immer leicht. Mit großer Skepsis und noch größerem Neid sollen sie die Karriere der aufstrebenden jungen Frau verfolgt haben: Uhse war hessische Meisterin im Speerwerfen und Deutschlands erster weiblicher Stunt-Pilot. Sie bekam das Bundesverdienstkreuz verliehen und wurde zur Ehrenbürgerin der Stadt Flensburg ernannt. Doch die 2001 verstorbene Uhse war vor allem eines: eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen, die unser Nachbarland je hervorgebracht hat.

Sex-Branche in der Krise

Das von ihr 1951 gegründete „Versandhaus Beate Uhse“ ist heute ein börsennotierter Erotik-Konzern, der europaweit 250 Geschäfte betreibt. Die Großhandelssparte ist mit über 15.000 verschiedenen Erotik-Artikeln sogar Weltmarktführer. Doch Wirtschaftskrise und Konkurrenz aus dem Internet setzten auch dem Uhse-Konzern zu: 2009 sackten die Erlöse um 17 Prozent auf 231 Millionen Euro ab, die Mitarbeiterzahl sank um 16 Prozent auf 1.200. Und gab es im ersten Halbjahr 2009 noch 686.000 Euro Gewinn, so vermeldete das Flensburger Unternehmen für den Vergleichszeitraum 2010 sechs Millionen Euro Miese.

Anders sieht die Lage hingegen in Österreich aus: Die Umsätze des Salzburger Lizenznehmers legten im Krisenjahr 2009 sogar leicht zu auf fast zwanzig Millionen Euro. Aber nicht, weil den Österreichern Sex wichtiger ist als anderen Europäern, sagt Beate-Uhse-Co-Chef Herbert Derkits. Vielmehr würden hier Sinnlichkeit und laszive Erotik eine zunehmend wichtigere Rolle spielen: „Weil wir das schon vor der Krise erkannt haben, konnten wir rechtzeitig reagieren“.

Mit 46 Standorten ist Beate Uhse hierzulande Marktführer vor Orion und Art-X (jeweils rund zehn Shops). Für heuer plant Derkits weitere Neueröffnungen – allerdings nicht unter dem Namen Beate Uhse. Den will er nämlich schon bald ablegen. „Die Zeiten, wo sich alles um den bloßen Sex drehte, sind endgültig vorbei. Heute wollen die Menschen in einem Erotik-Geschäft etwas erleben und in ein Reich der Sinne eintauchen.“ Beate Uhse steht, so ist Derkits überzeugt, für den Sex, den man früher mal wollte, also, wo es darum ging, auf die Schnelle Pornos, Dildos und Dessous aus Lack und Leder zu verhökern. „Den Läden haftete deshalb ein Schmuddel-Image an, von dem wir uns jetzt trennen müssen.“ Nur so könne der Flaute dauerhaft getrotzt werden.

Neuer Name für Erotik-Kette

Tatsächlich bringen kostenlose Downloads und Tauschbörsen im Internet den stationären Einzelhandel immer mehr unter Druck. Das weltweite Geschäft mit Erotik-DVDs ist bereits um mehr als die Hälfte eingebrochen. Derkits’ Antwort ist eine breit angelegte Lifestyle- Offensive: neues Sortiment, neue (modernere) Läden und auch ein neuer Name. Letzterer – „Seven Sins“ – prangt schon über einigen Beate-Uhse-Shops, wo neben Erotik-Videos und Sexspielzeug auch Nahrungsmittel (z. B. Bonbons in BH-Form) und Bekleidung (darunter Schuhe und Unterwäsche) angeboten werden. Noch diesen Herbst soll die Umbenennung größtenteils abgeschlossen sein. „Die ersten Seven-Sins-Geschäfte sind auch bei Frauen gut angekommen“, sagt Derkits.

Und eben das ist von immenser Bedeutung, zumal Frauen immer mehr Gefallen an Erotik-Geschäften finden: Bereits jeder zweite Shopper ist weiblich. Neben Massageöl, Gleitmitteln und Vibratoren greifen Damen – wenig überraschend – gerne zu Dessous. Wie Derkits sagt, wird die Wäsche künftig vom selben chinesischen Unternehmen gefertigt, das die prominente US-Kette Victoria’s Secret beliefert. Doch selbst wenn Seven Sins besser läuft als Beate Uhse: Der Rückzug des deutschen Vorzeigeunternehmens wird vielen auffallen, vielleicht nicht gleich, aber irgendwann mal auf einer Shoppingtour.

– Silvia Jelincic

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