Kopiert, na und? Der Millionen-Erfolg der Zalando-Gründer

Die Samwer-Brüder zählen zu den erfolgreichsten Online-Gründern Europas. Sie setzen auf Ideen, die sich schon bewährt haben. Investoren stört das nicht.

Kopiert, na und? Der Millionen-Erfolg der Zalando-Gründer

Kurz, ganz kurz war da dieses mulmige Gefühl, diese kleine Angst. Kurz hat der österreichische Business Angel, der eine Führungsposition in einem heimischen Start-up besetzten wollte, gezögert. Dann hat er die Stelle doch auch in Deutschland ausgeschrieben - obwohl dort die Samwers sitzen, die die Geschäftsidee mitbekommen und sofort übernehmen könnten.

Marc, Oliver und Alexander Samwer zählen zu den erfolgreichsten Internet-Unternehmern Europas, und Geschäftsideen anderer Leute umzusetzen ist so etwas wie ihr erstes Markenzeichen. Ihr zweites ist ihr großer Erfolg: Noch heuer soll der Online-Schuhhändler Zalando, an dem sie 17 Prozent halten, an die Börse gehen und das Vermögen der Samwers weiter steigern. Bisher haben sie über 25 Unternehmen aufgebaut und verkauft, deutlich über eine Milliarde Euro sollen sie dafür bekommen haben.

Was nach schnell ersetzbaren Kleingeschäften klingt, hat große Implikationen: Mit ihren Online-Handelsfirmen krempeln sie gerade den stationären Handel um. Was aus ihrer Schmiede kommt, setzt H&M, Ikea, Görtz, Stiefelkönig und vielen anderen gehörig zu.

Erfolgsmodell Daniel Düsentrieb

Dass ein Unternehmen mehrere Jahre in die Samwer-Welt gehört, so wie das bei Zalando der Fall ist, ist eigentlich ungewöhnlich. Für langfristige Unternehmensvisionen sind die drei Brüder nicht bekannt. Das Modell ihres Erfolgs sieht anders aus - und beginnt mit den "Daniel Düsentriebs“, wie Oliver Samwer die Erfinder guter Ideen nennt. Oft kommen diese aus den USA. Das war schon bei ihrem ersten Unternehmen Alando so, und nicht nur phonetisch setzt es sich bis zu Zalando fort, das das Prinzip des amerikanischen Online-Händlers Zappos kopiert. Im Samwer-Portfolio gibt es außerdem Wimdu, einen Klon des Online-Privatvermieters AirBnB und Pinspire, das die Fotoplattform Pinterest imitiert. Erst im Vorjahr ist Lendico dazu gekommen. So wie das US-Vorbild Lending Club will das Unternehmen als Online-Vermittler zwischen Leuten auftreten, die einen Kredit benötigen, und Privatpersonen, die ihnen diesen geben. Jetzt gerade arbeiten 25 Leute an der Kopie von Homejoy, einem US-Portal, über das man Putzkräfte und andere Haushaltsdienste finden kann.

Bewährte Strickmuster

Das Muster ist immer dasselbe: Die Samwers finden eine Idee, die sich schon bewiesen hat, bringen sie nach Deutschland, machen sie groß, expandieren international und stoßen das jeweilige Unternehmen wieder ab. Gekauft werden diese dann von Investoren oder von jenem US-Unternehmen, das nun selbst auf die schon erschlossenen Märkte möchte.

Den drei Brüdern, die so gut wie nie Interviews geben, hat diese Masche zwar viele Erfolge eingebracht, aber nicht unbedingt große Sympathien. "Wie drei Deutsche das Web klonen“ titelte die Business Week, "Copycat“ wurde so etwas wie ihr Beiname in internationalen Medien. Deutsche Journalisten berichten von verschreckten Augen junger US-Unternehmer, die Interviews abbrechen, aus Angst davor, ihre Ideen würden in Deutschland kopiert.

Zwischen die Kritik mischt sich aber immer auch Bewunderung: Dass Konzept sei genial, weil Investoren von vornherein leichter in Ideen einsteigen, von denen man schon weiß, dass sie funktionieren, sagen Marktbeobachter. Über eine Milliarde Euro haben die Brüder allein im ersten Halbjahr 2013 eingesammelt. Auch die Umsetzungsstärke der Samwers wird gelobt. Sogar die Fähigkeit, Fehler konsequent zu korrigieren - geht ein Konzept oder ein Markt nicht schnell genug auf, wird die Idee begraben. Von fünf Ideen sterbe bei Rocket nur eine, sagte Alexander Kudlich vor kurzem.

Rocket Internet

Kudlich ist CEO von "Rocket Internet“. Das Hauptunternehmen der Samwers hat seinen Sitz in Berlin Mitte. Auf engstem Raum tummeln sich hier Jungunternehmer, an denen die Samwers über "Rocket“ gemeinsam mit Großinvestoren Beteiligungen halten. Ergänzt durch ihren Investment-Fonds bieten sie so etwas wie einen Brutkasten für Start-ups. Sie bringen die richtigen Leute zusammen, stellen das Geld auf, schenken Programmierleistung her, übernehmen das Marketing und die Logistik - immer vorausgesetzt, das Potenzial der Idee ist groß genug. Rocket Internet nennt sich selbst den "größten Internet-Inkubator der Welt“. Oliver Samwer, das 40-jährige Mastermind der Brüder, verkündete: "Es gibt weltweit nur drei Internet-Firmen, Amazon, das chinesische Alibaba und uns.“ Und tatsächlich reicht das Imperium, das sie sich Markt für Markt erschließen, mittlerweile bis Russland, Lateinamerika und in Teile Afrikas.

Ehemalige Mitarbeiter, die aufgrund der Enge der Branche anonym bleiben wollen, sagen, dass es bei diesen Expansionen oft nicht start-upmäßig lässig, sondern militärisch zugehe. Ein E-Mail, mit dem Oliver Samwer 2011 seine Leute dazu anspornen wollte, aus Home24 den größten Online-Möbelhändler zu machen, gilt als legendär: Er schrieb von "Blitzkrieg“ und: "Ich bin der aggressivste Mann im Internet - ich würde sterben, um zu gewinnen und von euch erwarte ich das gleiche!“ Nur wenige der Mitarbeiter, die vor allem von den großen Beratungshäusern kommen, hält es in diesem Umfeld lange.

Die richtige Exit-Strategie zu haben, ist aber auch für die Samwers selbst essentiell. Ein Börsegang wie bei Zalando ist da eher ungewöhnlich. Kritische Beobachter glauben, dass jetzt noch viel "Phantasie“ in der Marke drin ist, sich das bei andauernd schlechten Ergebnissen aber ändern könnte.

Die Allesverkäufer

Marc (geboren 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) Samwer (v.l.) stammen aus Köln. Unternehmerisch in Erscheinung traten sie 1999 mit dem Online-Aktionshaus Alando. Nach einem US-Aufenthalt bauten die Samwers damit Ebay nach. Ebay kaufte "Alando“ um 40 Mio. Euro.

Ihr Vermögen wird auf 550 Mio. Euro geschätzt. Ihr Firmen-Inkubator "Rocket Internet“ und der Risiko-Kapitalfonds "European Founders Fund“ haben rund 75 Start-ups in 40 Ländern hervorgebracht.

Zalando

Der deutsche Online-Schuhhändler, an dem die Samwer-Brüder über ihre Investmenteinheit European Founder Fund 17 Prozent halten, könnte noch 2014 an die Börse gehen. Goldman Sachs schätzt den Wert auf 11,9 Mrd. Euro. Dabei schrieb Zalando auch 2013 noch Verluste und verfehlte das Umsatzziel von 2 Mrd. Euro.

Jamba

Gemeinsam mit der Metro und Debitel verdienten die Samwers ab 2000 an Klingeltönen. 2004 übernahm Verisign Jamba für rund 225 Mio. Euro, 2008 ging es an Fox, 2010 wurde es abgewickelt.

StudiVZ

Das Vorbild Facebook stammt aus den USA, die Samwers waren in Deutschland mit StudiVZ schneller. Holtzbrinck kaufte es für 85 Mio. Euro. Dann wurde Facebook immer größer, StudiVZ verschwand.

MyVideo

Youtube gab es schon, da forcierten die Samwers das Video-Portal MyVideo. Es wurde 2006 zum Teil, 2007 dann ganz von ProSiebenSat.1 übernommen. Der Preis: 27 Mio. Euro.

Groupon

Der deutsche Klon CityDeal war erst sechs Monate am Markt, als das Coupon-Portal Groupon ihn 2010 um rund 127 Mio. Euro übernahm. Marc Samwer rückte in die Groupon-Führung auf.

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