Kontrollversagen: Skylink-Probleme von Flughafen-Aufsichtsrat hartnäckig ignoriert

Obwohl der Airport-Aufsichtsrat lange über die Probleme am Sky­link informiert war, zog er die Notbremse nicht. Auch die Kontrollore werden demnächst bei der Hauptversammlung ihr Fett abkriegen.

Am Flughafen Wien scheint man plötzlich auf rigide Kos­tenkontrolle umgestellt zu haben. Der Aufsichtsrat will Exfinanzvorstand Christian Domany – dem die Hauptverantwortung für das Skylink-Debakel angelastet wird – seine Abfertigung verweigern. Domany wurde zwar noch nicht schriftlich von dem Vorhaben informiert, aber er wird um das Geld streiten müssen. Und wird es wohl auch tun. Denn es handelt sich um die gesetzliche Abfertigung: in diesem Fall vier Monatsgehälter à 30.000 Euro, also rund 120.000 Euro. Ohne ihn nachträglich zu entlassen, wird Domany diese Zahlung nicht zu verwehren sein. Er kann nur freiwillig darauf verzichten.

Aufsichtsrat unter Beschuss
Das Kos­tenbewusstsein des Flughafen-Aufsichtsrats in der Vergangenheit wird ein Hauptthema bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 20. August sein. Da werden sich auch die Kontrollore peinliche Fragen über ihre Mitverantwortung für die Kostenexplosion beim neuen Terminal Skylink – 400 bis 500 Millionen Euro – gefallen lassen müssen. Aus Aufsichtsratsprotokollen, die FORMAT exklusiv vorliegen, geht hervor, dass der gesamte Aufsichtsrat stets gut informiert war und auch Kostenerhöhungen stets brav abnickte. Bereits in der 110. Aufsichtsratssitzung am 13. Dezember 2006, also lange bevor der Skandal um den Skylink publik wurde, wurde der gesamte Aufsichtsrat – nur Hans-Jörgen Manstein fehlte – vom damals zuständigen Vorstand Domany über erhebliche Probleme in Kenntnis gesetzt. So berichtet er über Probleme mit dem für die Haustechnik zuständigen Büro Freudensprung: „Am 6. 10. hat es eine ein­tägige Krisensitzung gegeben, die zum Ergebnis hatte, dass weitere Maßnahmen zur organisatorischen und personellen Stärkung und Veränderung des Planers gesetzt wurden.“ Eine Arbeitsgemeinschaft zur Evaluierung der Probleme werde eingesetzt. Weiter heißt es im Protokoll: „Nach der Evaluierung wird gesichertes Wissen vorliegen, wie hoch die zusätzlichen Kosten tatsächlich sein werden.“

Kostenüberschreitungen abgenickt
Auf die Präsentation Domanys folgen viele, auch kritische Fragen der anwesenden Aufsichtsräte. Am Ende werden die Berichte aber immer formell zur Kenntnis genommen. So läuft es in nahezu allen Aufsichtsratssitzungen zwischen 2004 und 2009 ab. In 45 Sitzungen, also immerhin rund zehn pro Jahr, berichtet der Vorstand über den zähen Baufortschritt beim Skylink, die Kontrollore stellen Fragen und nicken Budgetausweitungen ab. So wurden auch die mittlerweile ans Tageslicht gekommenen Sonderbudgets am 14. November 2007 in einer Sitzung des Kontrollgremiums bewilligt: 13,3 Millionen Euro wurden damals für den „Vorplatz Skylink“ veranschlagt, 10,7 Millionen Euro für dessen Leitsystemerneuerung und noch einmal 8,9 Millionen Euro für die Möblierung des Skylink.

Warten auf die Sonderprüfung
Aufsichtsratsvorsitzender Johannes Co­reth, gegen den auch eine Strafanzeige wegen Untreue bei der Staatsanwaltschaft Korneuburg eingebracht wurde, will sich nicht dazu äußern, wie umfangreich der Wissensstand der Aufseher tatsächlich war: „Warten wir die Sonderprüfung ab. Dann wird sich schon zeigen, wer was wann wusste.“ Ein anderer Aufsichtsrat, der nicht ­genannt werden möchte, räumt ein, vom Vorstand über die Probleme rund um den Skylink eingeweiht worden zu sein: „Aber dass derartige Termin- und Kostenprobleme vorlagen, ahnten wir nicht.“ Vor allem die letzte große Kostenexplosion von 657 auf 830 Millionen Euro im April 2009 habe alle überrascht. Warum der Aufsichtsrat nicht bereits früher die Notbremse gezogen hat? „Die vorherigen Erhöhungen waren alle noch irgendwie nachvollziehbar.“

Kritik der Kleinaktionäre
Ob auch die Aktionäre der Flughafen AG diese nachvollziehen können, vor allem den Schaden, welcher der Gesellschaft durch die laxe Kontrolle entstanden ist, bleibt abzuwarten. Kritische Fragen zum Skylink wird sich Coreth auf der Hauptversammlung im Wiener Austria Center, seiner Abschiedsveranstaltung als Aufsichtsratschef, nicht entziehen können. Wahrscheinlich werden die Aktionäre sich damit aber nicht zufrieden geben, denn auch Coreth selbst steht schwer unter Beschuss, weil er als gewöhnliches Mitglied im Kontrollgremium verbleiben will. „Diese Umetikettierung halte ich für einen Unsinn. Es muss zu einer größeren Rochade im Aufsichtsrat kommen“, fordert Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger. Er ist überzeugt: „Der Aufsichtsrat hätte beim Skylink früher handeln müssen, aber offenbar war er überfordert.“

Coreth rüstet sich für Klagen
Die Aussagen einiger Mitglieder, sie hätten zu wenige Informationen bekommen, glaubt ihnen kein Aktionär mehr – außer vielleicht die Haupteigentümer, die Länder Wien und Niederösterreich. Schadenersatzklagen gegen Organe des Flughafens, auch gegen Aufsichtsratsmitglieder, werden in einigen Rechtsanwaltskanzleien jedenfalls bereits angedacht. ­Johannes Coreth hat sich dagegen gerüstet und den prominenten Prozessanwalt Wolfgang Brandstetter an seine Seite geholt. Das Ergebnis der Sonderprüfung, die auch nächsten Donnerstag beschlossen wird, werden die meisten Klagswilligen dennoch abwarten. So wie das Rechtsgutachten von Professor Waldemar Jud über die Verantwortung der einzelnen Airport-Vorstände, das wahrscheinlich in die Sonderprüfung eingearbeitet werden wird.

Kosten deutlich höher als der Wert
Einen Schaden müssen die Anleger gar nicht erst lange herbeireden. Denn der ist durch den Skylink schon sicher. Das Management, allen voran der neue Finanzvorstand Ernest Gabmann, wird irgendwann erklären müssen, wie es mit den „stranded costs“ verfahren möchte – also jene rund 250 Millionen Euro in der Bilanz unterbringen will, die der Skylink mehr an Kosten verschlungen hat, als er nach seiner Fertigstellung wert sein wird. Experten schätzen nämlich den Wert des Bauwerks auf nicht mehr als 600 bis 650 Millionen Euro. FORMAT gegenüber wollte sich Gabmann zu diesem Thema nicht äußern. Erspart bleibt es dem Vorstand nicht.

Von Angelika Kramer

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