Konjunktur: Die US-Finanzkrise wird 2009 auch Österreichs Realwirtschaft treffen

„Die Finanzkrise ist das größte Konjunkturrisiko für Europa“, warnte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück seine Kollegen am Samstag beim Ecofin-Rat in Nizza. Das war allerdings noch vor dem großen Crash. Mittlerweile hat sich das Risiko in Gewissheit verwandelt: Die Realwirtschaft wird auch in Europa von der Finanzkrise mitgerissen. Die ohnehin düsteren Prognosen der EU-Kommission für 2009 müssen weiter nach unten revidiert werden. Großbritannien, Spanien, Italien und selbst Deutschland schlittern in die Rezession.

Gefahr im Verzug
„Wir müssen gewappnet sein und Gewehr bei Fuß stehen, um mit dieser neuen Eruption des Vulkans zurande zu kommen“, sagt Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, der für nächsten Dienstag zu einem Krisen-Konjunktur-Gipfel eingeladen hat: „Hier ist Gefahr im Verzug.“
IHS-Chef Bernhard Felderer bestätigt: „Die bisherige Abschwächung war teils einfach das Ende eines Konjunkturzyklus. Doch jetzt muss man davon ausgehen, dass die recht komfortablen Prognosen für Österreich – mehr als ein Prozent Wachstum 2009 – revidiert werden müssen.“ Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter ist ebenso pessimistisch: „Das ist eine ernsthafte globale Krise. Die Folgen für die Realwirtschaft sind noch nicht seriös zu berechnen, aber sie kommen.“

Ein Jahr Verzögerung
Die Finanzkrise hat bereits Banken und Versicherungen erfasst, dadurch kann es nun auch in Europa zu einem Kredit-Engpass kommen – was die Investitionen von Unternehmen bremst. Der immer noch schwache und derzeit wieder fallende Dollar drückt auf die Exportwirtschaft, die mehr als die Hälfte der österreichischen Wirtschaftsleistung erbringt. Der Privatkonsum fängt die Ausfälle wegen Inflation und sinkender Reallöhne nicht auf, im Gegenteil. Die Folge: Ab Anfang 2009 droht die Arbeitslosigkeit wieder zu steigen, insbesondere im Finanzsektor und in Exportbetrieben. Ein Vorteil der österreichischen Wirtschaft ist ihre Struktur: Klein- und Mittelbetriebe sind zwar von der Konjunkturschwäche betroffen – aber nicht direkt von den Turbulenzen auf den Finanzmärkten.

Von Corinna Milborn

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