Klaus Heidegger: "Die Firma kommt immer zuerst"

Klaus Heidegger: "Die Firma kommt immer zuerst"

Vom Bauernburschen zum Multimillionär: Klaus Heidegger triumphierte nicht nur als Skistar, noch erfolgreicher ist der Tiroler als Unternehmer in den USA.

FORMAT: Sie waren erfolgreicher Skirennläufer, haben eine weltweit operierende Firma aufgebaut und züchten Pferde auf ihrer Ranch in Malibu. Als was sehen Sie sich: Ex-Skifahrer, Unternehmer oder Pferdeflüsterer?

Klaus Heidegger: Ich bin allem voran Unternehmer. Durch und durch. Nach meiner ÖSV-Karriere war der Schritt ins Unternehmertum für mich klar. Es hat nur eine Weile gedauert, bis ich die richtige Branche gefunden hatte. Nach meinem Rückzug aus dem Skirennsport eröffnete ich zuerst ein Hotel. Das war definitiv nicht das Richtige für mich.

Ihr nächster Karrieresprung führte Sie in die USA. War es denn ein Traum für Sie, nach Amerika auszuwandern?

Heidegger: Amerika war für mich schon immer fanszinierend. Ich bin mit Filmen von John Wayne groß geworden - der war für mich die Verkörperung von Coolness.

Es zog Sie aber nicht in den Wilden Westen, sondern nach New York.

Heidegger: Das hat sich durch meinen Schwiegervater ergeben. Die Familie meiner Frau, die selbst aus New York kommt, führte dort eine erfolgreiche Apotheke. Ihre wichtigsten Produkte waren hochwertige Kosmetika unter dem Markennamen Kiehl’s. Ich bekam die Möglichkeit, mich am Geschäft zu beteiligen. Die Branche war mir fremd, aber ich hab das nötige Handwerkszeug nach und nach gelernt.

Ein Tiroler Bauernbursch mischt Schönheitscremes in einer New Yorker Apotheke?

Heidegger: Ja, das ist ein starker Kontrast. Aber genau so hat das angefangen. Schon früh wurde mir klar, dass die Produkte, die wir herstellten, viel zu gut waren, um nicht zu expandieren. Das habe ich dann auch vorangetrieben. Dass mein Schwiegervater oft etwas bremste, hat sich bald als wahrer Segen entpuppt: Wir expandierten langsam aber stetig, hielten die Ware immer knapp. Und die Leute rissen sich förmlich darum. Diese vorsichtige Herangehensweise an Firmenwachstum wurde mir dadurch sehr wichtig. Allzu schnell expandiert man sich sonst um Kopf und Kragen.

Im Jahr 2000 verkauften sie Kiehl’s dann an L’Oréal, US-Medien schätzten den Kaufpreis auf 150 Millionen. Ist das ungefähr die Größenordnung?

Heidegger: Diese Summe wird immer wieder genannt. Ich kann nur soviel sagen: Für 150 Millionen Dollar hätte ich Kiehl’s ganz sicher nicht verkauft.

Sie haben also mehr kassiert?

Heidegger: Durchaus. Die Arbeit ist danach aber nicht wirklich weniger geworden. So blöd das jetzt klingt, musste ich mich erstmal darum kümmern, das Geld sinnvoll zu investieren. In der Sonne liegen und Faulenzen ist ohenhin nichts für mich. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich viel zu arbeiten habe.

Den Erfolg von Kiehl’s konnten Sie mit Ihren neuen Investments jedoch nicht wiederholen. Woran lag das?

Heidegger: Zunächst mal war sicher die Ausgangslage eine andere. Ich war nicht mehr der alleinige Firmenboss, sondern nur Investor und später Partner. Und das liegt mir nicht wirklich. Vor allem scheiterte es am Vertrauen. Und das war mir bei Geschäften immer das wichtigste.

Welche Firmenphilosophie verfolgen Sie denn als Unternehmer?

Heidegger: Die Firma kommt immer zuerst. Mir war es nie wichtig, meinen Namen über der Eingangstüre zu lesen. Im Gegenteil: "Heidegger Kosmetik“ hätte beim Verkauf sicher weniger eingebracht als "Kiehl’s. Die Marke war nicht an eine Person gebunden - und das ist ein echter Vorteil. Im übrigen bin ich der Meinung, dass das Produkt immer im Vordergrund stehen sollte. Wenn man hervorragende Qualität und guten Service bietet, kommt der Erfolg von alleine.

Investoren haben Sie sich nie mit ins Boot geholt. Bewusste Entscheidung oder mangelte es nur am Angebot?

Heidegger: Interessenten hätte es genug gegeben. Ich rate aber jedem Unternehmer: Wenn man nicht unbedingt frisches Geld braucht, Finger weg von Investoren und Venture Capital. Eine langsame Wachstumsstrategie ist meiner Meinung nach immer vorzuziehen. Investoren wollen meist kurzfristige Renditesteigerung - das hat schon viele Unternehmen ruiniert.

1993 sind Sie mit Familie an die Westküste gezogen. Hatten Sie genug vom Big Apple?

Heidegger: New York ist ein großartiges Pflaster für Unternehmer. In Malibu, wo wir eine Ranch kauften, lebt es sich aber einfach deutlich angenehmer.

Vielleicht auch, weil die Nachbarn dort etwas netter sind?

Heidegger: Pamela Anderson und Mickey Rourke treffe ich öfter mal beim Einkaufen, Stevie Wonder war auch schon zu Besuch, genauso wie Robert Redford, der ein paar Häuser weiter wohnt. Und beim Spazierengehen hat sich Bob Iger (Anm.: CEO von Disney) mal auf mein Grundstück verirrt. Das ist aber wohl wie in jeder Nachbarschaft: Man kennt sich, grüßt sich, sieht sich ab und zu, verbringt aber nicht wirklich viel Zeit mit einander.

Zurück nach Österreich wollten Sie nie?

Heidegger: Ich habe natürlich noch Familie in Tirol. Aber die besuchen mich lieber in Malibu. Derzeit schaffe ich es vielleicht ein, zwei Mal pro Jahr, für ein paar Tage nach Österreich zu kommen. Wieder zurück nach Österreich zu ziehen, kommt für mich aber nicht in Frage. Schon alleine aus wirtschaftlichem Interesse.

Sind die Chancen in den USA denn nach wie vor so viel besser als in Europa?

Heidegger: In Amerika herrscht einfach ein völlig anderes Klima für Unternehmer. Wenn in Österreich einer Erfolg hat, schlägt einem Neid und Missgunst entgegen. Da werden einem ja gleich kriminelle Machenschaften unterstellt, wenn man eine erfolgreiche Firma aufbaut. Dieses intrigante, heuchlerische Getue geht mir maßlos auf die Nerven.

Würden Sie Unternehmensgründern raten, gleich in die USA zu gehen?

Heidegger: Ja, weil scheitern kann man überall. Wenn man es in Amerika schafft, dann dafür gleich richtig. Leider sind die Einwanderungsbedingungen heute deutlich strenger als zu meiner Zeit. Wer aber die Chance hat, in den USA ein Unternehmen zu gründen, sollte das auf jeden Fall lieber dort versuchen als in Österreich.

Politische Ambitionen haben Sie keine? In Österreich sind Politikprojekte von ehemaligen Auwanderern ja gerade in Mode.

Heidegger: Nein, das reizt mich gar nicht. Zumindest nicht in erster Reihe. Überhaupt ist mein politisches Interesse erst in den USA so wirklich aufgekommen. Vorher hat mich das alles nicht interessiert. Ich habe mich in den USA auch in die Wahlkämpfe von Arnold Schwarzenegger und Mitt Romney eingebracht. Aber eben nur im Hintergrund. Frank Stronach ist ein guter Freund. Er ist halt ein Idealist, der wirklich glaubt, in Österreich etwas zum Positiven verändern zu können. Er will Politik wie ein Unternehmer betreiben. Das Problem ist aber, dass man ein Land eben nicht wie eine Firma führen kann. Da meine Tochter und ihre Enkelin beide begeisterte Reiterinnen sind, unterhalten wir uns, wenn wir uns sehen, aber ohnehin nur über Pferde.

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