"Keine Profis am Arbeiten": Prüfbericht zu Skylink lieferte vernichtendes Urteil

Eine vom Airport-Vorstand beauftragte Skylink-Prüfung machte schon Mitte 2007 klar, dass dieses Projekt eine böse Bruchlandung wird.

Wer ist schuld an dem Desaster? Kaum ein Wirtschaftsfall in den letzten Jahren hat die Öffentlichkeit derart beschäftigt wie der Skylink-Wahnsinn am Wiener Flughafen. Am 8. Juni 2007 ging der 27-seitige Schlussbericht der Firma Vasko+Partner ein, die von Ex-Finanzvorstand Christian Domany mit einer Prüfung des Projekts beauftragt worden war. Schon dieses Papier, das FORMAT vorliegt, lässt keinen Zweifel daran, dass Kosten- und Terminplanung beim Skylink kläglich scheitern werden. Sogar eine Schuldverteilung mit exakten Prozentangaben hat Vasko damals geliefert – allerdings ohne den eigenen Auftraggeber Flughafen zu berücksichtigen, dessen Führung laut Experten zu rund ­einem Viertel für die Bruchlandung verantwortlich ist. Daraus ergibt sich: 75 Prozent der Schuld tragen Projektsteuerung, Bauherr und die Architekten. Der Bericht macht nachvollziehbar, wie mangelnde Planung, Problemverdrängung und lasche Kontrolle zu einer Verdoppelung der einst mit 400 Millionen Euro veranschlagten Kosten führten. Der Versuch der übrigen Skylink-Konsulenten, alle Schuld auf den – freilich überforderten – Haustechnikplaner Freudensprung (FEG) abzuladen, der 2007 seinen Auftrag verlor, wurde durch den Vasko-Bericht zunichte gemacht.

Problem Ausführungsplanung
Das Vorarlberger Architekturbüro Baumschlager/Eberle gründete für die Ausführungsplanung mit zwei anderen Büros die Arbeitsgemeinschaft PMN. Deren Detailpläne, nach denen die beauftragten Unternehmen bauen müssen, waren über Jahre ein Grund ständiger Beschwerden anderer Skylink-Beteiligter. Auch die Experten von Vasko+Partner stellten fest, „dass PMN einen zentralen Schwachpunkt des Projektes darstellt“. Unvollständige, fehlerhafte und zu spät fertig gestellte Planunterlagen veranlassten sie zu dem vernichtenden Urteil, „dass hier keine Profis am Arbeiten sind“. Verunsicherung, Stillstände und teure Verzögerungen waren die Folge. Dem Airport wurde empfohlen, die Mängel durch ein Gutachten feststellen zu lassen, zusätzliches Personal von PMN (30 bis 40 Leute) zu verlangen und rechtliche Schritte einzuleiten. Ein Gutachten ließ der Flughafen zwar einholen, doch trotz eines sehr schlechten Zeugnisses gab es keine Konsequenzen. Noch Anfang 2009 hatten die Ausführungs­pläne nicht die nötige Qualität. Auch der scharf kritisierte PMN-Geschäftsführer Alfred Weber – „eine technisch-geschäftliche Oberleitung existiert schlichtweg nicht“ – wurde nicht ersetzt.

Problem Projektsteuerung
Weil die technisch-geschäftliche Leitung nicht funktionierte, kam der Projektsteuerung noch größere Bedeutung zu. Für die war die Stuttgarter Firma Drees & Sommer verantwortlich. Deren Arbeit kommt in dem Bericht um nichts besser weg. Bemängelt wurden „Passivität, Versagen im Troubleshooting, unzureichender Personaleinsatz und schleppende Führung des Änderungsmanagements“. Als die Situation immer prekärer wurde, verstärkte Domany im Sommer 2008 die Projektsteuerung durch die Raiffeisen Evolution, die im ­April 2009 wieder ausscheiden musste.

Problem begleitende Kontrolle
Mit dieser Aufgabe wurde Spirk & Partner betraut, deren Tätigkeit in dem Prüfbericht als bürokratisch, projektbehindernd und unkoordiniert bezeichnet wird, wodurch bei anderen Firmen unnötig Kapazitäten gebunden worden seien. Und, ein zentraler Satz: „Für die BK stellt sich analog zur Projektsteuerung die Frage, warum in einem so langen Zeitraum trotz Erkennen der Probleme nicht vehementer auf Gegenmaßnahmen gedrängt wurde.“

Problem Flughafen
Die gleiche Frage stellt sich in Bezug auf den Flughafen-Vorstand. Der Bauherr hat das Chaos durch unkoordinierte und unklare Inputs mit verschuldet. Zum Beispiel wurde das Boarding-Konzept viel zu spät fertig. Ständig neue Anforderungen ergaben ­absurd viele Änderungswünsche – selbst nach dem Beschluss 2007, nichts mehr zu ändern. Experten sprechen von einer „geringen Bestellqualität“.

Vor allem verabsäumte es die Airport-Führung aber, rechtzeitig mit dem eisernen Besen auszukehren, obwohl sich das Debakel jahrelang abzeichnete. Die Folge ist schon im Dossier von Vasko+Partner zu lesen: „Aus Sicht des Berichterstatters ist eine Kostenexplosion nicht ausgeschlossen.“ Es wurde dringend empfohlen, statt „bloßem Zusammentragen von Zahlenmaterial“ das Kostenmanagement umzustellen, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Das ist nicht ausreichend passiert.

Von Andreas Lampl

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