"Keine Gesetze ohne Lobbying": Interview mit Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt

Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt über das Glücksspielgesetz, Casino-Lizenzen, intensives Lobbying und das 30-jährige Firmenjubiläum.

Format: Herr Wohlfahrt, ist es nicht frustrierend, dass Novomatic seit Jahren enorm viel Geld in gemeinnützige Projekte steckt, das Image des Unternehmens aber trotzdem angegriffen wird?
Wohlfahrt: Der Grund, warum wir es in Österreich so schwer haben, ist, dass es keine klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen gibt. Daher ist es den bisherigen konzessionierten Anbietern immer möglich gewesen, das große, gute Casino- und Lotteriespiel gegen das böse und unregulierte Automatenspiel auszuspielen. Das färbt auf die ganze Branche negativ ab. International genießen wir einen hervorragenden Ruf.

Format: Glauben Sie daran, dass die Glücksspielgesetz-Novelle in Österreich noch vor dem Sommer durchgeht?
Wohlfahrt: Ich hoffe sehr, dass man mit dem Gesetz nun zu einem Durchbruch kommt. Es wäre dringend notwendig, dass die einzelnen Marktsegmente einmal vernünftig reguliert werden.

Format: Würde diese Novelle für Sie zusätzliche Investitionen bedeuten?
Wohlfahrt: Ja, die Industrie wird sicher massiv investieren müssen, etwa in den Ausbau geeigneter Spielsalons, in die Technologie, das Service und die Zutrittskontrolle.

Format: Wie viel muss Novomatic für das Nachrüsten zahlen?
Wohlfahrt: Wir rechnen mit Investitionen in der Größenordnung von 60 Millionen Euro.

Format: In Österreich steht ja die Neuausschreibung von Casino-Lizenzen an. Stimmt es, dass Sie davon schon einige fix in der Tasche haben?
Wohlfahrt: Wir haben noch keine Lizenz fix in der Tasche. Ob wir eine bekommen, hängt von mehreren Faktoren ab: ob uns die Standorte interessieren und ob uns der Finanzminister die Konzession tatsächlich erteilt. Wir werden uns die Standorte genau anschauen und sicher für den einen oder anderen Standort unser Interesse bekunden. Wir sind zuversichtlich, dass wir die eine oder andere Spielbanken-Konzession bekommen.

Format: Wie viel Geld haben Sie dafür reserviert?
Wohlfahrt: Die Lizenz selbst kostet nichts, aber man muss Spielbankabgaben an den Staat abliefern, und man verpflichtet sich, für die Dauer der Konzession die Spielstätte permanent zu betreiben. Dazu kommen Errichtungskosten für eine Spielbank mittlerer Größe von 30 bis 50 Millionen Euro.

Format: Wie stark empfinden Sie die Konkurrenz der Casinos Austria im Kampf um die Lizenzen?
Wohlfahrt: Wenn die Ausschreibung EUweit kommt, wird es sicher mehrere Interessenten dafür geben. Die Casinos Austria werden natürlich ein unmittelbarer Mitbewerber sein. Entscheidend wird das beste Konzept sein, nicht die Finanzkraft.

Format: Es hat ja eine Zeit lang so ausgesehen, als könnte es zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Novomatic und den Casinos kommen. Ist das noch ein Thema?
Wohlfahrt: Ich führe permanent Gespräche mit Generaldirektor Stoss, und wir sondieren viele Möglichkeiten. Es ist nicht auszuschließen, dass wir wirklich irgendwo kooperieren. Eine Möglichkeit wäre etwa die Kooperation im Bereich Videolotterien.

Format: Sind Vorwürfe, wie sie vom Abgeordneten Pilz kommen, dazu angetan, dieGlücksspielgesetz-Novelle zu verhindern?
Wohlfahrt: Ich erachte es für unverantwortlich, wenn ohne konkreten Beweis schwerwiegendeVorwürfe gegen ein weltweit erfolgreiches Unternehmen erhoben werden. So werden der Ruf der Firma und damit die Arbeitsplätze in Gefahr gebracht. Wenn Kunden Produkte deswegen stornieren, drohen Produktionsausfälle, und man schadet damit auch dem Wirtschaftsstandort. Deshalb haben wir auch sofort Klage gegen Pilz erhoben. Der Fall Pilz sollte meiner Meinung nach auch politisch hinterfragt werden. Man sollte sich überlegen, ob es sinnvoll ist, die außerparlamentarische Immunität aufrechtzuerhalten. Jedem Abgeordneten ist es gestattet, ohne Sanktion strafrechtlich relevante Vorwürfe zu äußern. Das kann nicht Sinn der Immunität sein.

Format: Sie haben den Vorwurf derBestechung ja vehement bestritten. Können Sie erklären, was Meischberger für Novomatic tatsächlich gemacht hat?
Wohlfahrt: Wir bestreiten nicht, dass wir mit der Firma von Herrn Meischberger, der ZehnVierzig GmbH, und der Hochegger-Gruppe Beratungsverhältnisse unterhalten haben. Meischberger hat für uns unter anderem Marketingkonzepte für Admiral und Novomatic erstellt und uns beraten, wie gesetzgeberische Vorhaben bestmöglich kommuniziert werden. Meischberger hat uns auch mit Hochegger und der Telekom zusammengebracht. Das hat dazu geführt, dass wir mit der Telekom eine Kooperation geschlossen haben. Eines ist aber sicher: Nirgendwo auf der Welt werden Gesetze ohne Lobbying gemacht. Dass die Novomatic jetzt wegen anderer Probleme von Meischberger und Hochegger in die Sache hineingezogen wird, da hat Pilz weit über den Verfassungsbogen hinausgeschossen.

Format: Wie viel gibt Novomatic jährlichfür Lobbying aus?
Wohlfahrt: Der Betrag wird eine Million Euro jährlich wahrscheinlich nicht überschreiten.

Format: Können Sie auch sagen, wie vielNovomatic in Österreich Steuern zahlt?
Wohlfahrt: Wir haben in den letzten zehn Jahren über zwei Milliarden Euro an Steuern bezahlt. Das macht im Jahr zwischen 150 und 200 Millionen Euro. Die größten Brocken sind die Körperschafts- und Lohnsteuer.

Format: Stört es Sie eigentlich, dass mancheIhrer Konkurrenten wie bwin in Österreich keine Steuern zahlen?
Wohlfahrt: Dazu kann ich nichts sagen. Wettbewerbsverzerrend ist es aber nur dann, wenn Gelder ins EU-Ausland abfließen.

Format: Ist eigentlich Ihr Streit mit dem ORF schon beigelegt?
Wohlfahrt: Der Bundeskommunikationssenat hat kürzlich entschieden, dass der ORF tendenziös über Novomatic berichtet und das Objektivitätsgebot verletzt hat. Dies wird auch in einer der nächsten „Am Schauplatz“-Sendungen verlautbart werden. Trotzdem ist es uns wichtig, mit dem ORF eine vernünftige Geschäftspartnerschaft aufrechtzuerhalten.

Format: Sie haben sich für das Amt des ÖOC-Präsidenten interessiert. Sind Sie froh, dass Sie sich nicht intensiver dafür interessiert haben?
Wohlfahrt: Ich habe mich nicht interessiert. Hätte ich mich interessiert, hätte mich mein Aufsichtsrat zurückgepfiffen, weil ich meine ganze Arbeitskraft in unserem Unternehmen einsetzen muss. Ich bin schon mit meiner Vizepräsidentschaft beim Tennisverband mehr als ausgelastet.

Format: Novomatic feiert diese Woche den 30. Geburtstag. Die Gruppe macht rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz und einen Gewinn von mehr als 200 Millionen Euro. Was wünscht man sich da eigentlich noch?
Wohlfahrt: Unser Unternehmen ist ja Produzent, Dienstleister und innovativer B2BContent-Provider, und in all diesen Segmenten gibt es noch Optimierungsmöglichkeiten. Vor allem das B2B-Business soll in den nächsten Jahren wachsen. Wir sind damit erfolgreich mit Skyvegas, einer Firma von Rupert Murdoch, gestartet.

Format: Wohin wollen Sie denn in den nächsten Jahren noch expandieren?
Wohlfahrt: Wir wollen in Italien unsere Präsenz verstärken, auch Spanien wird in den nächsten fünf Jahren eine große Rolle spielen. In Lateinamerika wollen wir im Vertrieb wachsen, etwa in Argentinien.

Interview: Angelika Kramer

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