Julius Meinl V. bläst jetzt zum Großangriff:
Millionenaufwand soll Banker reinwaschen

Julius Meinl V. holt jetzt zum Gegenschlag aus. Er attackiert Gerichtsgutachter, Staatsanwalt und die Republik. Dabei helfen ihm ein Heer von Spitzenjuristen, die besten PR-Berater und sein Millionenvermögen.

In der Welt des Julius Lindbergh Meinl spielt Geld keine Rolle. Eine runde Million Euro zahlt er angeblich monatlich an seine Rechts- und PR-Berater. Kolportierte zehn Millionen Euro verplant der 49-jährige Clanchef derzeit für Inseratenkampagnen und Öffentlichkeitsarbeit.

Mehr als eineinhalb Jahre schwieg er zu allen persönlichen Angriffen. Doch diese Zeiten sind nun endgültig vorbei. Der öffentlichkeitsscheue Multimillionär geht nun in die Offensive. Gemeinsam mit seinem exquisiten Beraterteam bläst „der Fünfer“ zur Millionenoffensive gegen Finanzmarktaufsicht, Justiz und sogar die Republik Österreich. Wir prüfen eine Amtshaftungsklage gegen die Republik Österreich“, droht Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl im FORMAT-Interview. In der Staatsanwaltschaft Wien sieht man der Drohung gelassen entgegen. „Der Schritt leuchtet mir nicht ein“, sagt Behördensprecher Gerhard Jarosch, „Herr Meinl hat weder gegen Festnahme noch gegen den U-Haft-Beschluss eine Beschwerde eingereicht. Wie will er jetzt die Republik klagen?“

Kontroversielles Gutachten
Der Grund für Meinls neu erstarkte Kampfeslust ist jedenfalls 23 Seiten lang und trägt den Titel „Vorgutachten zur Strafsache 608 St 1/08w“. Darin beschreibt der Gerichtssachverständige Thomas Havranek Meinls Rolle in der MEL-Affäre. Staatsanwalt Markus Fussenegger verdächtigt Meinl (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) des Anlegerbetrugs und der Spesenschinderei, was vom Havranek-Papier gestützt wird. Zudem wird das Wechselspiel zwischen MEL, Meinl Bank und der Karibikfirma Somal untersucht. Der schwere Untreue-Verdacht: Meinl zockte auf Kosten der MEL.

Die Meinl Bank wehrt sich gegen die Anschuldigungen. Sie bezeichnet die Expertise als „Schüleraufsatz auf Steuerzahlerkosten“.
Die Schlampigkeitsfehler im Havranek-Vorabbericht sind für die Meinl-Anwälte jedenfalls ein gefundenes Fressen. Sie behaupten, 80 falsche Fakten entdeckt zu haben. Grund genug, um den kritischen Gutachter erneut abzulehnen.

Die Armee steht
Überhaupt schart Meinl gerne Topexperten um sich. So steht etwa Börsenrechtlerin Susanne Kalss ebenso auf der Payroll der Bank wie die Spitzenanwälte Herbert Eichenseder und Christian Hausmaninger. Daneben arbeitet ein Heer von Juristen an der Meinl’schen Verteidigungsstrategie. Mit der öffentlichen Demontage der Staatsanwaltschaft Wien betraute Meinl den Arbeitsrechtler Georg Schima.

Millionen für Imagekampagne
Neuerdings ist auch die Medienstrategie Thema der Anwältetreffen. Die Inhalte der Inseratenkampagne, die seit Anfang Mai in fast allen Tageszeitungen omnipräsent ist, werden peinlich genau von Hausmaninger und Co gegengelesen. Das Budget für diese Einschaltungen und andere PR-Maßnahmen soll bei rund zehn Millionen Euro liegen. Ein Ende der Meinl-Offensive ist vorerst nicht absehbar.

Von Angelika Kramer und Ashwien Sankholkar

Lesen Sie mehr zu Meinls Angriffen auf die Staatsanwaltschaft im FORMAT 20/09!

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