"Jobabbau in allen Bereichen der Bank“

"Jobabbau in allen Bereichen der Bank“

FORMAT: Herr Haynes, Herr Androsch, einer der Bawag-PSK-Aktionäre, weiß aufgrund der komplizierten Eigentümerkonstruktion der Bank gar nicht, ob er überhaupt noch Aktionär ist bzw. wie hoch sein Anteil ist. Können Sie ihm helfen?

Byron Haynes: Ich denke, das muss Herr Androsch selbst wissen. Sicher ist: Cerberus ist kontrollierender Haupteigentümer und wird das auch bleiben.

Ist Ihnen als Bankchef egal, wer zu Ihren Eigentümern zählt? Haben Sie schon mit Vertretern von Golden Tree (Anm.: der US-Hedgefonds soll kolportierte zehn Prozent an der Bank besitzen) gesprochen?

Haynes: Golden Tree ist mir nicht unbekannt. Sie waren Teil jener Finanzierungsgruppe, die es seinerzeit Cerberus ermöglichte, die Bank zu erwerben. Für mich zählt, dass wir einen stabilen Hauptaktionär haben - und das ist der Fall.

Und dieser Hauptaktionär wird der Bawag PSK weiteres Kapital zur Verfügung stellen?

Haynes: Es gibt derzeit darüber Gespräche mit Cerberus, die aber noch nicht abgeschlossen sind. Ich muss jedenfalls ganz klar sagen: Die Bank hat eine starke Kapitalbasis, wir brauchen das Kapital nicht dringend, auch nicht für Basel III. Aber eine stärkere Kapitalbasis, wenn wir weiter ins Kundengeschäft investieren wollen.

Wie groß soll die Finanzspritze sein?

Haynes: Ich habe für mich zwar eine konkrete Zahl im Kopf, die will ich aber derzeit noch nicht nennen.

Können Sie ausschließen, dass die Bawag PSK noch einmal Geld vom Staat benötigen wird?

Haynes: Ja, definitiv.

Wie sähe denn ein möglicher Exit von Cerberus aus?

Haynes: Ich denke nicht, dass Cerberus jetzt an Exit denkt. Unsere Eigentümer glauben an unseren Erfolg.

Ein Erfolg, dem jetzt auch zahlreiche Jobs zum Opfer fallen. Stimmt es, dass 700 Leute abgebaut werden sollen?

Haynes: Auch hier möchte ich keine konkreten Zahlen nennen. Ich wäre aber als Bankchef fahrlässig, wenn ich in Zeiten niedriger Zinsniveaus nicht an Kostenreduktion denken würde. Unglücklicherweise muss auch beim Personal gespart werden.

In welchen Bereichen?

Haynes: Das betrifft alle Bereiche der Bank, einige mehr, andere weniger. Um schlanker zu werden, wird es auch zu Outsourcing von IT-Dienstleistungen oder der Abwicklung kommen.

Aber Sie geben mir Recht: Der Corporate-Bereich ist für die Bank nicht mehr so wichtig wie früher einmal?

Haynes: So kann man das nicht sagen. Der Fokus der Bawag liegt eindeutig auf dem Retail-Geschäft, das Firmenkundengeschäft wird aber weiterhin integraler Bestandteil unseres Modells bleiben.

Andere heimische Banken schließen Filialen, Sie sperren eine nach der anderen auf. Und das in Zeiten niedriger Zinsen. Wie kann sich das rechnen?

Haynes: Ich denke, dass in diesen Bereich über Jahre hindurch viel zu wenig investiert wurde. Das Umfeld ist jetzt zwar schwierig, aber ich bin überzeugt, dass sich die Strategie auf Sicht bezahlt machen wird.

Wollen Sie immer noch die Nummer eins im Retail-Geschäft werden?

Haynes: Zahlen sind nicht so wichtig. Was zählt, ist der Kundeneindruck - und da wollen wir Nummer eins werden.

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