"Jeder Orden ist eine Art Geheimbund“

"Jeder Orden ist eine Art Geheimbund“

FORMAT: Wie ordnen Sie die Bedeutung des Jesuitenordens weltweit ein?

Gernot Wisser: Die Jesuiten sind der größte Männerorden. Zahlenmäßig ist Europa noch immer am stärksten vertreten. Für unser Wachstum sind aber Vietnam, Indien und Afrika bedeutend. In Nordamerika und Europa kämpfen wir mit Überalterung, auch in Südamerika sinkt die Zahl leicht.

Was ist das Ziel der Jesuiten? Wie heben Sie sich von anderen Orden ab?

Wisser: Wir wollen Glauben verkünden und verbreiten und Seelen helfen. Das geschieht aber weniger auf spirituell-psychotherapeutischen Ebenen, sondern im Vermitteln von Selbständigkeit und Wissen. Wichtig sind Schulen und Universitäten wie das Kollegium Kalksburg oder die theologische Fakultät Innsbruck. Weltweit haben wir einige Millionen Schüler. Unser Gründer Ignatius von Loyola hat immer an Multiplikatoren gedacht.

Sind die Jesuiten stolz, dass einer der Ihren jetzt Papst ist? Steigt damit die Bedeutung des Ordens?

Wisser: Wir sehen das sehr ambivalent, denn wir streben eigentlich keine Leitungsposten an. Es entspricht nicht unserem Charisma, Bischof von Rom zu werden. Wir waren bisher immer stolz, dass wir solche Positionen nicht erlangt haben.

Das Internet ist voll von Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Macht der Jesuiten. Warum?

Wisser: Seit es Jesuiten gibt, werden sie angefeindet. Flapsig formuliert sage ich dazu: Viel Feind, viel Ehr. Das rührt daher, dass es bereits bei Ignatius’ Tod rund 1.000 Jesuiten gab, die von Japan über Äthiopien bis Südamerika aktiv waren. Ignatius hatte daher einen großen Wissens- und Informationsvorsprung. Daher rührt auch die Bezeichnung der Jesuitenoberhäupter als "Schwarzer Papst“ (nach der Farbe der Ordenskleidung, Anm.). Es gibt kaum ein weltpolitisches Ereignis, bei dem uns nicht schon Einflussnahme angedichtet wurde.

Wie gehen Sie damit um?

Wisser: Für Außenstehende ist jeder religiöse Orden eine Art Geheimbund, weil er nicht zu durchblicken ist. Wir nehmen das mit Humor.

Jesuiten verfügen über bedeutende Vermögens- und Immobilienwerte. Wie verträgt sich das mit den Ordensprinzipien?

Wisser: Uns ist jegliche Bereicherung und persönlicher Besitz verboten. Unser Ziel ist aber schon aus der Historie heraus, der armen Bevölkerung zu helfen. 1783 wurde unser Orden aufgehoben, und wir haben alle Besitztümer verloren. Dann mussten wir wieder bei null anfangen.

Wie ist das Verhältnis zum Opus Dei?

Wisser: Der Tiergarten Gottes ist groß. Da haben alle Platz. Wir haben keinen Brotneid gegen andere. Ein Konflikt zwischen Opus Dei und den Jesuiten entspricht nicht unserem Interesse und unserer Wahrnehmung. Aber schon Papst Benedikt hat sich von seinem OpusDei-Sprecher getrennt und einen Jesuitenpriester eingesetzt.

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