Jäger des verlorenen Schatzes: In jüngster Zeit liefen auch die Geschäfte des erfolgs­verwöhnten Hedgefonds-Managers Michael Treichl versucht sich an der MIP

In jüngster Zeit liefen auch die Geschäfte des erfolgs­verwöhnten Hedgefonds-Managers Michael Treichl nicht wie geschmiert. Jetzt versucht er sich an der MIP.

Kursausschläge im zweistelligen Prozentbereich sind für Hedgefonds-Manager keine Seltenheit. Ja, ihre Arbeit ­beruht sogar auf extremen Schwankungen. So auch jene von Michael Treichl, dem Miteigentümer der in London beheimateten Investmentgesellschaft Audley Capital, der auch Hedgefonds managt. Der Österreicher ist bislang mit seinen Konzepten immer ganz gut gefahren. 2006 und 2007 betrugen die Nettoerträge des Audley European Opportunities Master Fund, des wichtigsten Treichl-Fonds, stolze 73 Prozent. Auch im ersten Halbjahr 2008 lag der Wertzuwachs noch bei 37 Prozent. Doch danach hat Michael Treichl, den älteren Bruder des Erste-Bank-Chefs, die Fortune etwas verlassen.
Im Juli und August war die Performance des Fonds negativ – der Vermögenswert ging von 190 auf 155 Euro je Aktie zurück. Die Entwicklung von Schlüsselbeteiligungen der Audley Capital lässt auch nichts Gutes erahnen: Seit Ende August fiel der Wert der Western Cana­dian Coal Corporation um beachtliche 75 Prozent, jener von Cambrian Mining um 80 Prozent. Beim deutschen Handyausrüster Balda, ebenfalls einem Kern-Investment von Audley, kämpft man gar mit der In­solvenz. Treichl will sich hier über eine Schadenersatzklage gegen Vorstand und Aufsichtsrat von Balda noch 40 Millionen Euro sichern.

Einstieg bei Meinl. Was also macht ein tüchtiger Fondsmanager in solchen Krisenzeiten? Er sieht sich nach attraktiven Schnäppchen um, damit das verlorene Geld so rasch wie möglich wieder zurückfließt. Und da ist der passionierte Jäger Treichl ausgerechnet in seiner Heimat ­Österreich fündig geworden: Audley Capital will eine „signifikante Beteiligung“ am Energieunternehmen MIP (Meinl International Power) übernehmen. Außerdem will Treichl die MPM, die Manage­mentgesellschaft der MIP, von der Meinl Bank kaufen. „Wir wollen die attraktiven Bewertungen jetzt ausnützen. Besonders börsennotierte Energietitel wurden ja stark in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem können wir in dem Bereich unser Know-how einbringen“, erläutert Treichl im FORMAT-Interview.
Doch auch die liquiden Mittel der MIP, die auf rund 300 Millionen Euro geschätzt werden, dürften Treichl magisch anziehen. Seine Freundschaft mit Julius Meinl V. habe mit diesem Investment hingegen rein gar nichts zu tun, denn: „Geschäft ist Geschäft, und Freundschaft ist Freundschaft.“ Julius Meinl streut Treichl Rosen: „Er ist ein exzellenter Banker, ein hoch­intelligenter Mensch und loyaler Freund.“
Glücklich dürfte Meinl über den geplanten Einstieg seines Spezis aber nicht nur wegen des guten Verhältnisses sein. Schließlich stellt Treichl ihm für die Ablöse der Management- und Lizenzverträge 32 Millionen Euro in Aussicht. Diese müsste sich die Meinl Bank nur mit Miteigentümer Karl-Heinz Grasser teilen – der soll 1,8 Millionen Euro bekommen.
Investoren, die sich ebenfalls für die MIP interessieren, sind hingegen sauer. Sie sehen in dem Deal die Handschrift von Meinl, der auf diese Weise den Einfluss auf die MIP konservieren wolle.
Auch die sogenannten MIP-Rebellen, die bereits bei Meinl Airports International (MAI) die Geschäftsführung erfolgreich ablösten (s. Kasten), rüsten zum Kampf. Geht es nach ihnen, soll weder Audley in den Genuss der liquiden Mittel kommen noch Meinl in den der Ablöse. Die Rebellen werden auf einer zweiten Hauptversammlung am 14. November die Ausschüttung einer Sonderdividende in der Höhe von sechs Euro je Aktie fordern, insgesamt also 360 Millionen Euro. „Bevor ich mein Geld einer aggressiven Heuschrecke wie Audley Capital überlasse, will ich es lie-ber zurück“, sagt Sprecher Alexander Proschofsky. Auch eine Liquidation des Unternehmens schließt er nicht aus.

Treichl hofft auf hohe Rendite. Mit dem Begriff Heuschrecke kann Treichl wenig anfangen, er sieht das so: „Wir beteiligen uns einfach an Unternehmen, wo wir uns mittel- bis langfristig Wertsteigerungen erwarten. Was hat das mit einer kurzfristig orientieren Heuschrecke zu tun?“ Bei der MIP erwartet der Milliardenjongleur auf Sicht von zwei bis drei Jahren eine Ren­dite von 15 bis 20 Prozent pro Jahr.
Dass es bei MIP zu einem Bruderkrieg kommt, weil die Fondsgesellschaft ESPA, eine Tochter der Erste Bank von Andreas Treichl, dem Lager der Rebellen zugerechnet wird, sieht Michael Treichl emotionslos: „Wahrscheinlich weiß mein Bruder nicht einmal etwas davon.“ Das Verhältnis würde er „als brüderlich be­zeich-
nen“. Die meisten Leute, die beide kennen, beschreiben es als unterkühlt.
Überhaupt zeigt der promovierte Jurist Michael Treichl wenig Gefühl im Business. „Ich empfinde keine Leidenschaft für Unternehmen, in die ich investiere“, meinte er einmal im deutschen „manager magazin“. Mit dieser Einstellung hat er es bislang weit gebracht: Der Investment­banker zählt Parnham House, ein riesiges Landhaus im englischen Dorset, und die Hälfte des Wiener Palais Salm zu seinen Besitztümern. In London pflegt der Vater von zwei Kindern zumeist im noblen Claridge’s Hotel in Mayfair abzusteigen.
Marktbeobachter gehen davon aus, dass das Rennen um die MIP zugunsten von Audley schon vor den konkurrierenden Hauptversammlungen am 13. und 14. November gelaufen ist. Gemeinsam mit den Anteilen von Meinl und Grasser – auch er ist ein Freund Treichls – dürfte der Gruppe eine Mehrheit sicher sein. In den letzten Wochen wurden noch einmal tüchtig MIP-Aktien zusammengesammelt. Eine Zitterpartie, wie viele Aktionäre sie im Juli erlebt haben, wird diesmal ausbleiben, auch wenn die Rebellen mit der Sonderdividende locken. MIP-Chairman Hans Haider sieht sich jedenfalls auf der sicheren Seite: „Der Antrag auf Ausschüttung dieser Sonderdividende ist rechtlicher Schwachsinn. Ausschüttungsfähig sind nur der Gewinn und die Rücklagen.“ Proschofsky kontert: „Die Herren sollten sich in Jersey-Recht kundig machen. Geld kann auch aus dem Kapital ausgeschüttet werden.“

Neuer Job für Grasser.
Wer Treichl nächste Woche ganz fest die Daumen drücken dürfte, ist MIP-Manager Grasser. Ihm winkt nämlich ein Job bei Audley. „Ich würde nicht ausschließen, dass Grasser auch in Zukunft einen vernünftigen Beitrag leisten wird“, formuliert es Treichl vorsichtig. Damit würde der lang gehegte Traum des Exfinanzministers von einem Job in einem englischen Investmenthaus endlich Wirklichkeit werden.

Von Angelika Kramer

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