Jackpot in Las Vegas: Doppelmayr errichtet 64-Mio-Schwebebahn in Zockermetropole

Der Vorarlberger Familienbetrieb baut an einem gigantischen Neun-Milliarden-Dollar-Projekt mit: dem „City Center“ in Vegas. Schwebebahnen made in Austria verbinden Hotels und Casinos.

Amazing. Impressive. Unique. Das berichten US-Medien vom geplanten „City Center“ am berüchtigten Las Vegas Boulevard. Sogar die sonst so kritische Tageszeitung „New York Times“ bezeichnet den Megabau, der unter anderem Büros, Restaurants, Casinos und Hotels umfasst, als Kunstwerk. Noch ist davon allerdings recht wenig zu sehen. Ab sechs Uhr morgens tummeln sich auf der Riesenbaustelle im Herzen der schillernden Zockermetropole fast täglich bis zu 8.000 ­Arbeiter, die einander „Here, man!“ und „There, man!“ zubrüllen und versuchen, sich zwischen laut ächzenden Kränen und dröhnenden Presslufthämmern Gehör zu verschaffen.

Neun-Milliarden-Projekt
Gigantische neun Milliarden Dollar pumpt der amerikanische Casino- und Luxushotelbetreiber MGM Mirage mit seinem Partnerunternehmen Dubai World in das megalomanisch anmutende Projekt. Als einziges österreichisches Unternehmen ist die traditionsreiche Firma Doppelmayr aus dem Ländle dabei, die dort Cable Cars baut. Genauer gesagt, eine zwischen Palmen schwebende Kabelbahn um 64 Millionen Dollar, die Passagiere aus aller Welt schnell und sanft durch das „Kunstwerk“ schiffen soll. Mit dem Aufsehen erregenden Projekt haben die Vorarlberger in Vegas den Jackpot geknackt.

Amerikas größte private Baustelle
Ein Glücksspieltempel, ein Entertainment-Viertel, mehrere Kaufhäuser und Bürogebäude, dazu gleich ein halbes Dutzend Luxushotels und Restaurants – mit einer Gesamtfläche von mehr als 27 Hektar ist das „City Center“ Amerikas größte private Baustelle. Bis Ende 2010 soll es gänzlich fertig gebaut sein. „Für uns ist es Ehre und Freude zugleich, dabei zu sein“, sagt Doppelmayr-Unternehmenssprecher Ekkehard Assmann. Und Projektleiter Alfred Frühwirth ­betont, wie selten es in Anbetracht des starken internationalen Wettbewerbs vorkomme, von einem Unternehmen wie MGM Mirage wiederholt beauftragt zu werden.

Über Las Vegas schweben
So haben die Vorarlberger für den milliardenschweren US-Riesen schon vor knapp zehn Jahren eine per Seilzug betriebene Hochbahn in Las Vegas errichtet, die drei Luxushotels verbindet und mehr als zwanzig Millionen Besucher jährlich befördert. „Das ist jeder dritte Las-Vegas-Besucher“, sagt Frühwirth. Das neue Projekt dürfte diese Zahl sogar noch toppen. Die 650 Meter lange Bahn wird die Nobelherbergen Bellagio und Monte Carlo, beide Teile der MGM-Gruppe, mit dem City Center verbinden. Die relativ kurze Distanz ergibt sich aus der Bauweise: Acht Waggons fahren fast in „direkter Luft­linie“ in bis zu dreißig Meter Höhe, was durch entsprechende Bodenstützen ermöglicht wird. Unter den Waggons ist via Klemmen ein Drahtseil angebracht, das über Räder gezogen wird. Die silberblaue Kabelbahn, die größtenteils in Österreich gefertigt und anschließend in die USA verschifft wird, fährt 40 Kilometer pro Stunde und schafft die Gesamtstrecke in 150 Sekunden.

Traumprojekt Hauptbahnhof
Interna­tional mit Cable-Car-Projekten in Dubai, Mexiko, Vegas und Großbritannien pro­minent aufgestellt, träumt Doppelmayr aber vor allem von einem Zuschlag beim Wiener Hauptbahnhof. „Ich bin zwar ein Tiroler, aber mit einem starken Wien-Bezug“, sagt Cable-Car-Chef Stephan Wabnegger. „Es wäre auch unser erstes Projekt in Wien und daher ein Meilenstein.“ Und so will man mit Partner Siemens in den Ring steigen; die Ausschreibung dürfte in wenigen Wochen beginnen. Zuletzt war die Rede von einem ­Dreißig-Millionen-Euro Projekt, das nach Vorbildern wie Las Vegas und Miami errichtet wird und in 25 Meter Höhe von der U1-Station Südtiroler Platz über den Südbahnhof ins neue Büro- und Wohnzentrum führt. Ob die Chancen für Doppelmayr gut stehen? „Keine Ahnung, wir hoffen es“, sagt Stephan Wabnegger. Doch auch er weiß, dass die Konkurrenz, allen voran die Südtiroler Firma Leitner, nicht schläft.

Von Silvia Jelincic, Las Vegas

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