Investor Ronny Pecik will Telekom-Aktien an Russland weiterverkaufen

Der österreichische Investor Ronny Pecik und sein Konsortium haben sich klammheimlich zwanzig Prozent an der Telekom Austria gesichert. Der Plan dahint er: ein Weiterverkauf an die russische Vimpelcom.

Das schöne Wetter im September konnte Ronny Pecik nicht genießen. Der Investor hatte viel um die Ohren, es ging um heikle Gespräche und große Summen. In geheimen Treffen mit Investoren und Banken jenseits österreichischer Grenzen bereitete der 49-Jährige den womöglich größten Deal seiner Karriere vor: den Einstieg bei der Telekom Austria (TA) – FORMAT berichtete exklusiv darüber. Die Fragen von Journalisten, ob diese Meldung stimme, kamen Pecik ungelegen. Er dementierte kurzerhand und war nicht mehr zu sprechen.

Neuer Großaktionär

Erst diesen Montag wurde über die Agenturen eine karge, technische Mitteilung verbreitet: Per 14. Oktober 2011 habe die RPR Privatstiftung von Ronny Pecik eine Option auf 5,4 Prozent der Aktien von der Telekom Austria erworben. Zudem wurden zum Teil über Töchtergesellschaften knapp 400.000 Anteilsscheine der TA, also 0,085 Prozent, gekauft. Der Wiener Finanzjongleur selbst schweigt noch immer und lässt sich nicht in die Karten schauen.

Die Transaktionen haben die Finanzmarktaufsicht (FMA) auf den Plan gerufen. Sie prüft jetzt, ob bei den Deals gegen die Meldepflicht verstoßen worden ist, sagt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik. Pecik soll den Ermittlungen laut Insidern aber gelassen entgegensehen: Bei Verstößen drohen Strafen von maximal 30.000 Euro – für den gelernten Starkstromtechniker und seine Investoren ein Klacks.

Übt Pecik seine Optionen aus, ist er nach der ÖIAG (28,42 Prozent der Anteile) der größte Aktionär der Telekom Austria. Aber am Ziel ist er noch lange nicht. Er hofft für sich und sein ausländisches Konsortium, in dem auch der ägyptische Telekom-Tycoon Naguib Sawiris sitzt, auf bis zu dreißig Prozent der TA-Aktien. Laut FORMAT-Informationen haben sich der kroatischstämmige Investor und seine Partner bereits rund 20 Prozent am 16.000-Mitarbeiter-Unternehmen gesichert, teils in Form von Optionen.

Die Pakete sind bei verschiedenen Banken in der Schweiz geparkt, die sie treuhändisch verwalten bzw. bereit sind, sie bei Bedarf an den Investor zu verkaufen. Peciks Plan dahinter ist der schrittweise Weiterverkauf an die russische Vimpelcom, wie FORMAT erfuhr. Pecik selbst hofft auf einen guten Schnitt. Sein bisheriges Spekulationsmeisterstück war der Kauf und anschließende Verkauf der VA Tech, wo er auf die Schnelle 40 Millionen Euro verdiente. Die Telekom-Aktien möchte er binnen zwei bis fünf Jahren verkaufen. Hier erhofft sich Pecik einen Gewinn von mindestens 30 Prozent.

Für Sawiris, der Großaktionär der Vimpelcom ist, macht der Verkauf an die russische Gesellschaft strategischen Sinn: Die Telekom Austria bietet einen guten Zugang zu den Märkten in Osteuropa. Doch nicht nur an Vimpelcom sollen Aktien der Telekom fließen. Zum Zug kommen wird auch die türkische Turkcell, die sich mit Vimpelcom die Mutter Altimo teilt. Dahinter steht kein Geringerer als der russische Milliardär Mikhail Fridman.

Pecik will in den Aufsichtsrat

Der Zeitpunkt für den Einstieg könnte für Pecik & Co jetzt nicht besser sein: Der Kurs der TA-Aktie wurde durch die schlechten Ergebnisse und die Affären um Kursmanipulationen und Korruption deutlich nach unten gedrückt. Um nicht einmal sieben Euro wurden die Papiere im September gehandelt. Seit das Interesse Peciks bekannt wurde, verteuerten sich die Aktien auf 8,2 Euro. Eine Dividende von mindestens 75 Cent für 2011 und 2012 macht das Papier zusätzlich attraktiv.

Pecik, so ist zu hören, hat selbst Ambitionen, vorübergehend in den Aufsichtsrat der Telekom einzuziehen. Unrealistisch ist das Szenario nicht: Jeder Aktionär, der mehr als fünf Prozent der Anteilsscheine hält, kann bei der Hauptversammlung (HV) einen Antrag auf die Bestellung neuer Aufsichtsräte stellen. Voraussetzung ist, dass die Aktien mindestens drei Monate gehalten werden. Das Timing passt also. Die nächste HV ist erst am 23. Mai.

Dass die TA zum Spekulationsobjekt wurde, ist Betriebsrat Walter Hotz alles andere als recht. „Ich sehe nur zwei Wege einer Rettung“, sagt Hotz. „Am besten wäre eine Mitarbeiterbeteiligung in der Höhe von mindestens zehn Prozent, aber dafür fehlt uns die Zeit. Die Spekulanten können jetzt leider viel schneller agieren. Wünschenswert wäre auch, dass die ÖIAG ihren Anteil deutlich erhöht, bestenfalls auf mehr als fünfzig Prozent, doch auch das ist nicht realistisch.“ Denn für so eine Re-Verstaatlichung fehlt nicht nur Geld, man müsste in diesem Fall wohl auch den Kleinaktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten.

Die Sorgen des Betriebsrats werden durch Peciks Schweigen verstärkt. „Wir wissen nicht, was er vorhat. Vielleicht will er in der Hauptversammlung eine höhere Dividende fordern, vielleicht will er neue Sparmaßnahmen wie einen Jobabbau, oder vielleicht fordert er den Verkauf von Töchtern der Telekom Austria. Alles ist derzeit ungewiss“, sagt Hotz.

Für Unsicherheit sorgt auch, dass wenig über die Geldgeber Peciks bekannt ist. Fest steht, dass sich darunter die reichste Familie des afrikanischen Kontinents befindet, die Sawiris. In der Schweizer „SonntagsZeitung“ wurde erstmals von einem Mitglied der Familie bestätigt, dass es ein Interesse am Kauf der Telekom Austria und am Schweizer Mobilfunkanbieter Orange gibt. Der für den Bereich zuständige Naguib Sawiris selbst will weiterhin keinen Kommentar abgeben. Schon 2008 soll der Ägypter einen Einstieg bei der Telekom Austria angestrebt haben – damals mithilfe von Investor Martin Schlaff.

Heikler Deal

Um eine feindliche Übernahme der Telekom zu verhindern, werden bereits Alternativen sondiert. Als potenzieller Retter wurde die spanische Telefónica genannt. Auch die russische Vimpelcom, die skandinavische Telenor und die türkische Turkcell wurden ins Spiel gebracht. Doch diese drei sind miteinander verbandelt: Telenor hält knapp 32 Prozent an Vimpelcom. Am türkischen Telefonbetreiber ist wiederum die Altimo-Gruppe zu 26 Prozent beteiligt, der ebenfalls knapp 32 Prozent der Vimpelcom-Aktien gehören. Und von Sawiris hat Vimpelcom heuer im Frühjahr die Kontrollmehrheit bei Orascom übernommen. Der Ägypter bekam dafür Cash und Anteile von Vimpelcom, die er mittlerweile verpfändet hat.

Doch nicht nur die fehlenden weißen Ritter machen in Österreich Kopfzerbrechen. Die börsennotierte Telekom Austria besitzt die wohl größte Sammlung sensibler Privatdaten des Landes, auch deshalb wird ein Verkauf ans Ausland bei manchen Politikern als kritisch gesehen. Und Fürsprecher in der Politik hat Ronny Pecik bis jetzt noch keine gefunden.

– S. Jelincic, M. Koch

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