Investmentbanker Willi Hemetsberger im FORMAT-Interview

Der Investmentbanker bezweifelt die Schuld der Spekulanten und plädiert für Euro-Staatsanleihen.

FORMAT: In den vergangenen Tagen ist Italien ins Visier von Spekulanten geraten – wie müssen Hedgefonds und Co reguliert werden?

Hemetsberger: Hier geht es in keinster Weise um Spekulanten. Natürlich mag es ein paar Fonds geben, die gegen Italien wetten, das sind aber eher die unbedeutenden. Den Schwergewichten ist doch klar, dass sie von einem Untergang Italiens und damit der Euro-Zone keineswegs profitieren.

FORMAT: Worum geht es dann?

Hemetsberger: Ein Vertrauensproblem: Das Sparpaket in Italien von Finanzminister Tremonti wurde von Berlusconi kritisiert. Damit wurden die Investoren verunsichert. Und da Italien einen sehr hohen Refinanzierungsbedarf hat, sind die Anleihenzinsen in die Höhe gegangen.

FORMAT: Die Staatsverschuldung Italiens beträgt 120 Prozent des BIP, der zweithöchste Wert der Euro-Zone. Drohen griechische Verhältnisse?

Hemetsberger: Auf keinen Fall. Griechenland benötigt definitiv eine geordnete Umschuldung, wahrscheinlich auch Portugal und Irland. Italien dagegen mag auch hoch verschuldet sein, hat aber bewiesen, dass es eine restriktive Finanz- und Fiskalpolitik ernsthaft angehen will und kann. Unseren Berechnungen zufolge genügt ein reales Wirtschaftswachstum von einem Prozent sowie ein Budgetüberschuss vor Zinszahlungen von etwas über 1,5 Prozent, damit die Schuldenlast Italiens in den kommenden Jahren konstant bleibt. Das sollte wirklich keine unlösbare Aufgabe sein. Das gilt aber unter einer Voraussetzung …

FORMAT: … und die wäre?

Hemetsberger: Dass die Zinsen nicht aus dem Ruder laufen. Unser Szenario hält nur bei einem durchschnittlichen Zinsaufschlag von etwa zwei Prozent gegenüber deutschen Bundesanleihen.

FORMAT: Eben der lag dieser Tage deutlich höher. Was kann das Land sofort tun, um Investoren zu beruhigen?

Hemetsberger: Sinnvoll wäre wohl, die geplanten Maßnahmen aus dem Sparpaket vorzuziehen. Mittelfristig benötigen wir aber viel weitgehendere Lösungen, die aber EU-weit entschieden werden müssen.

FORMAT: Was schlagen Sie vor?

Hemetsberger: Wie brauchen nicht weniger Europa, sondern viel mehr. Es muss doch jedem klar sein, dass eine gemeinsame Währung ohne eine gemeinsame Fiskalpolitik nicht funktionieren kann. Natürlich müssen die Nationalstaaten bereit sein, Kompetenzen abzugeben. Anders geht es nicht. Auch ein gemeinsamer Anleihenmarkt wäre unter bestimmten Bedingungen sinnvoll. FOR MAT: Derartige Eurobonds scheinen derzeit keine große Chance auf Umsetzung zu haben. Sie werden nicht einmal diskutiert.

Hemetsberger: Durch die aktuellen Turbulenzen – und die werden so bald nicht vorbei sein – könnte sich das aber ändern. Schließlich haben sie klare Vorteile, da sie sehr viel ausfallsicherer sind als die Anleihen einzelner Länder. Richtig strukturiert und begrenzt bis zu einem gewissen Prozentsatz des BIP, würden sie die Refinanzierungskosten der meisten Staaten verringern, ohne das Risiko für die Triple-A-Staaten zu erhöhen.

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