Interview mit Karl Petrikovics: „Man kann eine Bank auch totschreiben oder totreden“

Der ehemalige Chef der Constantia Privatbank über den Zusammenbruch des Instituts und seine Schuld an der Pleite.

FORMAT: Herr Petrikovics, wer ist schuld, dass die Constantia pleite ist?
Petrikovics: Das müssen Sie andere fragen. Meine letzte Bilanz war 2007, das beste Jahr in der Geschichte der Bank. Ende Juni bin ich ausgeschieden.
FORMAT: Da war nichts abzusehen?
Petrikovics: Man kann auch eine Bank totschreiben bzw. -reden. Dann ziehen viele Kunden, wie geschehen, ihr Geld ab.
FORMAT: Die Medien sind schuld?
Petrikovics: Natürlich hat die Medienberichterstattung einen Einfluss, denn aus der Distanz betrachtet ist es schon so, dass der Vertrauensverlust die Liquiditätskrise ausgelöst hat – wie bei Lehman Brothers oder Hypo Real Estate. Das Problem ist der Vertrauensverlust. Wieso gäbe es sonst das Bankenpaket der Regierung?

"Hatte nie Funktion in Constantia"
FORMAT: Bei der Constantia hat der Vertrauensverlust aber handfeste Gründe. FORMAT hat aufgedeckt, dass die Constantia B.V., die Mutter der Bank, für 520 Millionen Euro haftet, die der Immoeast gehören. Außerdem wurde das Risiko für ein Immofinanz-Paket von Rechtsanwalt Fries übernommen. Haben nicht die möglichen Probleme für die Constantia B.V. die Bankkunden vertrieben?
Petrikovics: Ich kann das weder bestätigen noch verneinen.
FORMAT: Aber Sie waren der Architekt dieser Konstruktion …
Petrikovics: Ich hatte nie eine Funktion in der Constantia B.V., daher kann ich dazu keine Aussagen machen.
FORMAT: Also haben das andere eingefädelt?
Petrikovics: Wie gesagt, ich kann keine Auskünfte für die Constantia B.V. geben.
FORMAT: Aber das ist der springende Punkt. 2007 hat die Immoeast einer Immofinanz Beteiligungs AG 900 Millionen Euro Darlehen gegeben. Damit wurden wohl Immoeast-Aktien gekauft, die bei der damaligen Kapitalerhöhung nicht platziert werden konnten. Nun sind diese Aktien nur noch einen Bruchteil wert – und eben noch 520 Millionen Euro offen. Richtig?
Petrikovics: Bei der Immoeast-Kapitalerhöhung wurde davon sicher nichts verwendet. Die war zu 100 Prozent platziert. Wir hatten ein sehr potentes internationales und nationales Bankenkonsortium, welches dafür gesorgt hat. Das lässt sich mit den Unterlagen dieser Investmentbanken beweisen. Wir waren glücklicherweise fertig, bevor der Markt gedreht hat.

"Bonität war hervorragend"
FORMAT: Dann wurden mit dem Geld danach Aktien über die Börse gekauft?
Petrikovics: Das kann ich nicht bestätigen.
FORMAT: Sie müssen doch wissen, was die Immofinanz Beteiligungs AG mit den 900 Millionen gemacht hat.
Petrikovics: Wissen schon, aber ich darf nichts sagen, weil sonst würde ich zu Recht vom Staatsanwalt verfolgt, wegen Verletzung des Bankgeheimnisses.
FORMAT: Anders gefragt: Wie groß ist das Risiko, dass die Immoeast ihr Geld nicht mehr zurückbekommt? Nach dem Verlust der Bank ist das Vermögen der haftenden Constantia B.V. ja sehr geschmälert.
Petrikovics: Die Bonität der Veranlagung war hervorragend. Ob sich daran jetzt etwas geändert hat, weiß ich nicht.
FORMAT: Aber das ergibt sich doch ganz logisch.
Petrikovics: Solange ich dafür zuständig war, stand die Bonität der Veranlagung außer jedem Zweifel.
FORMAT: Sollte das Darlehen nicht zurückbezahlt werden können, wird es nach der Bank auch für die Immofinanz-Gruppe ganz eng, oder?
Petrikovics: Wenn das Geld nicht zurückkommt, wäre das natürlich ein Problem, das stimmt. Ich wüsste aber nicht, dass diese Gefahr besteht. Nach meinem Informationsstand sollte die Tilgung bis Ende 2008 erfolgen.

"Bankverkauf nicht optimal gelaufen"
FORMAT: Die Constantia B.V. garantiert über eine Put-Option auch für zwei Immofinanz-Pakete. Die lagen in Bank-Töchtern, die Sie als Chef verkauft haben. Offenbar war die Not groß, Sie wollten die Aktien um jeden Preis loswerden.
Petrikovics: Ich war nur der Verkäufer der Bank-Töchter. Die Put-Option besteht, wie Sie behaupten, gegenüber der Constantia B.V. Da müssen Sie dort nachfragen.
FORMAT: Tatsache bleibt, dass die Constantia Bank noch im Sommer über eine Milliarde Euro wert war und jetzt um einen Euro verschenkt werden musste. Das ist doch ein Desaster …
Petrikovics: Richtig ist, dass der Prozess des Bankverkaufs nicht optimal gelaufen ist.
FORMAT: Es heißt, dass auch Sie den Verkauf blockiert haben.
Petrikovics: Das ist falsch und absurd.
FORMAT: Aber Sie waren gegen den Verkauf der Managementgesellschaften an die Immofinanz-Gruppe.
Petrikovics: Das stimmt nicht. Wie sich im Verkaufsprozess der Constantia Privatbank die Möglichkeit ergeben hat, die gesamten Immobilienaktivitäten der Bank zu erwerben, haben wir diese Möglichkeit sofort ergriffen. Die diesbezüglichen Beschlüsse wurden in Hauptversammlungen von Immofinanz und Immoeast mit mehr als 98 % Mehrheit gefasst.
FORMAT: Haben Sie Fehler gemacht?
Petrikovics: Jeder Mensch macht Fehler, mit der Weisheit des Rückblicks würde man manche Entscheidungen anders treffen.

Interview: Andreas Lampl

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