Interview: „Ein Sanierer an der Lufthansa-Spitze – das kann uns nicht mehr schrecken“

Die AUA-Chefs Peter Malanik und Andreas Bierwirth über ihr erstes Jahr im Lufthansa-Konzern, über Personalabbau und wo noch gespart werden soll.

FORMAT: Wie fällt Ihr Resümee nach dem ersten Jahr unter Lufthansa-Herrschaft aus?

Malanik: Es war eine extrem schwierige Phase. Der Personalabbau und die Kostensenkung sind weitgehend geglückt, aber es war auch sehr schmerzlich.

Bierwirth: Schön zu sehen ist hingegen: Die AUA ist wieder da, sie ist endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Immerhin sind wir eine der am stärksten wachsenden Airlines Europas. Der AUA-Motor läuft runder als noch vor einem Jahr, aber wir können noch nicht Vollgas fahren, das muss man ganz klar sagen.

FORMAT: Sie haben einmal gesagt, wenn die AUA 2011 operativ nicht positiv ist, dann müssen drastischere Sparmaßnahmen her. Was wird es denn werden?

Bierwirth: Eines unserer Ziele war es, dass wir heuer einen positiven Cashflow erreichen. Das wird sich ausgehen. Und ich gehe davon aus, dass wir es auch schaffen, nächstes Jahr ein positives Ergebnis zu erreichen, vorausgesetzt, dass nicht drei Vulkane ausbrechen.

FORMAT: Sie haben ordentlich Personal eingespart. Haben Sie hier alle Ihre Ziele schon erreicht?

Malanik: Wir sind weitgehend da, wo wir hinwollten. Per Jahresende werden wir 6.000 statt wie vor einem Jahr rund 7.500 Mitarbeiter haben. Das ist die Zahl, die wir als Basis brauchen.

Bierwirth: Wir haben jetzt zehn Flieger weniger, aber eine Million Passagiere mehr als noch vor einem Jahr, da sehe ich mittelfristig sogar wieder Wachstumspotenzial beim operativen Personal.

FORMAT: Was hat denn der Personalabbau gekostet?

Bierwirth: Wir haben dafür einen knapp dreistelligen Millionenbetrag zurückgestellt.

Malanik: So viel kann man sagen: Wir haben ein sehr faires Paket geschnürt.

FORMAT: Es soll eine Einigung mit dem Flughafen geben. Wie sieht die aus?

Bierwirth: Beim Flughafen Wien wollte man lange nicht sehen, dass wir der Hauptkunde sind, und hat eher neue Wettbewerber angelockt. Der Skylink ist ja auch ganz auf Transferverkehr ausgerichtet. Man muss ganz klar sagen: Wir brauchen den Skylink, aber er braucht auch die AUA.

Malanik: Zu den Details kann ich nichts sagen. Das Ergebnis ist aber jetzt für uns und den Flughafen sinnvoll.

FORMAT: Stört es Sie, wenn Ihr Konkurrent FlyNiki mit dem Flughafen auch wegen Rabatten verhandelt?

Malanik: Nein, wir arbeiten nicht gegen Niki, sondern für uns.

FORMAT: Von wem erwarten Sie sich noch Entgegenkommen?

Malanik: Die Kosten der Austro Control sind atemberaubend hoch. Da gilt es, die richtige Balance zu finden. Das Problem der Austro Control ist ihr geringer Handlungsspielraum – sie wird vom Verkehrsministerium gegängelt.

Bierwirth: Und dort hat man noch nicht erkannt, wie wichtig die AUA mit ihrem weltweiten Flugnetz für die heimische Wirtschaft ist. Einsparungen von 10 bis 20 Prozent müssten bei der Austro Control realisierbar sein – wenn man will.

FORMAT: Apropos Regierung: Was sagen Sie zu der neuen Flugsteuer?

Bierwirth: Hier hat die Regierung eine Chance vertan. Nun macht sie Bratislava stark, anstatt den Standort zu stärken.

Malanik: In den Niederlanden hat es vor einigen Jahren eine solche Steuer gegeben. Die hat man aber nach einem Jahr schon wieder abgeschafft.

FORMAT: Lufthansa-Chef Mayrhuber übergibt seinen Sessel nächstes Jahr an Christoph Franz. Was wird sich ändern?

Malanik: Wir erwarten große Kontinuität.

FORMAT: Aber Mayrhubers Nachfolger gilt als harter Sanierer.

Bierwirth: Und wir sanieren die AUA hart. Das kann uns also nicht mehr schrecken nach dem letzten Jahr.

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