Interview mit Bank-Austria-Chef Erich Hampel: „Zu früh für vollständige Entwarnung“

Bank-Austria-Chef Erich Hampel im FORMAT-Interview über das Bankenpaket, Osteuropa und die Zukunft seiner Bank.

Format: Herr Generaldirektor, was halten Sie von dem Maßnahmenpaket der Bundesregierung?
Hampel: Es war hoch an der Zeit, im Einklang mit den anderen europäischen Staaten akkordierte Maßnahmen zu setzen. Wir begrüßen daher das Paket, da es zur Stabilisierung des Finanzmarktes beiträgt und insbesondere die Clearingstelle die angespannte Situation am Geldmarkt entspannen wird.

Format: Ist damit die Krise abgewendet?
Hampel: Die konzertierten Aktionen auf globaler, europäischer und nationaler Ebene werden zu einer Entspannung beitragen, für eine vollständige Entwarnung ist es aber noch zu früh.

Format: Rechnen Sie damit, dass eine österreichische Bank davon Gebrauch machen wird?
Hampel: Ich gehe davon aus, dass die Clearingbank von den heimischen Banken sehr stark genutzt werden wird.

Format: Wird die BA diese Maßnahmen in irgendeiner Form nutzen?
Hampel: Alle österreichischen Banken werden sich an der Gründung der Clearingbank mit Bundesgarantie beteiligen. Auch die Bank Austria wird im Rahmen der möglichen Instrumente aktiv werden.

Format: Ihre Mutter, die UniCredit, war in den letzten Wochen viel im Gerede. Wie steht die UniCredit wirklich da?
Hampel: Die UniCredit ist eine der größten Banken in Europa. Die beschlossene Kapitalerhöhung stärkt die Gruppe und wird von unseren Kernaktionären voll mitgetragen. Wir sind eine der kapitalstärksten Banken und sind hervorragend aufgestellt. Die UniCredit-Gruppe wird in diesem extrem schwierigen Jahr einen Nettogewinn von 5,2 Milliarden Euro ausweisen. Und die Bank Austria wird einen nicht unerheblichen Teil dazu beitragen – wie in der Vergangenheit auch.

Format: Wissen Sie von Plänen, das Osteuropa-Netz der BA zu verkleinern?
Hampel: Den Plan gibt es nicht. Die Bank Austria betreibt heute das mit großem Abstand größte Bankennetzwerk in Zentral- und Osteuropa. Allein heuer haben wir bereits 400 neue Filialen eröffnet. Die Geschwindigkeit unserer weiteren Expansion werden wir entsprechend der makroökonomischen Entwicklung anpassen. An eine Verkleinerung denken wir nicht.

Format: Wie werden sich die Entwicklungen in Ungarn bzw. Rumänien auf das Geschäft der BA auswirken?
Hampel: Beide Länder sind gut aufgestellt, die momentanen Anspannungen gefährden unseren mittel- und langfristigen Business Case nicht.

Format: In welchen Ländern fürchten Sie jetzt noch die größten Risiken für das Geschäft der Bank Austria?
Hampel: Aktuell gibt es in verschiedenen Märkten viel Unruhe, aber die Fundamentaldaten in Osteuropa sind nach wie vor gut. Sieht man von den momentanen Turbulenzen ab und blickt auf die weitere Zukunft, dann werden die CEE-Länder ihr Wachstum fortsetzen, und zwar schneller als Westeuropa.

Format: Wie sieht der Zeitplan für den Verkauf der Genussrechte an der B&C-Holding aus?
Hampel: Im Zuge der Konzentration auf unser Kerngeschäft ist es für uns grundsätzlich vorstellbar, unsere Genussrechte an der B&C-Holding abzugeben. Es gibt aber keinen Zeitplan.

Format: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die BA in nächster Zeit wieder einen oder mehrere neue Eigentümer bekommt?
Hampel: Das steht nicht zur Debatte.

Format: Was halten Sie von der Idee von Hannes Androsch, der laut darüber nachgedacht hat, bei der BA einzusteigen?
Hampel: Wie Dr. Androsch in dem Interview richtigerweise angemerkt hat, stellt sich diese Frage nicht, weil weder die Bank Austria noch Teile von ihr zum Verkauf stehen.

Interview: Angelika Kramer

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