In Österreich gibt es immer mehr Millionäre. Eine Analyse

Noch nie hat es in Österreich so viele Reiche gegeben: 73.900 Millionäre verfügen über insgesamt 230 Milliarden Euro. Nach der Krise gehen sie auf Nummer sicher: Investiert wird in Gold, Immobilien und Rohstoffe.

Diese Sorgen möchte man haben: Drei Kilogramm Gold besitzt im Schnitt ein österreichischer Millionär. Das entspricht immerhin einem Wert von rund 100.000 Euro. „Gold wird bei den Reichen immer beliebter“, sagt Reinhard Berger, Präsident des Liechtensteiner Investmenthauses Valluga. Der Grund dafür liege in der Wirtschaftskrise. „Die meisten haben daraus gelernt und wollen auf Nummer sicher gehen. Investiert wird verstärkt in Immobilien, Edelmetalle und Rohstoffe.“

Mehr Millionäre

Geld für Investitionen haben die Reichen mehr denn je, wie der neue Valluga-Vermögensbericht zeigt. Demnach ist die Zahl der Österreich-Millionäre von 2009 auf 2010 um 7,2 Prozent auf 73.900 gestiegen. In Summe sitzen sie auf unvorstellbaren 230 Milliarden Euro. In Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügen mehr als eine Million Menschen über mindestens eine Million Euro. Und die bringen es insgesamt auf ein Vermögen von 2,8 Billionen Euro – um 9,3 Prozent mehr als noch 2009.

Die rasanten Zuwächse seien nicht überraschend, meint Studienautor Berger. „Die Kapitalmärkte haben sich erholt. Auch das Wachstum in Osteuropa hat angezogen, und die Österreicher konnten auch von der Erholung der deutschen Wirtschaft profitieren.“

An der Spitze gibt es keine News: Die Familien Porsche, Piëch und Flick liegen wie schon 2009 vor Österreichs Paradeunternehmer Dietrich Mateschitz. Sie alle konnten ihr Vermögen steigern: Bei den Porsches/Piëchs waren es 33,8 Milliarden Euro (plus 18,2 Prozent), bei den Flicks 6,2 Milliarden (plus 22 Prozent) und beim Red-Bull-Boss fünf Milliarden (plus 8,8 Prozent). „Die Familien Porsche und Piëch haben das dem Aufschwung der deutschen Wirtschaft zu verdanken, bei den Flicks war es die Anlagestrategie – sie hatten etwa profitable Aktien- und Immobilienbeteiligungen –, und bei Mateschitz war es die Zugkraft von Red Bull, auch dank der Erfolge in der Formel 1“, analysiert Berger.

In Summe sind die zehn reichsten Österreicher 63,5 Milliarden Euro schwer. Im Vergleich zu den Deutschen und den Schweizern haben sie aber immer noch wenig: Die zehn reichsten Deutschen bringen es auf 104,8 Milliarden, die Top Ten der Schweiz auf 90,3 Milliarden. Der reichste Mann in der D-A-CH-Region ist der gebürtige Schwede und Schweizer Staatsbürger Ingvar Kamprad. Seine Ikea-Möbel ließen seinen Reichtum auf ansehnliche 28,6 Milliarden Euro anwachsen. Im Vergleich zu dem Mexikaner Carlos Slim verblasst Kamprad aber: Der reichste Mann der Welt ist mehr als fünfzig Milliarden Euro schwer.

Frauen-Power

Bemerkenswert ist auch, dass mehr als vierzig Prozent der Reichen Millionärinnen sind. Dabei sind Ingrid Flick und Susanne Klatten (BMW), die ihr Vermögen geerbt haben, Ausnahmen. Der Großteil hat es aus eigener Kraft geschafft. Die Millionärinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz halten knapp ein Drittel des gesamten Vermögens – also fast eine Billion Euro.

Neue Investments

Dass das Vermögen so schnell gestiegen ist, liege an einer neuen Investitionsstrategie, meint Berger. „Die Trendwende setzte schon im zweiten Quartal 2009 ein. Es wird verstärkt in Sachwerte investiert, auch in Rohstoffe, Industrie- und Edelmetalle sowie Agrarrohstoffe, Uran, Plastik und Währungen.“ Im Vergleich: Die Reichen der D-A-CH-Region kauften 2010 um fast 20 Prozent mehr Rohstoffe, um 12 Prozent mehr Bargeld (Mittel, die innerhalb eines Monats liquidiert werden können), um acht Prozent mehr Immobilien und um fünfzig Prozent mehr Gold. Unterm Strich besteht ihr Portfolio somit zu rund einem Drittel aus Aktien, zu 28 Prozent aus Sachwerten und zu 18 Prozent aus Bargeld und Cashanlagen. Der Rest sind vor allem Rohstoffe (sieben Prozent).

Was in der Bevölkerung für immer größeren Ärger sorgt, ist, dass das Vermögen der Reichen fast dreimal so stark gewachsen ist wie das des Durchschnittsbürgers. Die Sorgen der Reichen möchten eben alle haben.

– Silvia Jelincic

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