Immofinanz-Chef Zehetner im Interview

Zu formalistisch, zu praxisfern, zu wenig fokussiert auf das Wesentliche. Topmanager Eduard Zehetner übt harte Kritik an der Finanzmarktaufsicht.

FORMAT: Herr Zehetner, Sie gehören zu den Kritikern der Finanzmarktaufsicht. Was bemängeln Sie konkret?

Zehetner: Ich komme gerade von einer Einvernahme bei der FMA, bei der es um den Vorwurf des angeblichen Insiderhandels mit Immofinanz-Aktien geht, basierend auf einer anonymen Anzeige – Details sind meinem Blog auf der Immofinanz-Homepage zu entnehmen. Diesen Vorwurf hat man anscheinend fallen gelassen, jetzt heißt es, es sei eine Ad-hoc-Meldung zu spät veröffentlicht worden. Denen fällt immer irgendetwas Neues ein.

FORMAT: Was ist das Problem daran, wenn Sie die Vorwürfe entkräften können?

Zehetner: Das Problem ist, dass diese Dinge ja auch international wahrgenommen werden und für Verunsicherung sorgen. Da gibt es diesen anonymen Insidervorwurf gegen mich, der sickert aus der FMA raus und wird von den Medien aufgegriffen – und schon habe ich bei Investoren-Terminen in London und New York das Problem, dass ich denen erklären muss, was da los ist. Die lesen das ja in den Zeitungen, und ich verschwende 10 oder 15 Minuten des Temins, der insgesamt nur 40 Minuten dauert, damit, die Dinge wieder zurechtzurücken. Das ist sehr ärgerlich.

FORMAT: Meinl European Land, AvW, Immofinanz – gerade am Börsenplatz Wien sind einige Dinge nicht korrekt gelaufen, da muss es doch auch in Ihrem Interesse sein, dass die FMA durchgreift.

Zehetner: Stimmt schon, aber die FMA ist leider eine Behörde, die sehr formalistisch vorgeht und sich in Kleinigkeiten verzettelt. Ich war gerade zwei Monate Vorstand der RHI, da hatte ich schon ein Verfahren am Hals. Jetzt, bei der Immofinanz, sind es zwei, vielleicht auch drei, man erfährt das ja gar nicht. Das Problem ist, dass sich die FMA mit viel Energie um Nebensächlichkeiten kümmert, die wirklich großen und wichtigen Verfahren aber nicht vorantreibt.

FORMAT: Was meinen Sie konkret damit?

Zehetner: Es mangelt oft an der Unterscheidung zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen. Es werden Ermittlungen begonnen, bei denen der vermeintliche Tatbestand Jahre zurückliegt. Bei einer anderen von der FMA kritisierten, angeblich verspäteten Ad-hoc-Meldung begann die Mitteilungsfrist drei Monate bevor ich überhaupt Vorstand der Immofinanz geworden bin. Umgekehrt sieht man gerade in der Causa Immofinanz, dass eine wirklich substanzielle Kontrolle des damaligen Managers der Constantia Privatbank nicht stattgefunden hat – und die wäre für die Transparenz des Finanzplatzes Wien ungleich wichtiger gewesen.

FORMAT: Was muss sich bei der FMA ändern?

Zehetner: Eines möchte ich auch betonen: Es gibt Bereiche, in denen die FMA einen sehr guten Job macht. Bei einer Prospektprüfung für eine von der Immofinanz geplante Kapitalerhöhung haben die Prüfer sehr professionell und schnell gearbeitet.

FORMAT: Was sollte sich dennoch ändern?

Zehetner: Erstens fehlt es oft an Augenmaß und der Fokussierung auf das Wesentliche. Die FMA verzettelt sich zu sehr auf Nebenschauplätzen. Zweitens mangelt es oft an praktischem Wissen, wie Entscheidungsabläufe in Unternehmen wirklich funktionieren. Dadurch kommt es zu völlig unrealistischen Vorwürfen, was Fristen und Zeitabläufe betrifft. Für die Hygiene des Finanzplatzes Wien wäre es ungleich wichtiger, die großen und wichtigen Verfahren möglichst zügig und nicht erst nach Jahren abzuwickeln, damit man im Ausland nicht immer wieder darauf angesprochen wird. Das ist absolut enervierend.

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