Im Wald ist der Wurm drin

Hauptfeind der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) ist der Borkenkäfer. Doch nicht nur in altersschwachen Bäumen und Windwürfen macht sich der Schädling breit - auch in so manchem Geschäftsbereich des Staatsbetriebs steckt im Moment der (Holz-)Wurm.

Im Wald ist der Wurm drin

Hauptgrund ist die schwache Nachfrage nach Bauholz vor allem aus den wichtigen Exportländern Italien und Spanien. Aufgrund der dortigen rigorosen Sparpläne stocken Infrastrukturaufträge und damit der Bedarf für Holzverschalungen am Bau. Die Folge: Die 25,1-Prozent-Beteiligung der Bundesforste am Holzverarbeiter Mayr-Melnhof Holz AG hat sich zum Verlustbringer entwickelt. Der letzte vorliegende Jahresabschluss der MM Holz weist einen negativen Betriebserfolg von 2,5 Millionen Euro aus. Das Ziel der Bundesforste, mit der Beteiligung an dem Holzriesen erfolgreich in die Diversifizierung, also die Weiterverarbeitung von Holz, vorzudringen, ist damit wohl vorerst gescheitert.

Die Nichterfüllung dieser Vision bringt nun die Trennung von MM Holz mit sich, allerdings zu einem durch die sinkende Nachfrage ungünstigen Zeitpunkt. Die Bundesforste wollen oder können bei einer vorgesehenen Kapitalerhöhung nicht mitziehen und gehen lieber getrennte Wege. Zu den laufenden Verhandlungen wollen sie keinen Kommentar abgeben. Auch MM-Vorstandschef Michael Spallart gibt sich wortkarg: "Wir möchten Gespräche und Überlegungen zu etwaigen Änderungen in der Eigentümerstruktur derzeit nicht weiter kommentieren.“ Spallart räumt allerdings Probleme am Markt ein: "Derzeit gibt es aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der vorherrschenden Überkapazitäten in Mitteleuropa keine Anzeichen für eine rasche Verbesserung der Margen.“

Preisdrücker

Sicher ist: Die Mayr-Melnhof-Gruppe wird die Anteile selbst zurückkaufen, und der Deal soll möglichst noch im November über die Bühne gehen. Die Industriellenfamilie ist reich genug, um wirtschaftliche Probleme locker wegzustecken. Doch sie wird versuchen, die Bundesforste im Preis so weit wie möglich zu drücken. Den seinerzeitigen Einsatz eines dreistelligen Schilling-Millionenbetrags wird das staatliche Unternehmen wohl kaum zurückbekommen.

Die Bundesforste kämpfen derweil an mehreren anderen Fronten mit betriebswirtschaftlichem Schädlingsbefall. So ist auch ein Spekulationsgeschäft an den Finanzmärkten schiefgegangen. Denn zur Absicherung der Pensionsverpflichtungen wurde auf einen Fremdwährungskredit gesetzt. Aufgrund der unerfreulichen Marktentwicklung steht derzeit ein negativer Marktwert zu Lasten des Unternehmens in Höhe von 1,345 Millionen Euro zu Buche. Eine Unternehmenssprecherin dazu lapidar: "Wir betrachten das als gegenstandslos für unsere Bilanz.“ Immerhin hat man im Vorjahr einen Zinscap abgeschlossen, um das weitere Risiko zu begrenzen.

Im umfangreichen Beteiligungsportfolio der heimischen Staatsforste finden sich weitere Verlustbringer. Die hundertprozentige Unternehmenstochter aquasilva Wasserversorgungs GmbH etwa, die seit 2004 besteht, aber keinerlei besondere Geschäftstätigkeit entfaltet hat. Mit dem Kärntner Landesenergieversorger Kelag gemeinsam betriebene Heizkraftwerke wurden nach Verlusten abgestoßen; und derzeit kommt eine breite Palette von Bundesforste-Immobilien auf den freien Markt, die zum Teil sogar über die Schnäppchen-Internetplattform willhaben.at angeboten werden.

Scharfe Kritik

Der letzte Rechnungshofbericht zu den Bundesforsten kommt zu einem harten Urteil: "Die Österreichische Bundesforste AG konnte die mit den eingegangenen Beteiligungen erhoffte Absicherung des wirtschaftlichen Erfolges nicht erreichen. Sie hielt die Verpflichtung zur Substanzerhaltung der Liegenschaften nicht ein.“ Die SPÖ hat Anfang Oktober eine parlamentarische Anfrage an Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich, den Eigentümervertreter der Bundesforste, gestellt, um genauere Informationen zu den jüngsten Liegenschaftsverkäufen zu erhalten. Es geht dabei um die erzielten Preise und den kritischen Punkt, ob auch strategische Trinkwasserreserven mitverkauft worden sind. Die Bundesforste besitzen 90 Prozent aller Seen und Gewässer in Österreich.

In der Vergangenheit blieb Berlakovich bei der Beantwortung solcher Anfragen meist sehr wortkarg. Diesmal wird er Erklärungen liefern müssen.

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