Im freien Fall: 20 Prozent der Business-Flieger suchen einen neuen Besitzer

Das Geschäft mit Bedarfsfliegern leidet weltweit. Jets bleiben immer häufiger am Boden. Wer muss, verkauft. Wer kann, steigt jetzt billiger ein.

Vergangene Woche reisten die Wirtschaftsbosse noch recht zahlreich mit ihren Privatjets zum Weltwirtschaftsforum in Davos an. Für etliche von ihnen könnte solch luxuriöses Reisen bald Geschichte sein. Unternehmen sparen bei ihren Fliegern und setzen auf Videokonferenzen, um Reisen zu vermeiden. Angeschlagene Autohersteller wie Ford und General Motors, aber auch der US-Konzern Altria (Kraft Foods und Philip Morris) haben angekündigt, ihre Jets zu verkaufen. Bei Bedarfsflug-Anbietern und Herstellern von Privatmaschinen nimmt das Geschäft drastisch ab.

Branchenweit minus 15 Prozent
2008 war das Jahr der Auslieferungsrekorde. Weltweit setzten die Produzenten 1.300 Jets ab. Der Auftragsbestand ist bei vielen inzwischen zusammengebrochen. Cessna musste wegen der schlechten Auftragslage 2.700 Arbeitsplätze abbauen. Der US-Produzent Eclipse Aviation – spezialisiert auf günstige Privatjets – meldete Ende 2008 Insolvenz an. Die Situation entwickelt sich ähnlich wie nach 9/11, damals gingen die Bestellungen um 45 Prozent zurück. Eric Mandemaker, Chef der European Business Aviation Association (EBAA), registriert derzeit branchenweit ein Minus von 15 Prozent. „In der Zeit des Geldvernichtens war die Nachfrage sehr groß. Um jahrelange Wartezeiten zu verkürzen, wurden für einen Flieger um bis zu zehn Millionen Dollar mehr bezahlt, als er wert war“, so Airliner Niki Lauda.

Flugzeugkäufer gesucht
In Österreich zählen zu den Besitzern von Business-Jets Unternehmer wie Alexander Pappas, die Swarovskis und Porsches, Gerhard Berger, Georg Stumpf, Julius Meinl oder Mirko Kovats. Insgesamt sind hierzulande laut EBAA 174 Geschäftsflugzeuge registriert. „Für 20 Prozent davon wird jetzt ein neuer Käufer gesucht. Das ist ein Volumen von rund 340 Millionen Dollar“, sagt Jonathan Breeze, CEO der im August gegründeten Jet Republic. Die Firma bietet Flugzeugteilhaberschaften an. Investor Ronny Pecik, der über seine Airline Amira, drei Bombardier-Maschinen (eine gemeinsam mit Niki Lauda) betreiben lässt, bestätigt, dass das Geschäft derzeit zäh ist: „Natürlich sind wir vor einem Jahr mehr geflogen, das liegt in der Natur der Sache.“

Businessjets im Hangar
Dass Manager in der Krise auf ihr komfortables Fluggerät verzichten sollen, dem kann Pecik aber nichts abgewinnen: „Ich finde diese Diskussionen irrwitzig. Die Kosten machen bei diesen Cash-Burn-Raten gerade mal die vierte oder fünfte Kommastelle aus.“ Doch viele Firmen können oder wollen sich keinen Privatjet mehr leisten – oder verkaufen ihn, um Bares in die Kasse zu spülen. Darauf setzt Jonathan Breeze von Jet Republic: „Bei un s haben die Leute zumindest die Möglichkeit, sich an einem meiner Learjets 60 xr zu beteiligen.“ Die Bedarfsfluglinie Jet Republic hat eine Bestellung über 110 Learjets im Wert von 1,54 Milliarden Dollar aufgegeben, die innerhalb der nächsten fünf Jahre ausgeliefert werden sollen. Der Mindestanteil, der an dem Learjet zu erwerben ist, ist ein Sechzehntel. Die Flugstunde kostet bei Jet Republic 9.000 Euro, wenn man 200 Stunden im Jahr reist.

Fliegen zu Hofer-Preisen
Airline-Profi Niki Lauda zweifelt allerdings am Erfolg: „In der jetzigen Situation geht ein solches Geschäft voll in die Hose. Die Preise pro Flugstunde sind seit Sommer 2008 spürbar gesunken.“ Beim Typ Global Express von 8.500 auf 7.700 Euro, bei einer Challenger 300 von 4.300 auf 3.800 Euro. Auch für Verkäufer sind die Zeiten schlecht. Ein Learjet 60 xr, der vor zwei Jahren noch 12,9 Millionen Dollar kostete, ist heute um 8,4 Millionen zu haben. Bis vor kurzem war das noch umgekehrt: Da konnte ein Flieger nach ein paar Jahren häufig mit sattem Gewinn weiterverkauft werden. „Jetzt seinen Jet abzustoßen wäre sehr unklug. So eine Maschine hält ja 30 Jahre. Es verkauft ja auch niemand seine Aktien, wenn der Wert am tiefsten ist“, argumentiert deshalb Lukas Lichtner-Hoyer, Chef von Jetalliance, einem der weltgrößten Unternehmen für Bedarfsfliegerei und der weltgrößte Cessna-Händler. Die Hoffnung auf bessere Zeiten hat Lichtner-Hoyer nicht aufgegeben. Trotz der aktuellen Misere soll in den nächsten zehn Jahren laut Prognose der Bedarf in Russland und der Ukraine um 1.000 Business-Jets steigen. „Da möchte ich mit mindestens zehn Prozent dabei sein.“

Von Gabriela Schnabel und Carolina Burger

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