"Ich habe es nicht eine Minute bereut"

"Ich habe es nicht eine Minute bereut"

FORMAT : Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights Ihrer fünfjährigen Tätigkeit bei Siemens?

Peter Löscher : Als ich bei Siemens angefangen habe, galt es zunächst, die Compliance-Krise zu meistern. Siemens ist heute ein fundamental anderes Unternehmen als vor dem Skandal 2006. Außerdem galt es, das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen und es als grünen Infrastruktur-Pionier zu positionieren. Das Kerngeschäft haben wir auf Wachstumsmärkte ausgerichtet und sicher durch die Schuldenkrise gesteuert.

Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?

Löscher: Überrascht hat mich das Ausmaß der Compliance-Krise. Es war mir schon klar, dass dies keine Lappalie war. Aber ich hatte ursprünglich nicht damit gerechnet, dass es quer durch das ganze Unternehmen ging.

Wie werden sich die ersten fünf Jahre als Siemens-Chef von Ihren zweiten fünf unterscheiden?

Löscher: Die ersten fünf Jahre waren davon geprägt, das Unternehmen auf neue Füße zu stellen. Das heißt, ein umfangreiches Compliance-System einzuführen und auf die Zukunft auszurichten. Auf dieser Basis wollen wir nun profitabel wachsen.

Wie sieht Ihre Wachstumsstrategie für Siemens in den nächsten fünf Jahren aus?

Löscher: Siemens ist gut auf die Anforderungen im Markt vorbereitet. Im Wesentlichen wollen wir unser Geschäft in den Schwellenländern weiter ausbauen, ein Vorreiter in der "grünen“ Industrialisierung, führend bei vertikaler IT, eine Topadresse für die klügsten Köpfe sein, unser Service-Geschäft weiter ausbauen und unser Portfolio durch organisches Wachstum, aber auch durch Akquisitionen stärken.

Welche Sparte bereitet Ihnen im Konzern zurzeit die größten Sorgen?

Löscher: Im Wesentlichen sind alle unsere Sektoren gut aufgestellt und im Kern gesund. In einem so großen Unternehmen wie Siemens wird es aber immer auch etwas geben, was man verbessern kann. Ich denke, wir sind bei diesen einzelnen Schwachstellen auf einem guten Weg und haben die richtigen Maßnahmen eingeleitet.

Haben Sie es jemals bereut, Chef von Siemens geworden zu sein?

Löscher: Nicht eine Minute.

Sie haben sich wiederholt für maßvolle Managergehälter starkgemacht. Was ist für Sie "maßvoll“?

Löscher: Das kann man nicht so pauschal beantworten. Wichtig ist, dass die Gehälter nachhaltig erfolgsorientiert und transparent sind.

Sie gelten als wichtiger Berater von Kanzlerin Merkel. Was ist Ihr Rat in der aktuellen Euro-Krise?

Löscher: Ich schätze die offene Art der Bundeskanzlerin, und zu jeder vertrauensvollen Gesprächsbasis gehört auch, dass man nicht alles in die Öffentlichkeit trägt.

Zu wem halten Sie bei der EURO: zu Deutschland oder Spanien? Ihr Tipp?

Löscher: Ich drücke beiden Teams die Daumen. Wenn die Mannschaften aber gegeneinander spielen, gibt es in meiner Familie eine klare Mehrheit für Spanien.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff