"Ich bin ein Liberaler und werde das auch bleiben"

"Ich bin ein Liberaler und werde das auch bleiben"

FORMAT: Wann wird erstmals eine Frau Mitglied des Strabag-Vorstands sein?

Hans Peter Haselsteiner: Bedauerlicherweise erst, wenn ich nicht mehr mit dabei bin. (2014 soll Haselsteiner den Vorstandsvorsitz an Thomas Birtel übergeben, Anm.) Wenn ich mir die Altersstruktur und die Berufungsperioden des derzeitigen Strabag-Vorstandes anschaue, wird es dazu in den nächsten fünf Jahren keine Möglichkeit geben. Denn ich möchte auch nicht, dass der Vorstand aufgestockt wird. Aber mittelfristig, also in zehn bis 15 Jahren, sollte es schon eine Frau im Strabag-Vorstand geben.

Sie beginnen jetzt, Frauen gezielt zu fördern. Was hat denn den Ausschlag für das neue Programm gegeben, haben Sie im Vorstand gesagt "Mander, ’s isch Zeit“?

Haselsteiner: Mir ist wichtig, das Thema vor meiner Pension noch einmal anzustoßen, weil wir damit bisher nicht viel weitergekommen sind. Außerdem habe ich eine tüchtige Direktionsleiterin in der Konzernkommunikation, die mir diesbezüglich keine Ruhe lässt. Und es gibt die Erkenntnis, dass wir in Zukunft unsere Personalansprüche nur erfüllen können, wenn wir Frauen stärker berücksichtigen.

Was sieht denn das Programm alles vor?

Haselsteiner: Es gibt ein ganzes Maßnahmen-Bündel. Das wichtigste ist aber, dass wir das Problem in den Köpfen möglichst aller Mitarbeiter, insbesondere aber der Manager, verankern. Es gibt eine Weisung von mir, dass bei jeder Stellenbesetzung die Frage, ob es für die Stelle auch Frauen gibt, ausreichend analysiert werden muss. Sollte es eine Frau geben, wird diese gefördert und bevorzugt, sofern sie die gleiche Qualifikation wie der beste dafür geeignete männliche Bewerber hat.

Hat das Programm ein quantifiziertes Ziel?

Haselsteiner: Eine fixe Zielquote trauen wir uns nicht, denn unsere Branche ist sehr wenig frauenfreundlich. Wir setzen auf die Flexi-Quote: Ziel ist eine jährliche Steigerung, was wir natürlich messen und veröffentlichen. Derzeit sind rund 13 Prozent der Beschäftigten im Strabag-Konzern und neun Prozent im Management weiblich. Ich glaube, mittelfristig können wir auf 20 Prozent Frauenquote kommen.

Wie wollen Sie geeignete Frauen gewinnen?

Haselsteiner: Wir haben Kooperationen mit Fachhochschulen und Universitäten und werden im Technikbereich gezielt weibliche Absolventinnen ansprechen.

Was halten Sie von fixen Frauenquoten?

Haselsteiner: Zwei Herzen wohnen auch in meiner Brust. Ich sehe das Argument durchaus ein, dass ohne Quoten die Dinge noch viel zäher und langsamer gehen als mit Quoten. Auf der anderen Seite sind natürlich einheitliche Quoten über alle Branchen vollkommener Nonsens. Man kann uns nicht mit Handelsbetrieben verglichen.

Diskutiert wird die Quote ja vor allem für Aufsichtsräte. Im Strabag-Aufsichtsrat sind zwei Frauen. Hat sich durch ihre Anwesenheit etwas geändert?

Haselsteiner: Das könnte ich nicht sagen. Beide bringen sich ein, beide werden geschätzt, aber die Männer haben noch immer eine solche Übermacht am Tisch, weil bei der Sitzung nicht nur der Aufsichtsrat, sondern auch der Vorstand, der aus lauter Männern besteht und die Wirtschaftsprüfer dabei sind. Bestenfalls kommt noch eine Dolmetscherin dazu. Dann sind drei Frauen unter 20 Männern. Doch ich glaube, dass wir den Frauenanteil im Aufsichtsrat am schnellsten steigern können. Ich muss aber meine Syndikatspartner noch davon überzeugen.

Was bringt das Programm den Männern?

Haselsteiner: Wir wollen Männer informieren, was die Väterkarenz anbelangt. Auch die Zahl der Betriebskindergärten wird erhöht.

Sie haben aus Anlass des Weltfrauentages auf die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesagt: "Ich bin ein Paradebeispiel des traditionellen Rollenspiels. Heute würde ich das anders machen.“

Haselsteiner: Meine Frau hat zwar studiert, hat aber freiwillig und ihrem Wunsch gemäß keine berufliche Karriere angestrebt. Ich habe sie auch nicht ermutigt und gesagt, sie solle arbeiten gehen. Im Gegenteil. Ich war durchaus einverstanden, als meine Frau erklärt hat, dass sie sich um die Familie kümmern wird. Das ist für den Mann eine bequeme Lösung und trägt zu seiner Lebensqualität entscheidend bei.

Und was würden Sie jetzt anders machen?

Haselsteiner: Ich würde nicht auf einen eigenen Beruf verzichten wollen und würde mir schwertun, Hausmann zu spielen. Was ich anders machen würde, ist mehr Zeit meinen Kindern zu widmen. Das sagt aber jeder im Alter - die Jungen machen es dann weiter so wie bisher.

Eine Strabag-Aktie kostet derzeit rund 17 Euro, das ist weit weg vom Ausgabekurs und das tiefste Niveau seit einigen Jahren. Damit werden Sie nicht zufrieden sein.

Haselsteiner: Nein, absolut nicht. Wir leiden und wissen noch nicht, wie wir dem begegnen sollen.

Für die ganze Baubranche sieht es derzeit in Europa nicht gerade rosig aus.

Haselsteiner: Die Auswirkungen der Budgetkürzungen und der Spardruck sind voll spürbar mit allen unliebsamen Begleiterscheinungen wie Pleiten oder Zahlungsrückständen der öffentlichen Hände. Eine Konsolidierungswelle geht durch ganz Europa und wird die Zahl der Anbieter schrumpfen lassen. Vom Volumen her ist anzunehmen, dass wir bestenfalls das derzeitige Niveau halten können. Das heißt, kein Wachstum, aber zusätzlicher Wettbewerbsdruck.

Um den Staatshaushalt zu sanieren, sparen die Länder nicht nur bei Bauaufträgen, es wird ja auch verstärkt Jagd auf Schwarzgelder auf ausländischen Konten gemacht.

Haselsteiner: Ich fürchte, dass die Fantasie der Steuerflüchtlinge immer eine Nasenlänge vor der Fantasie der Fahnder ist. Es wird nicht gelingen, dieses Phänomen auszurotten. Aber es findet ein Wertewandel vom Kavaliersdelikt zu einem echten Gesetzesverstoß statt: In Europa war es jahrzehntelang "schick“ und toleriert, der Steuer ein Haxerl zu stellen. In den USA war es nie lustig, wenn ein Europäer erzählt hat, wie er die Steuer vermieden hat. Ob legal oder illegal war den Amerikanern egal, sie haben das nie goutiert. Dort war immer das Motto: I have to pay what I owe.

Sind Sie optimistisch, dass die Steuerschlupflöcher geschlossen werden?

Haselsteiner: Das ist eine Herausforderung. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass die Briten ihre Kanalinseln aufrecht erhalten, auf Österreich zeigen und sagen, wir sollen das Bankgeheimnis aufgeben. Es ist nicht in Ordnung, dass es mit französischer Duldung Monaco gibt. Die Egoismen und Partikularinteressen - bei den Briten ihr Finanzplatz, bei den Österreichern die Bergbauernförderung usw. - widersprechen dem Unionsgedanken. Und zwar jeder Union. Daher ist es eine politische Aufgabe erster Ordnung, diese Partikularinteressen zurückzudrängen.

Gefällt Ihnen, wie Finanzministerin Maria Fekter das Bankgeheimnis verteidigt?

Haselsteiner: Ich schätze ihre Anstrengungen, auch wenn ich befürchte, dass das nicht alles der Sache wegen, sondern auch aufgrund einer anstehenden Wahl passiert.

Sie finanzieren die Neos indirekt, indem sie dem Liberalen Forum Geld geben, in Kärnten haben sie zur Wahl der SPÖ geraten und in Tirol unterstützen Sie Wiederwahl des ÖVP-Kandidaten Platter. Wie geht das?

Haselsteiner: In der Bundespolitik ist meine Position immer klar gewesen: Ich bin ein Liberaler und werde das auch bleiben.

Also Neo werden Sie keiner?

Haselsteiner: Nein, es sei denn, die Neos werden Liberale. Die beiden Parteiprogramme sind ja weitgehend deckungsgleich, sodass eine gemeinsame Plattform möglich wurde.

Und was ist mit der Landespolitik?

Haselsteiner: Nach meiner Vorstellung sollten die Länder keine Politik machen, sondern nur eine Verwaltungsaufgabe wahrnehmen. Ich glaube, die derzeitige Form des Föderalismus ist nicht notwendig, sehr teuer und hat darüber hinaus, unerwünschte Begleitformen. Daher sehe ich den politischen Inhalt gar nicht, sondern in erster Linie die Personen. Dem Tiroler Landeshauptmann Platter bin ich persönlich verbunden. Und in Kärnten wäre es schwierig gewesen, eine andere Partei als die SPÖ zu unterstützen, um einen echten Umbruch herbeizuführen.

Mit der Dreierkoalition in Kärnten sind Sie zufrieden?

Haselsteiner: Ja. Das ist in Ordnung, wiewohl ich den Grünen nie verzeihe, dass sie alle Sünden - etwa die Verdopplung der Parteienförderung - mitgemacht und dann das anders dargestellt haben.

Glauben Sie, werden die Neos den Einzug in den Nationalrat schaffen?

Haselsteiner: Ihre Chancen sind intakt. Es wird darauf ankommen, wie der Wahlkampf verläuft, inwieweit Frank Stronach seine Glaubwürdigkeit behalten kann trotz häufiger Fernsehauftritte. So blöd sind ja die Leute auch nicht, selbst die, die nicht viel denken und nur Protest wählen. Aber Stronachs Fernsehauftritte sind skurril, fast wie im Kabarett.

Werden Sie die Neos weiter unterstützen?

Haselsteiner: Das werden wir sehen. Letztlich unterstütze ich die Liberalen.

Warum ist es keine Option für Sie, in der Pension in die Politik zurückzukehren?

Haselsteiner: Meine Lebensqualität hat einen gewissen Stellenwert für mich. Ein Politiker hat kein Sozialprestige, muss sich von den Medien wie ein Putzlappen behandeln lassen. So menschenverachtend, rücksichtslos und gemein wie mit Politikern geht man mit keiner anderen Berufsgruppe um. Und man verdient nichts. Was also sollte den politischen Beruf interessant machen?

Dass man Dinge ändern könnte …

Haselsteiner: Ja. Aber ich habe meine Pflicht und Schuldigkeit getan. Ich habe sechs Jahre meines Lebens der Politik gewidmet, das ist immerhin fünf Prozent meiner maximal zu erwartenden Lebenszeit. Wenn jeder Österreicher fünf Prozent seiner Lebenszeit der Politik widmen würde, wäre das wunderbar.

Zur Person: Der Investor verlässt bald die Spitze des größten heimischen Baukonzerns. Hans Peter Haselsteiner und seiner Familie gehören knapp 30 Prozent des größten heimischen Baukonzerns, der Strabag mit 74.010 Mitarbeitern weltweit. Der 69-jährige gebürtige Tiroler hat bereits angekündigt, den Vorstandsvorsitz abzugeben. Sein Nachfolger wird Thomas Birtel. Seine Beteiligung am ÖBB-Konkurrenten Westbahn hat Haselsteiner vor kurzem im Zuge einer Kapitalerhöhung von 35 auf 46,9 Prozent aufgestockt. Darüber hinaus ist Haselsteiner unter anderem am Immobilienkonzern Conwert mit 24,4 Prozent und an der Semper Constantia Privatbank mit 20,5 Prozent beteiligt.

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