"Ich will Gerechtigkeit – auch post mortem"

"Ich will Gerechtigkeit – auch post mortem"

Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner hat am Montag am Supreme Court des Staates New York eine Betrugsklage über 1,8 Milliarden Dollar eingebracht. Die Summe begründet Elsner so: "Mir ist durch ein falsches Urteil über 1,4 Milliarden Euro aus dem Bawag-Prozess ein Schaden in dieser Höhe entstanden."

Geklagt werden der Bawag-Eigentümer Cerberus, Ex-ÖGB-Chef und Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Ex-Bawag-Chef und OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny, Ex-Bawag-Aufsichtsrat und ÖGB-Chef Erich Foglar, Ex-Bawag-Vorstand und ÖVAG-Boss Stephan Koren, der frühere Bawag-Treasurer Thomas Hackl, sowie die Ex-Refco-Chefs Phillip Bennett und Tone Grant und Bawag-Anwalt Markus Fellner.

In der hier downloadbaren Klagsschrift werden die Genannten, für die die Unschuldsvermutung gilt, beschuldigt ein betrügerisches System zur Verschleierung der Flöttl-Verluste aufgebaut zu haben. Weiters sollen Sie im in den USA geschlossenen Bawag-Vergleich Elsner durch Falschaussagen beschuldigt haben, US-Behörden angelogen haben und durch falsche und gefälschte Beweise das Bawag-Urteil gegen Elsner mitverantwortet haben.

Elsner, der in Bad Reichenhall kurt, will mit der Klage eine neue Aufklärung des Bawag-Skandals erreichen und die Wiederherstellung seines Rufs erzielen. Elsner: "Ich will Rehabilitation – wenn es sich nicht anders ausgeht auch post mortem."

Im FORMAT-Interview erklärt Helmut Elsner wie er den "größten Korruptionsfall Österreichs" sieht und wie er die Justiz aufrütteln möchte.

FORMAT: Warum klagen Sie Cerberus, Minister Hundstorfer, OeNB-Chef Nowotny und andere auf 1,8 Milliarden?

Helmut Elsner: Weil mir durch ein falsches Urteil über 1,4 Mrd. Euro aus dem Bawag-Prozess ein Schaden in dieser Höhe erwachsen ist. Dieses Urteil kam durch Falschaussagen von Nowotny und den anderen Beklagten sowie durch gefälschte Unterlagen zustande. Fest steht, dass Nowotny, Koren, Hundstorfer und Foglar im Zuge des abgeschlossenen Vergleichs mich verleumdet und betrogen und gleichzeitig die US-Regierung belogen haben. Daher erwarte ich mir den Zuspruch meines Klagsbegehrens, solange das Urteil gegen mich aufrecht bleibt, und andererseits, dass die österreichische Justiz jetzt in den Sumpf aus Lügen und Betrug hineinsticht. Immerhin steht der Verdacht von Wahlspenden, möglicherweise auch Schmiergeld im Raum.

Trotz Ihrer Krankheit wirken Sie sehr kämpferisch. Was treibt Sie an?

Elsner: Seit der Haft bemühe ich mich durch Aufarbeitung des Bawag-Aktes und durch Beschaffung von Unterlagen aus den USA darum, Licht in die Vorgänge zu bringen. Jetzt liegt ein unglaubliches Sittenbild von Verleumdung, Betrug und Korruption vor. Die Themen im aktuellen U-Ausschuss sind nichts dagegen, immerhin wurde der Bank durch Flöttl eine Milliarde Dollar gestohlen, der Ex-Bawag-Treasurer Hackl ist in den Fall ebenfalls verwickelt, vieles von dem geht aus den in den USA beschafften Unterlagen bzw. rechtskräftigen Urteilen hervor. Staatsanwalt Krakow hatte die Möglichkeit, mithilfe der US-Behörden alle Unterlagen zu beschaffen, er weilte in New York, um bei Flöttl eine „freiwillige Einschau“ zu halten, und Staatsanwältin Herbst vernahm Bennett persönlich. Man fragt sich, warum die Staatsanwaltschaft Fakten unterdrückt und eine falsche Anklage gegen mich verfasst hat.

Ihr Nachnachfolger an der Bawag-Spitze, Ewald Nowotny, scheint besonders in Ihrem Visier zu stehen.

Elsner: Er wusste von allen betrügerischen Machenschaften, weil die Bawag unter seiner Führung in den USA beklagt war. In der Klage wurde auch das dolose Verhalten des Treasurers Hackl behandelt. Und Hackl musste zugeben, Kick-back-Zahlungen von 20 Mio. von Bennett für seine Beteiligung am Betrug erhalten zu haben. Nowotny wusste auch, dass Flöttl die in der letzten Tranche vergebenen Gelder nicht verspekuliert, sondern gestohlen hat. Schon dadurch ist das Non-Prosecution-Agreement falsch. Bawag und Cerberus haben die Verantwortung zu übernehmen. Da aber Nowotny bereits durch falsche Informationen an Medien und vor allem an die Staatsanwaltschaft nicht mehr zurück konnte, hat er auch in den USA gelogen und mich anstelle von Hackl falsch beschuldigt. Dies auch, um Hackl zu verschonen, weil sonst sein Mitwirken am Flöttl-Diebstahl aufgeflogen wäre.

Klagsschrift als Download

Klagedetails

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