„Ich werde nicht die Flucht ergreifen“: ÖIAG-Chef Peter Michaelis im Interview

Ungeachtet der massiven Kritik will ÖIAG-Chef Peter Michaelis die Privatisierung der AUA zu einem erfolgreichen Abschluss bringen.

Als „treuen Diener seines Herrn“ beschreibt ein ÖIAG-Aufsichtsrat den Chef der Verstaatlichtenholding, Peter Michaelis. „Für seinen Herrn würde er sich auch vierteilen lassen“, meint ein anderer. Michaelis, 62, ist ein höflicher Sir, und er hat eine dicke Haut. Nur wenige würden sich wie er ausgerechnet von Ministern für die AUA-Privatisierung prügeln lassen, die schon der alten Regierung angehörten. Diese hatte Michaelis dringend um einen Privatisierungsauftrag gebeten, weil er das Desaster vorhersah. Aber er wurde nicht gehört. Der ÖIAG-Chef könnte vieles auf den Tisch legen, was für einige Politiker sehr peinlich wäre. Doch er schweigt – selbst zu Rücktrittsforderungen.

Voest-Privatisierer reagiert gelassen
Er wolle nur am Ergebnis gemessen werden, lautet Michaelis' Credo. Teilweise gibt ihm die Geschichte Recht. Auch für die Voest-Privatisierung und den Post-Börsengang wurde er scharf kritisiert – beides wurde ein Erfolg. 2007 verdiente Michaelis bei der ÖIAG 700.000 Euro. Heuer wurde sein Vertrag um weitere drei Jahre – bis zum 30. Juni 2011 – verlängert, was derzeit
offenbar viele Politiker bedauern. Michaelis zeigt sich aber relativ gelassen.

"S7-Angebot wird genau überprüft"
FORMAT: Wie geht es jetzt mit der AUA weiter?
Michaelis: Nachdem der Ministerrat den ursprünglichen Privatisierungsauftrag verlängert hat, läuft es wie geplant weiter. Wir haben bis Ende des Jahres Zeit, werden uns aber bemühen, bereits früher ein gutes Ergebnis zu erreichen.
FORMAT: Mit wem wird jetzt verhandelt, nachdem die S7 ja nur ein unverbindliches Angebot gelegt hat?
Michaelis: Mit beiden Bietern. Auch das Angebot der S7 wird genau überprüft.
FORMAT: Kann die Air France auch noch ins Verfahren zurückkommen?
Michaelis: Nein, es liegen uns nur zwei Angebote vor. Die Air France hat sich selber aus dem Rennen genommen. Sie ist auch bisher nicht an uns herangetreten.

"Verkaufsprozess professionell aufgesetzt"
FORMAT: Warum hat man sich erst nach Ende der Anbotsfrist um die Zuschuss-Problematik gekümmert?
Michaelis: Bis zum Vorliegen der Angebote war das nicht möglich. Wenn man es früher gemacht hätte, wäre das kontraproduktiv gewesen, und man hätte uns für völlig verrückt erklärt.
FORMAT: Aber war die Notwendigkeit eines Zuschusses nicht lange klar?
Michaelis: Die Banken- und Wirtschaftskrise hat in erheblichem Maße dazu beigetragen, dass der Ausblick in die Zukunft sich gravierend verschlechtert hat. Diese Entwicklung war zu Beginn des Prozesses keinesfalls absehbar.
FORMAT: Haben Sie beim AUA-Verkauf Fehler gemacht?
Michaelis: Wir haben den Prozess professionell aufgesetzt. Wir haben einen relativ engen Zeitrahmen gehabt, wegen der Neuwahlen und des Endes der Legislaturperiode. Von der Struktur her, wie wir es gemacht haben, wie wir ausgewählt haben, wie wir Datenmaterial zur Verfügung gestellt haben, ist alles sauber und nachvollziehbar durchgeführt worden.

"Sehe keine Veranlassung, zurückzutreten"
FORMAT: Warum haben Sie nicht schon viel früher öffentlich gewarnt, dass die AUA an die Wand fährt, wenn sie nicht einen Partner bekommt?
Michaelis: Ich habe dem Eigentümer immer gesagt, dass wir eine Partnerschaft bei der AUA anstreben sollen. Im letzten Regierungsprogramm findet sich zum Thema Privatisierung aber nichts. Die einzige Möglichkeit, die wir hatten, war, das strategische Optimierungspotenzial bei der AUA mit einer Kapitalerhöhung zu vergrößern.
FORMAT: Würden Sie Ihren Rücktritt anbieten, wenn die SPÖ das Finanzministerium übernimmt?
Michaelis: Solange das ÖIAG-Gesetz in dieser Form besteht, solange es darüber einen unabhängigen Aufsichtsrat gibt und ich saubere wirtschaftliche Konzepte erarbeiten kann, sehe ich keine Veranlassung, zurückzutreten. Denn ich bin ja für die Aufgabe angetreten. Wenn ich nichts mehr umsetzen kann, reden wir über etwas anderes, dann werde ich über diese Frage noch einmal nachdenken.

"Linie trotz aller Zurufe durchhalten "
FORMAT: SP-Chef Faymann sagt, er würde Ihnen keine Träne nachweinen …
Michaelis: Das ist Teil des Jobs, die Linie trotz aller Zurufe durchzuhalten und das Richtige für den Standort zu machen.
FORMAT: Was tun Sie, wenn der AUA-Verkauf doch noch gestoppt würde?
Michaelis: Ich werde alles daransetzen, dass eine Lösung mit einem strategischen Partner zustande kommt. Wenn aus Gründen, die ich nicht zu vertreten habe, das nicht möglich ist, muss man über Alternativen nachdenken. Ich werde nicht die Flucht ergreifen und das Unternehmen im Stich lassen.

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