"Ich rechne mir nicht ständig aus, wie viel mein Aktienpaket gerade wert ist"

"Ich rechne mir nicht ständig aus, wie viel mein Aktienpaket gerade wert ist"

FORMAT: Wie wollen Sie denn Ihren Investoren klar machen, dass die Probleme in Südamerika, die kürzlich zu hohen Rückstellungen bei Andritz geführt haben, ein einmaliger Ausrutscher waren?

Leitner: : Das war kein einmaliger Ausrutscher. So etwas kann immer wieder passieren, das gehört zu unserem Geschäft. Ich habe den Aktionären auch immer gesagt, dass wir ein sehr volatiles Geschäft haben.

Waren Sie von der Reaktion der Börse nach der Gewinnwarnung von Andritz überrascht?

Leitner: Wir können lange darüber spekulieren, wie rational die Börse ist. Ich habe mich umgekehrt auch immer wieder gefragt, warum der Kurs so stark steigt. Ich bin jedenfalls kein begeisterter Börsianer.

An dem Tag, als die Andritz-Aktie so abgestürzt ist, haben Sie selbst - zumindest auf dem Papier - etliche Millionen verloren. Wie fühlt sich das an?

Leitner: Das war völlig undramatisch. Ich rechne mir nicht ständig aus, wie viel mein Aktienpaket gerade wert ist.

Einigen Investoren hat an der Gewinnwarnung besonders missfallen, dass so kryptisch berichtet wurde. Weder das Land, noch das genaue Ausmaß, noch wer schuld daran ist, wurde genannt. Können Sie jetzt schon mehr sagen?

Leitner: Nein, wir haben in den nächsten Quartalen noch eine Menge Fragen dazu zu klären. Im Wesentlichen geht es einfach darum, wer für welche Kosten aufkommt.

Können Sie ausschließen, dass das Andritz-Management in dem konkreten Fall Fehler gemacht hat?

Leitner: Ich schließe Fehler nie aus. Wir machen jeden Tag Fehler. Es handelt sich bei dem Projekt um ein sehr schwieriges Projekt für alle Beteiligten.

Seit Jahren eilen Andritz und Sie als Manager von Erfolg zu Erfolg. Wie gehen Sie mit dem Misserfolg um?

Leitner: Ich gehe mit Misserfolg genauso wie mit Erfolg um. Mich begeistern diese Preise und Ehrungen ja auch nur in beschränktem Ausmaß.

Sie sehen das aber sehr nüchtern …

Leitner: Was würden Sie von mir als Manager halten, wenn es anders wäre?

Sie haben kürzlich das deutsche Unternehmen Schuler übernommen. Warum kauft man gerade jetzt ein Unternehmen, das großteils die schwächelnde Autoindustrie beliefert?

Leitner: Schuler ist in seinem Bereich klarer Marktführer und wir haben das Unternehmen zu einem sehr vernünftigen Preis bekommen. Bei dem Preis haben wir schon bedacht, dass es in der Autoindustrie nicht immer nur bergauf geht.

Greenpeace hat Sie jüngst in einem offenen Brief gefragt, ob Sie noch ruhig schlafen können, wo Sie doch im Zuge des Baus des Belo-Monte-Staudamms zahlreiche Einwohner enteignen. Können Sie ruhig schlafen?

Leitner: Greenpeace hat bewusst falsch informiert. Wir vertreiben niemanden und halten uns an das geltende Rechtssystem in Brasilien. Wenn man sich all dem beugen würde, dann hätten wir eine Diktatur der lauten Minderheit. Wir sind bei Belo Monte lediglich ein sehr kleiner Lieferant und es gibt daneben auch einige europäische Unternehmen, die für dieses Projekt exakt dieselben Maschinen liefern. Andritz kommt wahrscheinlich meist zum Handkuss, weil wir an der Börse sind und dadurch eine gewisse Bekanntheit haben.

Aber haben Sie denn schon einmal ein Projekt aus moralischen Bedenken abgelehnt?

Leitner: Natürlich würden wir sehr fragwürdige Projekte in sehr fragwürdigen Rechtsordnungen nicht machen.

Ist das konkret schon passiert?

Leitner: Wir haben immer wieder Projekte aus diversen Gründen abgelehnt.

Auch aus moralischen Gründen?

Leitner: Moral ist ein sehr subjektiver Begriff. Was denken Sie, würden unsere rund 1.600 Mitarbeiter in Brasilien sagen, wenn ich aus moralischen Gründen entscheide, wir steigen aus dem Belo-Monte-Projekt aus?

Haben Sie sich je mit NGOs an einen Tisch gesetzt?

Leitner: Wir sind für alles offen. Ich diskutiere aber sicher nicht mit den Grünen über das Rechtssystem in Brasilien.

Sie sind der bestbezahlte Manager im ATX. Freut Sie das?

Leitner: Sie meinen, ob das ein Jugendziel von mir war? Nein, das war es nicht. Aber die Studie der Arbeiterkammer, die mir ein Bruttogehalt von 5,3 Millionen Euro bescheinigt, ist vollkommen falsch. Das ist um 25 Prozent zu viel. Außerdem sind davon nicht 90 Prozent fixe Bestandteile, sondern 90 Prozent variabel. Wenn die Qualität der anderen Zahlen ähnlich schlecht ist, dann ist die ganze Studie in Frage zu stellen. Aber es stimmt: Auch vier Millionen Euro Jahresgehalt sind sehr hoch. Die positive Unternehmensentwicklung ist meinem Vertrag davongelaufen.

Stehen Sie zu dem Vertrag?

Leitner: Was man unter guter Corporate Governance versteht, ändert sich ja ständig. Vor Jahren war es fast ein Verbrechen, wenn man keine Aktienoptionen hatte, heute sieht man sie sehr skeptisch. Heute diskutiert man darüber, ob man Einkommen deckeln soll. In unseren neuen Verträgen haben wir nun auch einen Deckel eingezogen.

In welcher Höhe?

Leitner: Die variable Tantieme ist maximal dreimal so hoch wie das Fixgehalt.

Was halten Sie davon, Managergehälter von der Hauptversammlung genehmigen zu lassen?

Leitner: Ich denke, dass es ausreichend ist, dass im Aufsichtsrat Arbeitnehmervertreter mitwirken. Ich kann mich an keine Entscheidung über Gehälter erinnern, bei der Arbeitnehmervertreter überstimmt wurden.

Sie spenden viel Geld für wohltätige Zwecke. Mit welchen Schwerpunkten?

Leitner: Ich spende nicht, dass ich in der Zeitung stehe. Das ist meine Privatsache.

Wünschen Sie sich, dass Ihre Kinder ins Unternehmen einsteigen?

Leitner: Das überlasse ich meinen Kindern. Außerdem ist Andritz zu groß dafür, dass ich allein bestimme, dass meine Kinder auf irgendwelchen Positionen sitzen sollen.

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