"Ich möchte es noch einmal wissen"

Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner erklärt, warum er so früh seine Nachfolge geregelt hat und wieso jetzt neue Weichenstellungen in seinem Baukonzern notwendig sind.

"Ich möchte es noch einmal wissen"

Am Freitag, dem 13. Juni 2014, beginnt für Hans Peter Haselsteiner und seine Strabag ein neuer Abschnitt: Nach 40 Jahren im Konzern wird sich der dann 70-Jährige aus dem Vorstand zurückziehen und die Verantwortung in andere Hände legen.

Wer ihm nachfolgen wird, ist seit einer Woche klar: der Deutsche Thomas Birtel , schon etliche Jahre Mitglied des Strabag-Vorstands. In der Zeit bis zur Übergabe will Haselsteiner noch einmal Gas geben. Im Topmanagement wurden die Zuständigkeiten neu geordnet.

In den kommenden Tagen nimmt die Task Force "Strabag 2013ff“ unter Fritz Oberlerchner ihre Arbeit auf. Für diese Aufgabe verlässt Oberlerchner den Vorstand der Strabag. Die Task Force soll die Organisation und die Strategie des größten heimischen Baukonzerns mit rund 76.000 Mitarbeitern unter die Lupe nehmen und den Betrieb fit für die Zukunft machen. Die Ergebnisse sollen vor 2014 vorliegen. Denn Haselsteiner will notwendige Korrekturen noch selbst veranlassen und verantworten.

Sein Ziel ist, einen gesunden, flexiblen, schlanken, leistungsfähigen "Tausendfüßler“ an Birtel zu übergeben. "Tausendfüßler“ nennt er den Baukonzern gerne, weil das Tier veranschaulichen soll, dass sich das Unternehmen dank verschiedener Bereiche und Märkte auf vielen Beinen fortbewegen kann. Dadurch sei eine gewisse Unabhängigkeit gegeben. Aber wenn - wie jetzt - in ganz Europa geringere Auftragsvolumina im Bau erwartet werden und der Preisdruck steigt, sind auch bei der Strabag Änderungen notwendig.

Im vergangenen Jahr hat die Strabag Group zwar noch sehr gute Zahlen vorgelegt: Der Umsatz stieg um elf Prozent auf 13,7 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern erhöhte sich um zwölf Prozent auf 334,8 Millionen Euro. Aber im ersten Quartal 2012 fielen die Verluste höher als im Vorjahr aus.

Das bringt die Strabag-Aktie, die in Wien notiert, unter Druck. Auch die Ankündigungen in den vergangenen Tagen haben nicht zu höheren Kursen geführt. Haselsteiner selbst besitzt rund 29,5 Prozent der Aktien und ist damit der größte Einzelinvestor der Strabag.

FORMAT: Wie waren die Reaktionen auf die verkündeten Neuigkeiten?

Hans Peter Haselsteiner: Erwartungsgemäß sehr positiv. Eigentlich noch positiver als gedacht wurde aufgenommen, dass Thomas Birtel mein Nachfolger wird und eine Task Force eingesetzt wird.

FORMAT: Was hat Sie dazu bewogen, sich doch ein Jahr früher als geplant von der Strabag-Spitze zurückzuziehen?

Haselsteiner: Ich bin dann 70, und ich finde, dass man mit 70 aufhören sollte. Früher war ich da viel strenger und hätte die Grenze noch früher angesetzt.

FORMAT: Wie lange haben Sie überlegt, wem Sie dem Aufsichtsrat als Nachfolger vorschlagen könnten?

Haselsteiner: Das hat sich so ergeben. Ich arbeite seit Jahren mit Thomas Birtel zusammen, habe gesehen, wie er Probleme löst, und dadurch war er meine natürliche Wahl.

FORMAT: Haben Sie dazu viele Gespräche geführt oder sich alleine eine Meinung gebildet?

Haselsteiner: Ich kenne viele Meinungen über Thomas Birtel, und die haben mich bestärkt.

FORMAT: Was kann Herr Birtel?

Haselsteiner: Alles, was für seine neue Funktion notwendig ist: Er ist überlegt, fachkundig, abwägend, sozial kompetent, im Rahmen risikofreudig, aber nicht hasardierend.

FORMAT: Was ist der Grund, dass Sie den Rückzug schon so lange im Vorfeld angekündigt haben? Damit schon ein bisschen Sonne auf Herrn Birtel fällt und er nicht mehr so im Schatten steht?

Haselsteiner: Nein, der Grund ist, dass eine so große Organisation wie die Strabag Vorbereitung braucht und nicht überrascht werden soll.

FORMAT: Haben Sie vor, sukzessive etwas leiserzutreten?

Haselsteiner: Das wird man sehen, ich werde in jedem Fall noch enger mit Thomas Birtel zusammenarbeiten.

FORMAT: Dass Herr Oberlerchner als Leiter der Task Force "Strabag 2013ff“ nicht dem Gesamtvorstand, sondern allein Ihnen als Vorsitzendem verantwortlich sein wird, lässt darauf schließen, dass die Strabag doch sehr umgekrempelt wird.

Haselsteiner: Damit hat das nichts zu tun. Der Grund ist: Es soll nicht zu einem Clinch unter Kollegen führen, und Fritz Oberlerchner soll unbeeinflussbar arbeiten können.

FORMAT: Wenn man bei der Strabag von dem Prinzip der Spartentrennung und dem Modell von jeweils einem technischen und einem kaufmännischen Leiter auf Vorstandsebene abgeht, dann ist diese Struktur wohl auch in den untergeordneten Direktionen mittelfristig obsolet, oder?

Haselsteiner: Das ist nicht gesagt, genau das soll die Task Force herausfinden.

FORMAT: Könnten dadurch Stellen, etwa im kaufmännischen Bereich, eingespart werden?

Haselsteiner: Das glaube ich nicht. Unsere kaufmännische Verwaltung ist bereits sehr straff organisiert.

FORMAT: Es wird erzählt, dass in der Strabag vor lauter Profit-Center-Denken der einzelnen Bereiche nicht immer das optimale Gesamtergebnis erreicht wird. Sehen Sie das auch so?

Haselsteiner: Ich kenne keine Organisation, die auf Dauer optimal ist. Jede Organisationsform hat Nachteile. Dass unsere nicht so schlecht war, zeigen die Wachstumsraten und die Erfolge in der Vergangenheit. Aber auch unsere Organisation ist nicht perfekt. Wir machen es so gut, wie wir können, und wo es nicht perfekt läuft, bemühen wir uns, das auszubessern. Aber wenn Mitarbeiter sehen, dass etwas nicht ganz ideal ist, dann sollen sie etwas tun und nicht jammern. Etwas zu tun - das ist, was ich mir wünsche. Daher gibt es die Task Force. Die letzten zwei Jahre möchte ich es noch einmal wissen, ich möchte die Strabag effizient, marktkonform und schlank übergeben.

FORMAT: Kann die Task Force auch vorschlagen, sich aus verschiedenen Märkten ganz zurückzuziehen, sodass aus dem Tausendfüßler Strabag ein 990-Füßler wird?

Haselsteiner: Ja, rein theoretisch könnte das sein. Aber im Moment kenne ich keinen Markt, wo man sich zurückziehen sollte.

FORMAT: Haben Sie das Gefühl, im Alter schon ein bisschen milde geworden zu sein?

Haselsteiner (lacht): Ja natürlich, ich bin seit Jahren milde.

FORMAT: Hat die Strabag dadurch an Biss verloren?

Haselsteiner: Wir haben seit Jahren keinen großen Event - wie eine große Übernahme - von außen gehabt. Wir haben große Aufträge abgewickelt, aber so etwas rüttelt eine Organisation nicht durch. Wenn ein Impuls von außen fehlt, muss man ihn von innen setzen, was sehr schwierig ist, aber was wir jetzt machen.

FORMAT: Hält der Preisverfall im öffentlichen Bausektor an?

Haselsteiner: Die Kollegen sind nervös, und es gibt die Sorge, dass die Krise - Schulden-, Euro-, Finanz-, Bankenkrise oder wie immer man sie nennen mag - sich negativ auf das Baugeschäft auswirken wird. Die Verunsicherung wird dadurch verstärkt, dass die Politik keine klare Linie zeigt. Dadurch steigt der Druck auf die Preise in der Bauwirtschaft allgemein.

FORMAT: Können Sie sich vorstellen, dass Ihr Sohn Klemens irgendwann Herrn Birtel als Chef der Strabag nachfolgen wird?

Haselsteiner: Es ist viel, viel zu früh, das zu diskutieren. Und so eine Festlegung durch andere würde er sich verbitten. Außerdem gab es eine solche Idee bisher nicht.

FORMAT: Noch kurz eine ganz andere Baustelle: Wie werden denn bei der Westbahn die Anteile künftig aufgeteilt?

Haselsteiner: Vermutlich 35 Prozent ich, 35 Prozent die Franzosen und 30 Prozent die Augusta.

FORMAT: Womit werden Sie sich in der Pension beschäftigen? Mit der Westbahn, mit Kultur, Constantia Bank oder doch Strabag?

Haselsteiner: Ich habe eine ganz lange To-do-Liste. Ich möchte mich um meine Sozialprojekte kümmern, öfter nach Moldawien fahren, mich mit Kunst beschäftigen. Lassen Sie sich überraschen.

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