Hypos unter Wasser: Krisengeplagter Sektor
klammert sich an finanzielle Rettungsringe

Ein Sektor mit Sorgen. Hypos sind besonders krisenanfällig. Denn sie gelten als politikverseucht, wurden lange mit billigem Geld vollgestopft und haben ihre Risken meist nicht voll im Griff.

Nilpferde zählen gemeinhin nicht zu den bedrohten Tierarten. In der österreichischen Bankenlandschaft jedoch sind sie gefährdet: Jahrzehntelang waren die Hippos bei den Hypos (die Namensähnlichkeit war der Grund für die Wahl dieses Tiers) als Sympathieträger im Einsatz. Sie prangten an Plakaten, lächelten von Inseraten, wurden als Plastikfiguren verschenkt. Jetzt kommt das Flusspferd nur noch vereinzelt am Weltspartag zum Einsatz. Dabei würde es besonders gut zur momentanen Situation des Sektors passen: Denn wie die Hippos befinden sich auch viele Hypos unter Wasser. Die Kärntner Alpe-Adria-Bank beherrscht zwar die Schlagzeilen. Doch auch fast alle anderen Hypos ­benötigten finanzielle Rettungsringe ihrer Eigentümer, um in der Finanzkrise nicht unterzugehen. Einzig die Vorarlberger stehen gut da. Die Probleme im Sektor lassen sich auf drei simple Faktoren zurückführen: Erstens die besondere Nähe zur Politik. Zweitens der laxe Umgang mit Risken. Drittens der Zugang zu reichlich billigem Geld aufgrund der Landeshaftungen. „Im Bankenbereich ist kaum ein anderer Sektor so intransparent wie der Sektor der Hypo-Banken“, sagt Robert Kremlicka, Geschäftsführer von ATKearney Österreich.

Einfluss geht vor Erträgen  
Die Hypos waren jahrzehntelang im Eigentum der Bundesländer. Mittlerweile wurden zwar Anteile abgegeben, die Wiener Hypo ging schon vor Jahren in der Zentralsparkasse und damit in der heutigen UniCredit Bank Austria auf. Doch fast überall ist der Einfluss der Landespolitik zu spüren. „Im Kern dreht es sich um die Frage, wer das Sagen hat“, meint ein Insider. „Sind es Eigentümer, die an Erträgen interessiert sind? Oder Machtmenschen, die eine Finanzierungsquelle suchen?“ Bei den Hypos geht es vielen Eigentümern vor allem um Einfluss, weniger um Erträge. Die Banken werden benutzt, um Projekte zu finanzieren, die dem Lob und Preis (und der Wiederwahl) der Po­litiker dienen, aber sich nicht rechnen. ­Unter Jörg Haider wurde von der Hypo ein Prestigeobjekt nach dem anderen finanziert, angefangen vom Schlosshotel Velden bis hin zum Wörthersee-Stadion. Auch in anderen Bundesländern wurden Hypos herangezogen, etwa zum Bau eines „Standorts NÖ – Zentrum der Wirtschaft“ oder wenn regional wichtige Unternehmen wie das „PlayCastle“ in Tirol nicht zusperren durften.

Enge Verbindungen
Die Polit-Nähe zeigt sich auf verschiedenen Ebenen: Fast immer sind Mitglieder der Landesregierung Teil des Aufsichtsrats. Niederösterreich entsendet sogar den früheren SP-­Innenminister Karl Schlögl als Aufpasser in die Landeshypo. Der Chef der Tiroler Hypo, Hannes Gruber, hat in die Familie von Alt-Landeshauptmann Alois Partl eingeheiratet. Bei manchen Managern ist die Bank-Kenntnis weniger Kriterium als die langjährige Freundschaft zu den Macht­inhabern. Als die kleine Eisenstädter Bank 1991 mit der Landeshypothekenbank des Burgenlands fusionierte, wurde der Eisenstädter Boss des neuen Instituts – weil er politisch besser passte. Andreas Mitter­lehner, General der oberösterreichischen Hypo, stammt aus derselben Familie wie der Wirtschaftsminister. Er hat seinen Job zwar schon länger als sein Bruder, aber die Karriere des einen dürfte dem ­anderen nicht schaden. Wie sehr die Politik in vielen Hypos mitspielt, machen Regierungswechsel deutlich. Die sind zwar in den Ländern selten, ziehen aber über kurz oder lang ein neues Management der Landesbank nach sich. Die Kärntner Hypo etwa war 1992 durch und durch rot eingefärbt und nicht mehr fähig, eine Bilanz zu erstellen. Jetzt ist es ähnlich – nur in Orange. Und das BZÖ macht sich für das Überleben der Bank auch deshalb stark, weil es Parteiförderungen an die Hypo verpfändet hat.

Pleiten, Pech und Pfandbriefe
Gegründet wurden die Hypothekenbanken vor rund hundert Jahren. Sie erhielten das Recht, Kredite auf Liegenschaften auf­zunehmen und in Form von Pfandbriefen zu verkaufen. Mit dem Geld wurden Darlehen an Gebietskörperschaften ver­geben. Sie haben gemäß Satzung die Aufgabe, den Geld- und Kreditverkehr in den jeweiligen Regionen zu fördern. Selbst ohne Kärntner Beispiele ist die Liste mit Pleiten, Pech und Pannen im Pfandbriefsektor lang: Die Tiroler Hypo gab heuer bekannt, einem Betrüger in Bayern aufgesessen zu sein, und befürchtet einen Kreditausfall von 21 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Ergebnis gewöhnlicher Geschäftstätigkeit 2008 lag bei 17 Millionen Euro. Aufsichtsrat und Kreditausschuss hatten von der Kreditvergabe nichts gewusst. Derzeit sind externe Prüfer in der Bank. Der Vorstand soll wa­ckeln, aus Geschäften in Italien und Süddeutschland wird sich das Institut wohl ­zurückziehen. Mit welchem Ergebnis die Bank heuer rechnet, wird noch nicht bekannt gegeben. „Die operativen Geschäfte laufen gut, die Höhe der Risikovorsorgen ist noch offen, deshalb kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden“, meint Sprecherin Gertraud Kirchebner.

Schaden schafft RLB-Abhängigkeit
Die Salzburger und die oberösterreichische Hypo hatten im Vorjahr so hohe Wertberichtigungen, dass sie eine Haftung ihres Haupteigentümers RLB OÖ brauchten. In der Steiermark wurde Anzeige gegen zwei ehemalige Hypo-Manager wegen Untreue eingebracht. Sie sollen mit riskanten Leasing-Geschäften in Kroa­tien und Bosnien einen Schaden von rund 40 Mio. Euro verursacht haben. Die ­Affäre hatte zur Folge, dass die Bank eine Kapital­spritze von 70 Millionen Euro brauchte und nun enger an den Mehrheitseigen­tümer, die RLB Steiermark, angebunden wird. Auch heuer soll das Ergebnis nicht gerade berauschend sein. Die Bank Burgenland erschütterte im Jahr 2000 ganz Österreich: Ein 150-Millionen-Euro-Kredit platzte, Bank-General und Aufsichtsrat mussten gehen. Mittlerweile ist ein EU-Verfahren anhängig. Geprüft wird, ob staatliche Beihilfen beim Verkauf an die Grazer Wechselseitige im Spiel waren. Und im Burgenländischen Landtag mussten erst vor wenigen Tagen 32 Millionen Euro für 2009 nachträglich veranschlagt werden, weil das Land eine Ausfallgarantie für die Bank übernommen hatte.

50-Mio-Euro-Spritze aus Niederösterreich
Die Hypo Investmentgruppe hat von der Mutter, dem Land Niederösterreich, vor kurzem 50 Millionen Euro erhalten. „Für die Abdeckung von Altlasten“, wie Kritiker meinen. „Um mehr Kredite an Unternehmen vergeben zu können“, wie Sprecher Markus Nepf betont. Doch ganz ideal aufgestellt wirkt die Bank nicht: Unter der Investmentgruppe gibt es eine NÖ Landes-Hypothekenbank AG. Die Opposition kritisiert, dass diese Struktur nur zu mehr Vorständen und Aufsichts­räten führt und sonst wenig bringt. Tatsächlich sind derzeit Berater auch in Niederösterreich am Werk, um Konzernfunktionen zu bündeln. Zudem bekommen die Niederösterreicher 2010 einen neuen Namen: nämlich Hypo NOE-Gruppe. Auch die Hypo-Banken-Holding, an der alle acht Hypos beteiligt sind, bekam in einem Rechnungshofbericht 2007 ihr Fett ab: Die Prüfer gaben dem Geldinstitut unter anderem den Tipp, „den Haben-Zinssatz der Girokonten laufend mit den Banken zu verhandeln, um eine optimale Verzinsung zu erlangen“ und „zur Sicherstellung einer vollständigen Buchhaltung alle Geschäftsfälle lückenlos und zeit­gerecht zu erfassen“.

Vorzugsschüler Vorarlberg
Wirklich ruhig ist es nur in Vorarlberg. „Wir sind stets organisch und risikobewusst gewachsen“, sagt Jodok Simma, langjähriger General der Hypo Vorarlberg, „und stets eine sparsame Bank geblieben.“ Das Ergebnis des Vorjahres von 50 Millionen Euro – das beste des Sektors – werde man heuer übertreffen. Andere haben offenbar auf Sparsamkeit weniger Wert gelegt. Denn finanzielle Mittel aufzustellen war für die Hypos lange Zeit keine Herausforderung. „Da die Hypos aufgrund ihrer Refinanzierungsmöglichkeiten durch Pfandbriefe relativ unproblematisch zu Geld kommen, besteht ihre grundsätzliche Gefahr erst im zweiten Schritt, wenn es darum geht, was man damit macht: Wer bekommt Kredit? Welches Risiko geht man dafür ein?“, meint Matthias Bank, Professor für Banken und Finanzen an der Universität Innsbruck. Grundsätzlich seien sie mit den deutschen Landesbanken zu vergleichen, auch wenn sie – mit Ausnahme der Kärntner Hypo – in Österreich nicht ganz so unverschämt als verlängerter Arm der Länder fungierten. Im Gegenzug gaben diese bis Mitte 2005 Landesgarantien für die Außenstände der Banken – mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren steht der Steuerzahler bei Problemen ein. Allein in Kärnten sind noch 18 Milliarden Euro offen. So viel kann nicht einmal ein Nilpferd stemmen.

Martina Bachler, Miriam Koch

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