Hubert von Goisern: "Das hat mich mit Zorn erfüllt"

Normalerweise begleitet Hubert von Goisern stürmischer Applaus, wenn er die Bühne betritt. Aber an diesem Montag, den 8. Oktober, klatscht niemand. Die rund 400 Besucher des Festsaals der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) sind verunsichert, als Goisern bescheiden seinen Platz am Podium sucht. Der Musiker ist ohne Ziehharmonika gekommen, ohne Band. Denn er hat nicht vor, zu singen, sondern zu diskutieren.

Hubert von Goisern: "Das hat mich mit Zorn erfüllt"

Mit "Brenna tuat’s guat“ hat Goisern im vergangenen Jahr einen Hit veröffentlicht, der als Antikapitalismus-Hymne bezeichnet wird. Und nun sitzt der 59-Jährige in dem fensterlosen, niedrigen Raum, in dem angehende Wirtschaftswissenschaftler Vorlesungen hören, Prüfungen ablegen und ihre Titel bekommen. An einem Ort, wo die WU-Rektoren der letzten hundert Jahre mal streng, mal freundlich von ihren Porträts an den Wänden blicken und wo man letztlich doch an die Dreifaltigkeit Markt, Kapitalismus und Geld glaubt.

Lehren aus dem Leben

Er habe den Song nicht wegen der Finanzkrise geschrieben, erklärt Goisern. "Sondern wegen der Unsitte, Lebensmittel zu Treibstoff zu verarbeiten, wo jede Menge Kinder auf der Welt verhungern.“ Es sei unfassbar, Treibstoff für Maschinen über die Menschen zu stellen. "Das hat mich mit Zorn erfüllt.“ Und weil es gepasst hat, habe er in die weiteren Strophen Kritik an der Wirtschaftsgebarung und politische Moral gepackt.

Hubert von Goisern ist auf Einladung von Wilfried Stadler gekommen. Der frühere Banker ist jetzt unter anderem Honorarprofessor und organisiert eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Open Minds“. Laut Programm soll über Weltmusik und Management-Welten gesprochen werden. In Wirklichkeit geht es meist um das Leben und die Lehren daraus.

Etwa, dass vieles ohne Plan passiert. Die Zusammenarbeit mit Tibetern habe sich durch einen Zufall ergeben, erzählt Goisern. Weil ihm in einem Packen Faxe, die er ungelesen wegwerfen wollte, plötzlich doch das Wort Tibet ins Auge gestochen sei. Und dann habe er den ganzen Zettel gelesen, und so sei eines nach dem anderen passiert. Oder, wie man aus Fehlern lernen kann. Früher seien die Band und der Rest der Tourmannschaft in zwei verschiedenen Fahrzeugen von Station zu Station gebracht worden, erzählt Goisern, der im echten Leben Achleitner heißt. "Aber wenn man zwei Gruppen hat, die zusammenarbeiten und oft getrennt sind, schimpfen die einen auf die anderen. Das ist ganz natürlich“, sagt er. Die Lösung war ein gemeinsamer größerer Tourbus für alle. Das Personal für die Tour rekrutiere er aus Empfehlungen von Freunden, sagt er. Qualitätskriterien für Goisern sind "guat und liab“, die Hierarchie sollte möglichst flach sein.

Mit der Hawaii-Gitarre im Bordell

Ob man, wenn man jung ist, auch Jobs annehmen dürfe, die der eigenen Ethik widersprechen, wird Goisern von jemandem aus dem Publikum gefragt. "Ökonomische Zwänge kenne ich auch“, sagt der Musiker. Als er jünger war, habe er einmal zwei Monate in einer Hawaii-Kapelle Hawaii-Gitarre gespielt. Zwei Wochen davon sei die Gruppe auch in einem Bordell aufgetreten. "Und ich habe mir immer gedacht, hoffentlich sieht mich niemand“, erzählt Goisern. Aber er habe Miete bezahlen müssen, und es sei nicht anders gegangen, weil kellnern habe er auch nicht wollen. "Und es ist durchaus lehrreich, das, was man eigentlich ablehnt, trotzdem kennenzulernen“, sagt er.

Die älteren Semester, die im Publikum durchaus stark vertreten sind, nicken verständnisvoll. Am Schluss gibt es Applaus für Hubert von Goisern. Dafür, dass er auch vor diesem Publikum, wo das Match Strickpullover und Batikshirt gegen Anzüge eindeutig Letztere gewonnen haben, so offen war.

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