Herbert Stepic im Interview: "Wenn ich Meltdown lese, geht mir das G’impfte auf"

Herbert Stepic, Generaldirektor von Raiffeisen International, wurde als „Vater des Osteuropa­geschäfts“ gefeiert. Nun steht er im Zentrum der Krise - und fürchtet vor allem die Panikmache.

FORMAT: Wie geht es Ihnen als Banker im Auge des Hurrikans?
Herbert Stepic: Gut. Es ist eine riesige Herausforderung, einen Konzern aufzubauen – und eine noch größere, ihn durch so einen Wirbelsturm zu führen.
FORMAT: Die Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit österreichischer Banken herabgestuft. Gerechtfertigt?
Stepic: Das geschieht teils, um von viel gröberen Problemen im Westen abzulenken. Osteuropa ist nicht gleich Osteuropa, man muss differenzieren.

"Motor am Laufen halten"
FORMAT: Die EBRD schätzt, dass zehn bis zwanzig Prozent der Kredite in Osteuropa faul sein könnten.
Stepic: Sicher ist: Die Kreditausfälle werden mehr, nicht nur im Osten. Die Zahl der EBRD bezieht sich auf die ganze Dauer der Krise. Wir rechnen damit, dass sie drei Jahre dauert, das heißt, die Ausfälle würden sich auf diese Zeit verteilen, das ist verkraftbar. Wir haben die Krise auch bisher gut gemanagt: Unser Ergebnis wird für 2008 bei 950 Millionen liegen, trotz der Wertberichtigungen.
FORMAT: Wie zufrieden sind Sie mit den politischen Rettungsbemühungen?
Stepic: Es ist positiv, dass das Problem endlich erkannt wurde: Das ist ein Thema der EU, nicht nur Österreichs. Wenn wir Osteuropa nicht als gemeinsames Problem sehen, dann führt das zu einem gespaltenen Europa, Destabilität, Arbeitslosigkeit, sozialen Spannungen und verstärkter Migration. Wenn der Motor abstirbt, dann wird es schwer und teuer sein, ihn neu zu starten. Deshalb sollte man ihn besser am Laufen halten.

"Fürchte Panikstimmung am meisten"
FORMAT: Was soll geschehen?
Stepic: Erstens sollen die Länder selbst für Liquidität sorgen. Zweitens soll die EU Finanzhilfe geben, und zwar über die Banken, mit der Auflage, es weiterzugeben.
FORMAT: Wie viel Geld soll fließen?
Stepic: Ich will keine Zahl nennen – aber im Vergleich zur bisherigen Bankenkrise ist es nicht viel. Die gesamten Bruttoinlandsprodukte Zentraleuropas betragen ja nur 700 Milliarden Euro, jenes von Österreich knapp 300 Milliarden.
FORMAT: Manche befürchten einen Zusammenbruch, der ganz Europa mitreißen könnte. Ist es fünf vor zwölf?
Stepic: Wenn ich „Meltdown“ lese, dann geht mit das G’impfte auf. Das ist undifferenziert und führt zu einer Panikstimmung, die sich schließlich real niederschlagen könnte. Das fürchte ich am meisten.

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