Helmut Jonas: "Island und Lehman sind Gott sei Dank großteils an uns vorübergegangen"

Die „Kirchenbank“ Schelhammer & Schattera gehört zu 85 Prozent der Superiorenkonferenz der männlichen Orden. In der ältesten Privatbank Wiens werden zwei Milliarden Euro verwaltet, davon stammen mehr als 40 Prozent von der Kirche bzw. von Orden. Der Chef des Bankhauses Schelhammer & Schattera über seine Aktionäre, die Finanzkrise und ethische Werte.

FORMAT: Herr Generaldirektor, was ist das Besondere einer „Kirchenbank? Ist die Kirche als Kunde anders als normalsterbliche Kunden?
Jonas: Wir veranlagen sehr, sehr konservativ. Es gilt der Grundsatz: Sicherheit vor Ertrag. Bei uns liegt das Geld für die Pensionen vieler Priester, da ist kein Platz für Spekulationen. Wir legen das Geld vorwiegend in Anleihen und Investmentfonds an, wobei wir auch Wert darauf legen, dass gewisse ethische Vorgaben eingehalten werden. Wichtig ist auch, dass wir klare und verständliche Produkte anbieten.

Von Island verschont
FORMAT: Wurden Sie durch Ihre konservative Veranlagungsstrategie also von der Finanzkrise verschont?
Jonas: Island und die Lehman-Pleite sind Gott sei Dank zum Großteil an uns vorübergegangen, die Krise hat aber auch uns getroffen. Der Börsenentwicklung im Jahr 2008 konnte sich aber niemand entziehen. Wir mussten aber auch 2008 unseren Fonds für allgemeine Bankrisiken nicht angreifen. Wir konnten ein sehr positives Ergebnis erzielen.
FORMAT: Können Sie das in Zahlen ausdrücken?
Jonas: Das Nettoergebnis 2008 wird zwischen 40 und 50 Prozent unter dem des Vorjahres liegen. (Anmerkung: Das Nettoergebnis 2007 betrug 8,2 Millionen Euro.)

"Die Herren sind nicht von gestern"
FORMAT: Wurden Ihre Aktionäre bzw. Kunden angesichts der Finanzkrise eigentlich nervös?
Jonas: Eine richtige Krisenstimmung ist im Aufsichtsrat, wo ja viele Geistliche sind, eigentlich nicht aufgekommen. Ein Thema war die Finanzkrise aber natürlich schon. Die Herren sind ja nicht von gestern, die wissen schon, was das bedeuten kann.
FORMAT: Wie firm sind die Geistlichen denn in Geldangelegenheiten?
Jonas: Überraschenderweise sehr firm. Im Aufsichtsrat kann jeder Bilanzen lesen.
FORMAT: Wie wird 2009 für Ihre Bank laufen?
Jonas: Es wird kein einfaches Jahr, wir sehen aber ein beträchtliches Wachstum bei Neukunden. 2009 sollten wir wieder mehr Gewinn machen als 2008.

An Casinos Austria beteiligt
FORMAT: Wie groß ist Ihrer Kenntnis nach das Gesamtvermögen der katholischen Kirche in Österreich?
Jonas: Das ist eine gute Frage, das hätten wir selber gerne gewusst. Sicher ist aber, dass die Erhaltung des Vermögens die Kirche eine Menge kostet.
FORMAT: Sie besitzen eine Beteiligung an den Casinos. Ist das für Sie eine ethisch korrekte Veranlagung?
Jonas: Nicht unbedingt. Die Casinos haben aber sehr klare Regeln fürs Spielen. Diese Beteiligung ist für uns kein großes Thema mehr.

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