Heini Staudinger – Mann ohne Vorschriften

Heini Staudinger – Mann ohne Vorschriften

Heini Staudinger ist kein Fan von Vorschriften. Der Chef des Waldviertler Schuhproduzenten GEA hat das in seinem Kampf gegen die Finanzmarktaufsicht (FMA) eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Er ist sogar bereit, für das Nichtbeachten des Bankwesengesetzes ins Gefängnis zu gehen. Für viele ist Staudinger deswegen zum Helden geworden, manche titulieren ihn gar liebevoll "Finanzrebell“.

Andernorts wird seine Aversion gegen Vorschriften nicht so goutiert. Unter seinen Mitarbeitern in Schrems, wo Staudinger die Waldviertler Werkstätten betreibt, ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. "Das, was Staudinger nach außen transportiert, deckt sich nicht mit seinem Verhalten den Mitarbeitern gegenüber“, klagt ein langjähriger Angestellter, der aus Angst vor einem Rauswurf lieber anonym bleiben will.

Also Gutmensch nach außen, Despot nach innen? Manche Vorwürfe wiegen jedenfalls schwer: Der Druck auf die großteils schlecht bezahlte Belegschaft sei groß und vor allem die Arbeitsbedingungen in Schrems ließen zu wünschen übrig. Lärm und Gestank in den Werkstätten sollen die Toleranzgrenze überschreiten und bei einigen zu Burn-out führen.

Was aber manche besonders stört: Seit Jahresbeginn müssen Mitarbeiter, die von weit her kommen, für Übernachtungen in nahen Seminarräumen zahlen. Jene, die nicht zahlen wollen oder können, würden lediglich in einem Behelfsquartier Schlafkojen, die nur durch Vorhänge getrennt sind, zur Verfügung gestellt bekommen. "Da müssen junge Lehrmädchen nur einen Meter neben älteren männlichen Arbeitnehmern übernachten. Das ist unzumutbar“, findet ein GEA-Mitarbeiter. Im Winter sei es sogar noch schlimmer gewesen, da hätten manche GEA-Beschäftigte in ungeheizten Räumen auf nackten Matratzen schlafen müssen, berichten Mitarbeiter.

Besuch vom Arbeitsinspektorat

Dies hat auch zu einer - anonymen - Anzeige Staudingers beim lokalen Arbeitsinspektorat geführt. Diesen Montag rückten die Inspektoren deswegen aus. "Ja, es stimmt, wir hatten gestern Besuch vom Arbeitsinspektorat“, berichtet Staudinger. Sie seien aber einigermaßen zufrieden wieder von dannen gezogen. Der Heini, wie er sich selbst nennt, versteht die ganze Aufregung nicht: "Ich war sieben Jahre in einem katholischen Internat. Dort waren die Wohnzustände wesentlich schlechter.“ Überhaupt müssten die Menschen das bescheidenere Leben wieder üben, findet er.

Auch die Klagen über mangelnde gesundheitliche Vorsorge im Betrieb kann der Unternehmer nicht nachvollziehen: "Der Betriebsarzt ist bei uns zwei Tage die Woche. Die Mitarbeiter unterliegen einer ständigen Kontrolle. Außerdem kaufe ich die teuersten Ohrenstöpsel, die es überhaupt gibt.“ Vorschriften, wonach Staudinger seinen Mitarbeitern aus hygienischen Gründen Papier- statt Frotteehandtücher und Seifenspender statt bloß Seifen zur Verfügung stellen soll, hält er für weit übertrieben.

Rasches Wachstum

Bei der lokalen Arbeiterkammer erklärt man sich das Ansteigen der Zahl der Beschwerden über GEA mit dem rasanten Wachstum des Betriebes.

Und tatsächlich sind die Waldviertler Werkstätten in nur viereinhalb Jahren von 50 auf aktuell 140 Mitarbeiter angewachsen. Vor allem Staudingers Popularität hat jüngst noch einmal zu einem Finanzierungs- und damit Wachstumsschub geführt. "Aber kaum jemand traut sich gegen Staudinger öffentlich aufzutreten, denn in der Gegend ist jeder froh darüber, dass er überhaupt einen Arbeitsplatz hat“, meint ein Arbeiterkämmerer. 14 Prozent hat die Arbeitslosenquote in der Region Schrems betragen. Die Fluktuation bei GEA fiel gemessen daran trotzdem relativ hoch aus. Von 120 bis 130 Mitarbeitern, die geholt wurden, sind noch 90 übergeblieben.

Staudinger ist überzeugt davon, dass die wachsende Kritik an seiner Person auch mit wachsender Bekanntheit zu tun hat: "Wir sind eben verstärkt im Blickfeld. Das führt wahrscheinlich zu diesen kindischen Anzeigen“, glaubt der Finanzrebell. Dies habe aber nicht nur Schattenseiten, es führe auch zu mehr Transparenz, so Staudinger. "Jeder kann kommen und sich bei uns im Betrieb umschauen“, schlägt er spontan vor.

Eine hohe Strafe wird der Waldviertler wegen Missachtung von Arbeitsrechtsvorschriften wohl nicht ausfassen. Im zuständigen Arbeitsinspektorat sieht man den Fall Staudinger nämlich recht entspannt: "Es gibt eben viele Vorschriften. Manche tun sich bei deren Beachtung leichter, manche schwerer“, sagt ein hochrangiger Beamter. Staudinger zählt wohl zu letzteren.

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