Head fährt der Skiwelt um die Ohren

Die Head-Stars fahren der Skiwelt um die Ohren, auch die Finanzen des einstigen Sorgenkindes der Skibranche präsentieren sich wie nie zuvor. Aber der Eigentümer schweigt – aus gutem Grund.

Schafft er den Hattrick auf der Streif? Oder, noch wichtiger: Gelingt es Didier Cuche dieses Wochenende sogar, den Rekord der Skilegende Franz Klammer von vier Siegen auf der gefürchteten Kitzbüheler Rennstrecke zu toppen? In den Wettbüros zählt der Schweizer Racingstar jedenfalls zu den Top-Favoriten, genauso wie der US-Amerikaner Bode Miller und der Norweger Aksel Lund Svindal. Ihnen allen ist eines gemeinsam: Sie fahren Head-Ski.

Überhaupt zählt die in Vorarlberg produzierte Skimarke zu den Gewinnern der letzten Winter. Vergangenes Jahr fuhr das Head-Team die meisten Punkte bei den Damen und in der Gesamtwertung ein; nur bei den Herren wurde man von Atomic geschlagen. Auch in der aktuellen Saison liegt Head in der Markenwertung voran.

Und Podestplätze lassen sich offenbar – trotz mancher Skepsis – immer noch in Umsätze ummünzen. 2011 legte Head bei den Wintersportumsätzen um beachtliche 12,9 Prozent zu. Und erzielte dabei vor allem auch Gewinn. „2010 war ein sehr gutes Jahr, und 2011 liegt nicht so weit davon entfernt“, berichtet Head-Wintersportchef Klaus Hotter.

Das war nicht immer so. Gewinne in dieser Branche und speziell bei Head waren noch vor ein paar Jahren eine Seltenheit. Mittlerweile scheinen die großen Skiproduzenten aber den Turnaround geschafft zu haben. „Wir produzieren nicht mehr auf Verdacht, sondern viel auftragsbezogener als früher“, erläutert Branchensprecher und Atomic-Chef Wolfgang Mayrhofer. Allianzen (Atomic und Salomon gehören zur finnischen Amer-Gruppe, Blizzard ist Teil der italienischen Tecnica), Produktionsauslagerungen in günstigere Länder und das Verschwinden kleinerer Konkurrenten (z. B. Kneissl) taten ein Übriges dazu, dass die Branche trotz stagnierender Absätze stabil dasteht.

Aktie hebt ab

Die Stärke von Head wird in der Finanzwelt honoriert: Erst kürzlich hat eine US-Bank dem Unternehmen einen langfristigen Finanzkredit mit einem Zinssatz von 2,25 Prozent gewährt; eine österreichische Großbank ermöglichte eine Refinanzierung deutlich unter 4 Prozent – in der jetzigen Zeit alles andere als selbstverständlich. Auch der Investor Rupert-Heinrich Staller hat die in Wien und Amsterdam notierende Head-Aktie für sich und Mitinvestoren entdeckt. Er legte einen „substanziellen Anteil“ davon in sein Depot. Seine Begründung: „Head hatte in den letzten Jahren einen tollen Turnaround hingelegt.“ Die Aktie notiere bei nur 40 Prozent des Buchwerts, produziere stabile Cashflows und werde 2012 dividendenfähig sein, schwärmt der ansonsten sehr kritische Investor.

Schon 2011 ging die Strategie voll auf, denn Head legte an der Wiener Börse um mehr als 60 Prozent zu.

Dabei wird gerade die Börsenwelt von Head als Stiefkind behandelt. Publiziert wird nur das Nötigste, kontinuierlich wird der Streubesitz verringert – 2011 wurden 17 Millionen Stück Aktien im Wert von mehr als neun Millionen Euro von der Börse zurückgekauft –, und Haupteigentümer Johan Eliasch (er und seine Familie besitzen mehr als 66 Prozent an Head) agiert, als gehöre Head ihm und seiner Familie ganz alleine. Erst letztes Jahr wollte sich Eliasch, der unternehmensintern als „Chief Decision Maker“ bezeichnet wird, in einer abenteuerlichen Nacht-und-Nebel-Aktion den kompletten Zugriff auf das Unternehmen sichern, indem er via Kapitalerhöhung Vorzugsaktien emittierte, die ihm ein Vorkaufsrecht eingeräumt hätten. Ein Proteststurm der Aktionäre und Untersuchungen der Aufsichtsbehörden folgten – die Kapitalerhöhung wurde schließlich abgeblasen.

Verkaufsgerüchte

Doch der Wunsch von Eliasch, andere Investoren loszuwerden, dürfte aufrecht sein. Wahrscheinlich ist es so still um das Unternehmen, weil niemand zum Kauf der Aktien animiert werden soll, vermuten Analysten. Der Hintergrund: Eliasch denkt mittelfristig wohl an den Verkauf des Unternehmens – und da soll möglichst viel vom Verkaufserlös auf sein Konto fließen. Erste Kaufinteressenten seien schon vorstellig geworden, ist in der Branche zu hören. Der Wert der Marke Head wird mit einem dreistelligen Millionenbetrag beziffert.

Mit dem Geschäftsverlauf ist das Schweigen des Unternehmens sicher nicht zu begründen. An Positivem gäbe es nämlich einiges zu berichten: So baut sich Head neben Winter-, Tennis- und Tauchsport gerade ein viertes Standbein auf – Sportswear, die höhere Margen verspricht. In den ersten neun Monaten 2011 konnte hier der Umsatz auf 3,7 Millionen Euro verdreifacht werden. Weiteres Wachstum, eventuell auch mithilfe von prominenten Designern, steht ganz oben auf der Agenda.

Ebenso das Ziel von Eliasch, seine vielen teuren Skistars zumindest bis zu den Winterspielen in Sotschi 2014 zu halten. Head-Racingchef Rainer Salzgeber hat damit gerade alle Hände voll zu tun, denn heuer ist ein sogenanntes „Wechseljahr“, in dem viele Sponsoringverträge auslaufen. Am Geld sollten die Verhandlungen aber nicht scheitern: 2010 hat Head für einschlägiges Marketing mehr als 90 Millionen Euro ausgegeben.

– Angelika Kramer

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