"Hauptbahnhof könnte zweiter Skylink werden": Grüne üben scharfe Kritik

Interne Bahnpapiere rechnen mit Mehrkosten beim Bau des Wiener Hauptbahnhofs.

Die ÖBB verbreiteten diese Woche eine frohe Kunde: Für den zentralen Teil der Bauarbeiten am neuen Wiener Hauptbahnhof sei ein neuer Bestbieter gefunden worden. Weil noch Einsprüche möglich sind, wird erst in 14 Tagen der Gewinner bekannt gegeben. „Der Zeitplan zum Bau des Hauptbahnhofs kann eingehalten werden“, betont ÖBB-Sprecherin Alexandra Kastner. Denn vorgesehen ist, dass der Verkehrsknotenpunkt Ende 2012 in Betrieb gehen soll.

Mehr Kosten, weniger Nutzen?
Bei den Grünen teilt man den Optimismus der ÖBB nicht. „Der Hauptbahnhof schickt sich an, zum zweiten Skylink zu werden. Bei mehr Kosten für weniger Kundennutzen muss Ministerin Doris Bures die Reißleine ziehen“, fordert die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriela Moser. Auch aus internen Papieren der Bahn geht hervor, dass es alles andere als sicher ist, dass sowohl Zeitplan als auch Kostenvorschau halten. „Die Optimierungsvorschläge reichen nicht aus, um die Rahmenplanmittel einzuhalten“, heißt es in einem Bericht an den Vorstand der ÖBB-Infrastruktur vor wenigen Wochen. Zudem wurde in dem Schreiben angemerkt: „Weitere Kostenoptimierungen sind nur bei Eingriffen in die Gleisanlage möglich, diese beeinträchtigen aber die Funktion und bewirken eine Terminverschiebung aufgrund der Wiederholung einzelner Planungs- und Abstimmungsschritte.“ In anderen Bahn-Unterlagen kritisiert die Projektleitung des Hauptbahnhofs die Qualität der Planung und mahnt eine bessere Abstimmung ein, damit Fehler nicht erst bei der Baudurchführung erkannt werden.


Kastner zufolge sind diese Befürchtungen allesamt mittlerweile obsolet. Denn man habe nun ja einen Bestbieter für den ursprünglich ausgemachten Lieferumfang gefunden. Daher seien auch keine der angedachten Optimierungen mehr notwendig. In Erwägung gezogen wurde etwa, Kosten zu senken, indem auf Rolltreppen, Hitzeschilder bei der Dachkonstruktion
und eine Tiefgarage unter den Gleisen verzichtet wird. Moser befürchtet, dass das leere Versprechen sind und dennoch am Kundennutzen gespart wird. Für die Grünen unverständlich ist auch, warum seit September 2009 ein dritter Projektleiter für den Hauptbahnhof zuständig ist. Heinz Geschnitzer war früher Geschäftsführer bei einer Porr-Tochter. Das Bauunternehmen soll mit Partnern auch Bestbieter für den zentralen Teil des Hauptbahnhofs sein. Und der Aufsichtsratschef der ÖBB-Holding, Horst Pöchhacker, war früher Porr-Chef. „Das ist sehr viel Porr auf allen Ebenen“, meint Moser. Der Rechnungshof prüft den Hauptbahnhof bereits, ein Rohbericht soll demnächst vorliegen.

Von Miriam Koch

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