Haselsteiner tritt noch vor 2015 zurück

Chancen auf den Strabag-Chefsessel hat auch Vize-Vorstandschef Fritz Oberlerchner (Bild). Allerdings nur interimistisch. Er ist zu alt.

Energisch, ungeduldig, schroff. Dieser Ruf haftet Hans Peter Haselsteiner seit jeher an. 1974 übernahm der Sohn einer Tiroler Schulinspektorin und eines Architekten die Firma seines Schwiegervaters und formte daraus einen der größten Baukonzerne Europas. Erst in der Vorwoche überraschte "HPH“, wie ihn seine Freunde nennen, mit einer - gemessen am schwierigen Umfeld - höchst erfreulichen Bilanz: Der Umsatz der börsennotierten Strabag Group stieg 2011 um elf Prozent auf 13,7 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern um zwölf Prozent auf 334,8 Millionen Euro. "Das ist außergewöhnlich“, zeigte sich Haselsteiner zufrieden.

Schweres Erbe. In den nächsten Jahren könnte es für die Strabag allerdings weniger gut laufen. Infrastrukturprojekte in ganz Europa sind vom Sparkurs der Regierungen stark betroffen. Haselsteiner meint, viele Unternehmen würden fürchten, dass jeder neue Auftrag zugleich ihr letzter sein könnte. "Es herrscht fast Panik“, so HPH. Vor diesem Hintergrund wird die Suche nach einem Nachfolger umso delikater - und dringlicher.

Der 68-jährige Haselsteiner könnte noch bis zur Hauptversammlung 2015 Strabag-Boss bleiben. Doch das will er nicht, wie er im FORMAT-Interview einräumt. Wer ihn beerbt, gilt als wohlgehütetes Geheimnis. Haselsteiner sagt: "In meiner Schreibtischlade liegt ein Krisenplan, für den Fall, dass mir etwas zustößt.“

Tatsächlich hat der Vater von vier Söhnen schon ziemlich konkrete Vorstellungen von seinem Nachfolger. Obwohl sich HPH als "Gegner der Erbpacht“ bezeichnet, räumt er seinem Sohn Klemens Chancen auf den Chefsessel ein. Klemens, 31, gilt als ehrgeizig und hat laut seinem Vater im Anschluss an "amerikanische Bachelor-Studien in der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG“ sein Können gezeigt.

Doch auch intern gibt es potenzielle Kandidaten, allen voran Fritz Oberlerchner, der seit Oktober 2004 Haselsteiners Vize ist. "Mein Kollege Fritz Oberlerchner könnte das absolut“, sagt Haselsteiner, allerdings dürfte eine diesbezügliche langfristige Lösung am Alter scheitern, denn Oberlerchner ist fast 64 Jahre alt.

Wer auch immer in HPHs Fußstapfen tritt: Der Tiroler bleibt dem Unternehmen beratend erhalten, wie er selbst sagt, "in Absprache mit meinem Nachfolger“. Eine wichtige Rolle soll dabei Alfred Gusenbauer spielen. Der Exkanzler ist Aufsichtsratschef der Strabag und auch Vorstand der Haselsteiner Familien-Privatstiftung. Seine Meinung ist Haselsteiner wichtig.

Mehr Zeit für sich will sich der rüstige Baulöwe, der von 1994 bis 1999 Abgeordneter des Liberalen Forums war, auch in Zukunft nicht nehmen. Bestenfalls sei eine Woche länger Ski fahren drin, sagt Haselsteiner.

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