Harte Landung: Mit AUA-Übernahme erhöht sich Konkurrenzdruck für den Flughafen Wien

Der Flughafen Wien fügt sich mangels anderer Alternativen in sein Schicksal und gibt den Widerstand gegen die Übernahme der AUA durch die deutsche Lufthansa auf. Der Kostendruck steigt trotzdem.

Die Botschaft, die Wolfgang Mayrhuber den Vertretern des Wiener Flughafens überbrachte, war klar, deutlich und keine Schönfärberei: Im Zuge der Übernahme der AUA durch die Lufthansa, so der Chef der Deutschen Airline, könne es keine Garantien geben. „Wien wird von uns nicht benachteiligt werden – und nicht bevorzugt“, sagte Mayrhuber. Und man möge doch bitte schauen, dass die Gebühren am Vienna International Airport gesenkt werden.

Keine einfache Zukunft
Bis zur Kaufvertragsunterzeichnung der Lufthansa, die am 5. Dezember stattfinden soll, wollen die Vertreter des Wiener Flughafens noch keine endgültige Einschätzung dazu abgeben, was die Übernahme für sie genau bedeutet. Dabei ist schon jetzt klar: Einfach wird es in Zukunft nicht. Das bestätigt auch ein Flughafen-Aufsichtsrat, der anonym bleiben will: „Das Konzept der Lufthansa enthält keinerlei Absicherung für den Flughafen, nichts Einklagbares.“ Einziges Auffangnetz soll eine Standort-Stiftung sein, in der neben drei Lufthansa-Leuten auch zwei ÖIAG-Gesandte sitzen, die überwachen sollen, dass der Standort Österreich keinen Schaden erleidet.

50 Millionen Euro Sparpotenzial
Mayrhuber hat bei seinen Besuchen beim Flughafen-Management deutlich gemacht, dass die Kosten für die AUA um rund 50 Millionen Euro niedriger wären, wenn die AUA in Frankfurt sitzen würde. Und dieses Geld will er sich holen: etwa zehn Millionen Euro vom Flughafen, den Rest von der Flugsicherungsgesellschaft Austro Control und von der OMV. Gegen Letztere hat auch die AUA bereits eine Klage angestrengt, weil ihr durch ein angebliches Monopol jährlich ein Schaden von rund 35 Millionen Euro entstünde. Dieses Verfahren ist noch im Laufen.

Pragmatismus am Flughafen
Beim Flughafen, wo die Lufthansa am Beginn der AUA-Verkaufsverhandlungen ein Angstpartner war, sind mittlerweile Pragmatismus und gedämpfter Optimismus angesagt. Flughafen-Vorstand Herbert Kaufmann versucht Zuversicht zu verbreiten: „Der Flughafen Wien bietet der AUA und damit auch deren Käufer die allerbesten Voraussetzungen, um die bewährte Hub-Strategie fortzusetzen.“ Ein Weitertrudeln der AUA, die noch immer mit knapp 50 Prozent der mit Abstand wichtigste Kunde des Flughafens ist, wäre noch schlimmer. Und an einen Konkurs, wie er der Swissair passiert ist, will man gar nicht denken.

Alle Drehkreuze entwickeln
Zwar hat der gebürtige Österreicher Mayrhuber angekündigt, dass er rund sechs Prozent der AUA-Flüge, hauptsächlich auf der Kurzstrecke, streichen wird. Aber dafür hat er Investitionen in die AUA in Aussicht gestellt, die heimische Fluggesellschaft solle mit einer Langstreckenflotte weiter präsent bleiben und im Ostgeschäft punkten. Allerdings will die Lufthansa alle Drehkreuze (Wien, Zürich, Frankfurt und München) „in einem fairen und ökonomisch tragfähigen Verhältnis entwickeln – entsprechend Marktpotenzial, Kundenpräferenzen, wettbewerbsfähigen Qualitäts- und Kostenstrukturen“, wie es in einem Papier des deutschen Konzerns heißt. So soll es im Kranich-Konzern, der mit der AUA auf elf Fluglinien anwächst, eine bessere Abstimmung geben, nicht alle sollen zur selben Zeit fliegen. Ein Beispiel: Wer in der Früh von Stockholm nach Sarajevo möchte, soll beispielsweise über München fliegen, wer zu Mittag fliegen will, über Wien.

Passagierrückgang erwartet
Um dem Flughafen Wien die Angst zu nehmen, verweist die Lufthansa auch gerne auf die erfolgreiche Integration der Swiss und die positive Entwicklung des Flughafens Zürich-Kloten. Dort ist die Zahl der Passagiere in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Aber mit 20 Millionen Fluggästen im Vorjahr fehlen immer noch rund 2,6 Millionen auf den alten Rekord im Jahr 2000, dem Jahr bevor die Swissair abstürzte. Während in Zürich diesen Oktober noch ein Passagier-Plus von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet wurde, ging es in Wien bereits bergab: Die Zahl der Fluggäste sank um 2,1 Prozent. Für das nächste Jahr erwarten Analysten gar einen Passagierrückgang von vier Prozent. Das ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker der Ausbaupläne in Schwechat. Sie stellen die dritte Piste infrage. Mittlerweile hat der Flughafen-Vorstand schon Bau-Verschiebungen von rund zwei Jahren in Aussicht gestellt.

Match München – Wien
Laut Branchenexperten wird München zum Hauptfeind Nummer eins für die Wiener werden. Auch die Bayern selbst glauben, vom Zusammenschluss von AUA und Lufthansa zu profitieren. Mit Jahresende will die Lufthansa die Präsenz am Münchner Flughafen ausbauen und die Zahl der stationierten Lufthansa-Piloten um rund 200 auf 1.000 erhöhen. Was München besser als Wien kann, will der Sprecher des dortigen Flughafens, Edgar Engert, zwar nicht beantworten. Aber er verweist auf eine weltweite Erhebung des Londoner Instituts Skytrax, bei der München zu Europas bestem Airport gewählt wurde. München hat dort fünf Sterne, die Wiener vier. Wien schneidet dafür beim Umsteigetempo etwas besser ab. Auch bei den Tarifen sind die Unterschiede nicht riesig. Wien verteilt allerdings an Transferpassagiere (sie machen rund ein Drittel aus) ein besonderes Zuckerl: Pro Passagier werden 8,21 Euro an die Fluglinien refundiert.

Auch SkyEurope wackelt
Um weniger vom „Riesen“ Lufthansa-AUA abhängig zu sein, versucht der Wiener Flughafen verstärkt, andere Fluglinien zu akquirieren. „Wir können jetzt endlich ungestört mit anderen Airlines verhandeln, was die AUA ja früher verhindert hat“, versucht ein Flughafen-Aufsichtsrat der neuen Situation etwas Positives abzugewinnen. So soll es aktuell etwa Verhandlungen mit der indischen Fluglinie Jet Airways geben. Ob diese Strategie in Zeiten der Konsumflaute und der Krise sehr aussichtsreich ist, wird von Experten aber bezweifelt. Zumal mit SkyEurope ein weiterer Kunde des Flughafens (aktuell sechs Prozent Anteil in Wien) gerade heftig wackelt: Bis Mitte Dezember hat die slowakische Fluglinie noch Zeit, um Kredite zurückzuzahlen. Kommt es nicht zu einem neuerlichen Zahlungsaufschub, droht der Konkurs. Auch bei Air Berlin rechnen Analysten mit einer substanziellen Reduzierung ihrer Flugfrequenz nach Wien.

Vorstand unter Druck
Für die Airport-Vorstände ist es auch persönlich entscheidend, dass sie unter dem künftigen AUA-Eigentümer Lufthansa nicht zu viel Geschäft verlieren. Denn gänzlich unumstritten sind sie nicht. In Aufsichtsratskreisen wird die zögerliche Beteiligungsstrategie des Wiener Flughafens kritisiert – zurzeit wird nur beim Airport St. Petersburg mitgeboten. „Internationale Transaktionen sind für den Vorstand ein Fremdwort“, so eine Stimme aus dem Kontrollgremium.

Von Miriam Koch und Angelika Kramer

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