Harald Neumann, Glücksritter und designierter Novomatic-Chef

Harald Neumann steigt gerne in den Boxring und mit der Familie auf den Golfplatz. Ab Herbst führt der IT- und Security-Experte den Glücksspielriesen Novomatic. Der neue Novomatic-Chef im Portrait.

Harald Neumann, Glücksritter und designierter Novomatic-Chef

Einmal in der Woche verteilt er Faustschläge in Wien-Ottakring. Im Boxzentrum "Bounce" tänzelt Harald Neumann zwischen Sandsäcken herum, übt Jabs, Hooks und Uppercuts. In den Ring steigt er selten. "Managerboxen" nennt er sein Hobby, das ihn seit zwei Jahren fit hält. So sammle er nicht nur Kraft und Energie, sondern trainiere Ehrgeiz, Mut und Disziplin. "Wenn sich's ausgeht, möchte ich mit dem Boxen weitermachen", sagt Neumann. "Zeitlich wird es aber eng werden."

Fürs Boxen, Golfen und Jagen wird dem 52-jährigen Wiener künftig nicht viel Freiraum bleiben. In der Vorwoche wurde er als neuer Vorstandschef der Novomatic Group designiert. Der polyglotte Betriebswirt Neumann wird den seit zehn Jahren amtierenden Juristen Franz Wohlfahrt ersetzen. Wohlfahrt nahm den jüngsten Zuschlag der Casinolizenzen in Wien und Niederösterreich zum Anlass, sich zurückzuziehen.

Staunende Novos

Mit der Personalie überraschte Novomatic-Alleineigentümer Johann Graf - ehrfürchtig "Professor" genannt - nicht nur die Öffentlichkeit, sondern weltweit mehr als 20.000 "Novos", wie sich die Mitarbeiter des Gumpoldskirchner Glücksspielkonzerns selbst nennen. Auch für den neuen Ober-Novo Neumann kam das Angebot des reichen Professors, dessen Vermögen der "trend" auf rund fünf Milliarden Euro taxiert, wie aus heiterem Himmel. "Anfang Juli hat mich Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Lugmayr gefragt", sagt Neumann. Haben Sie gezögert?"Da gab's nicht viel zu überlegen. Ich habe sofort ja gesagt."

Der Topjob ist der vorläufige Höhepunkt einer steilen Managerkarriere. Der Berufsweg des Glücksritters ist gepflastert mit schillernden Namen: Die Industriellenfamilie Schrack und der Kursalon Hübner kommen ebenso vor wie Karl-Heinz Grasser, Ernst Strasser, Rudolf Fischer oder die Lobbyisten Peter Hochegger und Alfons Mensdorff-Pouilly.

Seit 2011 bei Novomatic

Für Novomatic arbeitet Neumann seit August 2011. "Rudolf Binder hat einen Termin mit dem Professor vermittelt", erinnert er sich zurück. Binder ist ein langjähriger Weggefährte und Konfident von Johann Graf. So wurde Neumann Geschäftsführer der Novomatic-Tochter AGI. Auch drei Jahre später dürfte "der Rudi" interveniert haben, wird spekuliert. "Er ist sicher einer meiner engsten Freunde", sagt Neumann.

Ihm erzählte er Anfang 2011 auch, wie arg es in seinem damaligen Job zuging. Seit Februar 2006 saß er im Vorstand des Sicherheitsunternehmens G4S (früher: Group 4). Er agierte selbständig und geschäftstüchtig. Doch sein neuer Aufsichtsratschef, der Ungar Robert Juhos, sah in ihm einen Konkurrenten und bremste, wo es nur ging. Juhos wollte, dass die Österreicher nach seiner Pfeife tanzten. Vorstand Neumann pochte auf seine Weisungsfreiheit nach dem Aktiengesetz und wehrte die Einflussnahme ab. Was Juhos als Kampfansage auffasste. Ring frei! Der Ungar suchte nach Gründen, um den Ösi zu Fall zu bringen - und wurde fündig: Neumanns Kontakte zu Strasser und Hochegger. Es war ein technisches K. o. Neumann musste gehen -ohne neuen Job in der Tasche.

"Strasser habe ich von meinem Vorgänger geerbt", verteidigt sich Neumann heute. Der Vorwurf war unfair. Bei Hochegger war das anders "Ihn kannte ich aus meiner Zeit im Bundesrechenzentrum. Peter Hochegger und Paul Prihoda waren unsere PR-Berater." Prihoda unterstützte Neumann später auch bei G4S und hofft nun auf fette Novomatic-Aufträge.

"Den Jagdstammtisch besuche ich seit zwei Jahren nicht. Ich bin stattdessen im Rotary Club Klosterneuburg."

Die Geschäftsführung des BRZ übernahm Neumann 2003. Er saß auf einem ÖVP-Ticket. Der blau-schwarze Finanzminister KHG setzte ihn ein. Parallel dazu wurde Hochegger, der damals schon für die Telekom lobbyierte, als BRZ-Berater installiert. Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer erinnert sich: "Die Telekom wollte das BRZ kaufen." Grasser und sein Intimus Walter Meischberger waren für den Verkauf (sagte Hochegger gegenüber der Justiz aus). Weil Wolfgang Schüssel nicht eingebunden war, kippte der Deal. Neumann: "Das Bundeskanzleramt war dagegen." Hoheitsrechtliche Aufgaben dürfen nicht ausgelagert werden, lautete die offi zielle Begründung.

Die ÖVP fühlte sich von Neumann hintergangen und schützte ihn nicht mehr vor Angriffen der Opposition. In einer parlamentarischen Anfrage 2005 warf ihm SP-Nationalrat Günther Kräuter Nepotismus vor, weil er BRZ-Aufträge an Freund Prihoda vergeben und teure Events im Kursalon Hübner organisiert haben soll. Das war brisant, weil seine Ehefrau, Ingeborg Hübner-Neumann, den Kursalon besitzt und die Cousine von FP-Nationalrat Johannes Hübner ist. Neumann zog die Notbremse: Er löste seinen BRZ-Vertrag vorzeitig und wechselte 2006 zu G4S.

Der Familienmensch

"Die Familie ist dem Harald heilig", sagt Raiffeisen-NÖ-Wien-Bankvorstand Reinhard Karl, ein Freund. Neumann hat vier Kinder und ist seit einem Jahr Großvater. "Ingeborg habe ich vor 15 Jahren im Café Blaustern kennengelernt", sagt Neumann. Mit Lucas, 14, und Alexandra, 9, ist er oft im Golfclub Schönborn zum "Familiengolfen". Jungmutter Christina, 28, und Alexander, 25, stammen aus der ersten Ehe mit Tanja Schrack. Gleich nach dem Studium war Neumann zwei Jahre Juniorberater bei PWC. Und nach der Beziehung mit Tanja wechselte er vom Schrack-Konzern zu Alcatel. "Das Beraterleben war ihm zu langweilig", meint Ex-PWC-Partner Friedrich Rödler, der ihn als Vorstand der AmCham Austria kennt. "Er liebt das Abenteuer und will selbst anpacken." Bei Novomatic wird der Oberleutnant der Reserve Gelegenheit dazu haben. Die Austro-Lizenzen müssen verteidigt, die Konzernstrategie adaptiert werden. Die "Novos" dürfen sich auf einiges gefasst machen. "Er hat extrem hohe Erwartungen an sein Team", sagt Matthias Wechner, Neumanns Nachfolger bei G4S. "Wer die nicht einhält, fliegt raus." Wechner erinnert sich an ein G4S-Seminar in Leogang. "Neumann wollte, dass jeder im Hochseilklettergarten mitmacht. Einer hatte Höhenangst und traute sich nicht." Die Furcht, dass ihn Neumann deshalb rausschmeißen könnte, hielt Monate nach dem Seminar an.

Offenbar kann Hobbyboxer Neumann nicht nur einstecken, sondern auch ordentlich austeilen.

IN DER LOBBYING-FALLE

Hochegger & Strasser

Die Karriererakete Neumann wurde von Finanzminister Karl-Heinz Grasser so richtig gezündet. KHG bestellte ihn 2003 zum Chef des Bundesrechenzentrums. Damals lernte er Peter Hochegger kennen, der ihn mit Telekom-Vorstand Rudolf Fischer zusammenbrachte. Nachdem der hinterm Rücken der ÖVP-Spitze verhandelte BRZ-Verkauf an die Telekom scheiterte, wechselte Neumann als Chef zur Sicherheitsfirma G4S, wo Ex-Innenminister Ernst Strasser im Aufsichtrat saß. Den teuren Berater Hochegger nahm er mit, was FORMAT im April 2011 berichtete - und das Interesse der Justiz weckte. Neumann trat im Mai als G4S-Boss zurück und wechselte im August zu Novomatic. Seither zieht er klare Grenzen. Jagdeinladungen von Alfons Mensdorff-Pouilly nach Schottland? Neumann: "Dort war ich ein einziges Mal und nie wieder." Besuche beim "Jagdstammtisch" am Wiener Michaelerplatz?"Den besuche ich seit zwei Jahren nicht. Ich bin stattdessen im Rotary Club Klosterneuburg."

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