Hans Dieter Pötsch – VW-Chefanwärter aus Österreich

Der Linzer Hans Dieter Pötsch, VW-Finanzvorstand, wird jetzt sogar als Cheflenker der Wolfsburger gehandelt.

Hans Dieter Pötsch – VW-Chefanwärter aus Österreich

Am Vorabend der heurigen 65. Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt (12. bis 22 September), dem Pulsmesser der europäischen Autoindustrie, schmiss VW eine Riesenparty. Konzernchef Martin Winterkorn präsentierte die jüngsten Elektrofahrzeug-Modelle Porsche Panamera Plug-In-Hybrid, Audi A3 etron und VW E-Up! (demnächst für 26.900 Euro im Handel). Porsche-Boss Matthias Müller preschte im 880 PS starken 918 Spider auf die Bühne. Und auch die neue Audi-Quattro-Studie sorgte für viel "Wow".

Doch als all das Showgetöse abklang und sich die Autoleute zum Branchentratsch zurückzogen, wurden diesmal technische Fachsimpeleien zugunsten der beiden Volkswagen-Fragen Nummer eins und zwei hintangestellt. Und die lauten derzeit: Geht der eine wirklich? Kommt der andere tatsächlich?

Wenige Tage zuvor orakelte das "Handelsblatt“, dass VW vor einer "großen Führungsrochade" stehe. Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, 76, könnte wegen seines "zuletzt schwankenden Gesundheitszustandes bereits in den nächsten Monaten sein Amt abgeben". In diese Position solle ihm Martin Winterkorn folgen, wodurch der Posten des Vorstandsvorsitzenden von Europas größtem Autohersteller frei würde. Und für diesen machtvollen Job sei der Österreicher und VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, 62, vorgesehen.

Dieses Gerücht wurde vom Konzern zwar flugs "mit Nachdruck“ dementiert: "Prof. Ferdinand Piech ist bei bester Gesundheit und bleibt noch lange Aufsichtsratsvorsitztender der Volkswagen AG.“ Auch die VW-Legende selbst zog per "Spiegel online“ sofort die Notbremse: "Totgesagte leben länger.“

Schlanke Biografie

Aber seither reißen die Spekulationen über den großgewachsenen, in Traun bei Linz geborenen VW-Finanzchef, der Stellungnahmen dazu "im Moment“ verweigert, nicht ab. Umso mehr, als Pötsch öffentliche Auftritte scheut und "nur ja nicht in der Zeitung stehen möchte“, wie sein längjähriger Freund, Miba-Seniorchef Peter Mitterbauer, anmerkt. Auch Volksschulkollege und OÖ-Landeshauptmann Josef Pühringer beschreibt ihn als "normalen, bescheidenen Typ, die Seriosität in Person“. Und in den deutschen Medien geht Pötsch, der mit einem Jahressalär von sechs Millionen Euro das dortige Finanzchef-Ranking anführt, stets als "geradliniger Zahlendreher“, maximal als "Strippenzieher von Wolfsburg“ durch.

Dementsprechend schlank ist seine offizielle Biografie: HTL-Matura 1972 in Linz, Wirtschaftsingenieurstudium an der TU-Darmstadt, dann von 1979 bis 1987 eine steile Karriere zum Leiter des Konzerncontrollings bei BMW. Dort wurde der damalige Produktionschef Bernd Pischetsrieder auf ihn aufmerksam. Als dieser dann 2002 zum VW-Chef avancierte, berief er Pötsch ein Jahr später in seinen Vorstand.

Dazwischen legte der mit einer Steirerin verheiratete, zweifache Vater, einige Gesellenstücke in der deutschen Mittelstands-industrie hin. Pötsch, der seit über 40 Jahren voller Stolz dieselbe stählerne Omega-Armbanduhr, ein Geschenk seiner Eltern, trägt, war zwischen 1987 und 1991 Geschäftsführer Finanzen und Verwaltung beim Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf in Württemberg. Danach leitete er für vier Jahre den Vorstand der benachbarten Traub AG, wo er den Fräsmaschinenbereich aufbaute. Und von 1995 bis 2003 gelang ihm als Boss des Stattgarter Autozulieferers Dürr, den Firmenumsatz durch drei spektakuläre Akquisitionen auf damals rund 2,2 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln.

Äußerstes Wagnis: Null

An den ganz großen Rädern dreht der Musik-und Kunstliebhaber Pötsch aber erst von seinem penibelst geordneten Büro im 13. Stock des VW-Hochhauses am Mittellandkanal in Wolfsburg aus. Wobei er sich den VW-internen Ruf als "unschätzbarer Finanzchef“ vor allem durch einen primären Wesenszug erarbeitete - seine ausgeprägte Risikoscheu. "Das äußerste Wagnis“, das er einzugehen bereits sei, "liegt bei null“, lautet einer seiner gerne kolportierten Stehsätze. "Robust“ gilt als sein Lieblingswort.

Kritiker meinen, dass genau diese Eigenschaft Pötsch zum idealen zweiten Mann mache, indes nicht zum Konzernführer, der schon mal größere Risiken eingehen müsse. Möglicherweise gilt er deswegen laut Handelsblatt-Spekulationen bloß als Übergangskandidat für einen "begrenzten Zeitraum bis zu einem Generationenwechsel“. Seine Fürsprecher sehen hingegen in dieser nüchternen Umsicht den eigentlichen Grund dafür, "dass Pötsch alle Stürme bei VW überlebt hat“, wie etwa Mitterbauer meint. Vor allem aber konnte er nur so derartige Management-Meisterstücke wie etwa die Übernahme der Nutzfahrzeuge-Hersteller MAN und Scania, noch mehr die fast 16 Milliarden Euro schwere Intergration von Porsche in das nun zwölf Marken umfassende Volkswagen-Universum auf die Straße bringen konnte.

Egal, ob nun die Piech-Planspiele Realität werden oder nicht - seine geliebten Mohnstrizzerl, die es im Original nur in Linz gibt, wird Hans Dieter Pötsch auch weiterhin nur bei seinen immer seltener werdenden Heimatbesuchen genießen können. Denn allein die 50 Milliarden Euro, die VW in den nächsten zwei Jahren investiert, werden so oder so seine ganze Aufmerksamkeit erfordern.

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