Haiders Kroatien-Connection

Der kroatische Geheimdienst SOA sagt, dass über die Kärntner Hypo viel Geld außer Landes floss. Die Justiz ermittelt, ob davon auch Haider profitierte.

Eigentlich wollte der Zagreber Geschäftsmann seine 51 Prozent an der einst staatlichen DIOKI AG gar nicht verkaufen. Aber der Bote des potenziellen Käufers ließ keinen Zweifel daran, „dass die andere Seite, sofern er nicht das Angebot annehme, dazu bereit sei, Autos in die Luft zu sprengen, Ohren abzuschneiden … und Kinder zu gefährden“. Nach vier weiteren Treffen war man sich handelseins, und die Mehrheit des größten Chemiekonzerns Kroatiens, der damals einen Wert von 520 Millionen Dollar repräsentierte, wanderte um 20 Millionen Euro in den Besitz der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank (HAAB), die als Strohmann für den kriminellen Käufer agierte.

Der kroatische Inlandsgeheimdienst SOA listet auf 78 Seiten penibel die Verwicklungen der Klagenfurter Skandalbank in eigenwillige Geschäftspraktiken auf. Die Causa DIOKI ist kein Einzelfall. Der brisante Bericht spricht von systematischen „Pseudo-Investitionen“ der Hypo und ihrer kroatischen Gesellschaften, die hauptsächlich Kriegsprofiteuren zugutekamen.

Tudjman-Haider-Achse

Ausgeheckt habe das System der seinerzeitige kroatische Staatspräsident Franjo Tudjman sowie sein engster Berater Ivic´ Pašalic´. Sie sollen den kroatischen Teil der HAAB „von Anfang an als Dienstleistungsbetrieb der politischen, medialen und wirtschaftlichen Oligarchie“ konzipiert haben: „Sie alle bekamen von der HAAB Kredite und halfen im Gegenzug bei der Realisierung von Projekten, die der eigenen Geldwäsche dienten.“ Laut SOA hat Jörg Haider schon Mitte der 90er-Jahre Gespräche darüber geführt, wie man sich gegenseitig helfen könne. Um die Zusammenarbeit zu festigen, „vereinbarte man eine Kooperation zwischen Istrien und dem Bundesland Kärnten und den Eintritt der HAAB in Istrien“.

Geld verschoben

Insgesamt soll auf diese Weise ein „unterschlagenes Staatsvermögen“ in Höhe von rund einer Milliarde Dollar in dunkle Kanäle geflossen sein, vermuten die SOA-Ermittler, unter anderen auch auf 80 Auslandskonten in Italien, Liechtenstein und der Schweiz. Die Liste mit rund 50 Briefkastenfirmen in Liechtenstein, die FORMAT vorliegt, steht in diesem Zusammenhang. Die Justiz verfolgt Indizien, dass auch Organe der Hypo Alpe Adria – damals noch Landesbank – und die Haider-Truppe von dem Geld profitiert haben könnten. Explizit behauptet das SOA-Papier jedenfalls, bei Verschiebung des Geldes hätten Abmachungen mit den früheren Hypo-Vorständen Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger geholfen. Letzterer war ein enger Vertrauter von Haider.

Skeptisch beurteilt die kroatische Seite allerdings die Ermittlungen in Österreich. Sie geht davon aus, dass man „Daten, die für Politiker kompromittierend sind, schützen wird“.

Auch Kärntner Verwicklungen in den Waffenhandel?

Dennoch dürfte spätestens jetzt der bereits am 8. November 2007 fertig gestellte Geheimdienstbericht auch in Österreich für politischen Sprengstoff sorgen: Denn mehrere Passagen beschäftigen sich ausführlich mit dem verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, der von Anfang an in die Pläne von Tudjman und Pašalic´ eingeweiht gewesen sein soll. Konkret geht es dabei auch um „Transaktionen aus arabischen Ländern zur HAAB, die über kroatische Verbindungen, aber auch über Jörg Haider persönlich abgewickelt wurden“.

Die Geheimdienstleute berufen sich dabei auf Informationen des Austro-Kanadiers Walter Wolf, früher Besitzer eines Formel-1-Rennstalles, der in Kroatien hohes Ansehen genießt, da er während des Bürgerkrieges dem Land – unter anderen auch zusammen mit Ex-General Vladimir Zagorec – bei der Umgehung des UN-Waffenembargos behilflich war. Laut SOA informierte Wolf auch „die CIA bereits zu Beginn über die Verwicklungen der HAAB in den Waffenhandel, insbesondere als dieser Ausmaße erreichte, welche die kroatischen Bedürfnisse überstiegen, und sich der internationalen Kontrolle entzog“.

Der frühere kroatische Verteidigungsminister Zagorec, der enge Geschäftsverbindungen zur Kärntner Landesbank pflog, wurde Anfang 2009 in Zagreb wegen Veruntreuung zu sieben Jahren Haft verurteilt.

– RS

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