Gusenbauers heikle Mission: Er berät Kasachstans umstrittenen Präsidenten

Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew heuert prominente Expolitiker als Berater an. Mit an Bord: Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer.

Er unterrichtet Studenten in den USA, sitzt in Stiftungen und Aufsichtsräten, berät Industrielle und Medienhäuser und lobbyiert für die Glücksspielindustrie: Alfred Gusenbauer, von Jänner 2007 bis Dezember 2008 österreichischer Bundeskanzler, ist inter­national ein gefragter Mann. „Gusi“, wie der rote ­Expolitiker gemeinhin genannt wird, klettert die Karriereleiter nun noch ein Stückchen weiter empor – und wird Einflüsterer des mächtigen kasachischen Präsidenten Nursultan Äbischuly Nasarbajew.
Prominente Runde. 

Wie FORMAT aus hochrangigen Brüsseler Kreisen erfuhr, ist Gusenbauer Teil ­eines neuen Beraterstabs rund um den 70-jährigen Nasarbajew, zu dem auch Deutschlands ehemaliger Bundeskanzler Gerhard Schröder, Italiens früherer Ministerpräsident Romano Prodi und Polens Expräsident Aleksander Kwasniewski zählen. „Ja, ich stehe der kasachischen Regierung und somit dem Präsidenten als Berater zur Verfügung“, bestätigt Gusenbauer. Über seine neuen Kollegen will er aber lieber nicht reden, nur so viel: „Präsident Nasarbajew holt sich sicher nicht irgendwelche Leute in sein Team.“

Der Barater

Wie Gusi sagt, laute seine Mission, „Kasachstan bei Fragen zur internationalen Politik“ zu beraten. Im Klartext: Drei- bis viermal im Jahr reist der 50-Jährige künftig in die Hauptstadt Astana, um dem Präsidenten und anderen Regierungsmitgliedern etwas über „internationale Zusammenarbeit“ zu erzählen. „Kasachstan hat unter Staatschef Nasarbajew einen bemerkenswerten Wandel vollzogen. Der Präsident reist viel ins Ausland, auch in die USA. Ich gebe meine Einschätzung zu politischen Lagen ab oder auch zu energiepolitischen Themen.“

Aus Brüssel heißt es indessen, das sei nur ein Teil der neuen Mission des kürzestdienenden Kanzlers der Zweiten Republik: So sollen Gusis weit verzweigte Kontakte Nasarbajew ebenso dienlich sein wie jene Schröders, Prodis und Kwasniewskis. Denn Kasachstan hat ein massives Imageproblem: Nasarbajew, seit zwanzig Jahren an der Macht, wird Korruption nachgesagt, unter anderem soll er Schmiergelder von Ölfirmen erhalten haben. Für Unmut im eigenen Land sorgt auch seine Verschwendungssucht. „Es gibt keinen Staatschef im ehemaligen Sowjetreich, der sich zu Lebzeiten ein Denkmal wie dieses Astana geschaffen hat“, schreibt der „Spiegel“ im Oktober 2010. Und meint damit die zehn Milliarden Dollar, die Nasarbajew in die Hauptstadt steckte, um einen weißen Präsidentenpalast, gläserne Wolkenkratzer, ein Diplomatenviertel, eine Moschee für 5.000 Gläubige, Shopping Malls und Apartmenthäuser zu errichten. Gusi & Co sollen nun für den Sonnenkönig lobbyieren und der Welt glaubhaft machen, er sei offen und bereit für den Westen und ein verlässlicher Geschäftspartner.

Schauplatz Österreich

Das zu glauben fällt nicht zuletzt hierzulande schwer. Die Auseinander-setzungen zwischen Nasarbajew und seinem bei ihm in Ungnade gefallenen Exschwiegersohn Rakhat Alijew sorgen für anhaltende Schlagzeilen. Alijew, 48, war in Kasachstan Vizeaußenminister, stellvertretender Geheimdienst-Chef und schließlich Botschafter in Wien. Zwischen Nasarbajew und Alijew kam es zum Bruch, als Alijew im Mai 2007 bekanntgab, bei der Präsidentenwahl 2012 gegen Nursultan Nasarbajew antreten zu wollen. Seither herrscht Krieg.

Geldwäsche in Österreich?

Kasachstan wirft Alijew Entführung und Erpressung vor und fordert seine Auslieferung. Der Exdiplo­mat soll sich, so glaubt Nasarbajew, noch in Österreich aufhalten. Wo genau, weiß niemand. Vielleicht ist er auch nach Griechenland geflohen, wie er es vorgehabt haben soll. Wird Alijew je auf österreichischem Boden gefasst, hat er sich hier wegen Geld­wäsche zu verantworten. „Er hat über die Wiener ­Filiale der Privatinvest und andere Institute 100 Millionen Euro verschoben“, behauptet der Wiener Rechtsanwalt Gabriel Lansky. Wird Alijew in Österreich der Prozess gemacht, so drohen ihm vierzig Jahre Haft – oder die Auslieferung in seine Heimat, wo er eigenen Worten nach die Rache seines einstigen Schwiegerpapas fürchtet. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.
Für Gusi stellt „die Sache gegenseitiger Schuldzuweisungen“ jedenfalls kein Problem dar. „Kasachstan ist auf dem richtigen Weg“, sagt der Exkanzler und fügt mit gewohntem Humor hinzu: „Die AUA bietet Direktflüge nach Astana an, und Präsident Heinz Fischer war ja gerade dort. So gefährlich kann es also nicht sein.“

– Silvia Jelincic

Im Bild: Nursultan Nasarbajew, "Führer der Nation"

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