Gusenbauer erwirtschaftete 2010 einen Gewinn von mehr als 2,5 Mill. Euro

Er spricht über die Krise in der EU. Über Verteilungsgerechtigkeit. Über die Notwendigkeit von Elite-Universitäten in Europa. Doch bei einem Thema gibt sich der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der vor drei Jahren in die Privatwirtschaft gewechselt ist, sehr zugeknöpft.

„Mein Einkommen ist meine Privatangelegenheit“, erklärt er immer wieder. Danach zu fragen sei indiskret.

Doch aus der Bilanz der Gusenbauer Projektentwicklung & Beteiligung GmbH, deren alleiniger Eigentümer der einstige SP-Chef ist, lässt sich die Liga ablesen, in der der 51-Jährige heute, drei Jahre nach seinem Kanzlerrücktritt, spielt. Für 2010 weist das Ein-Personen-Unternehmen einen Gewinn von exakt 2.522.939,61 Euro aus. Davon wurden 845.929,74 Euro aus dem Jahr 2009 vorgetragen, neu erwirtschaftete Gusenbauer beachtliche 1.642.009,87 Euro. Die Zahlen wurden vor kurzem im Firmenbuch hinterlegt.

Berater und Professor

Für das Geld gibt der selbstbewusste Niederösterreicher, der nach dem Ausscheiden aus der Politik kurz bei der Arbeiterkammer andockte, Ratschläge etwa an das IT-Unternehmen S&T, den Glücksspielkonzern Novomatic, die Hypo Alpe Adria oder die WAZ-Ostholding. Er ist Chairman von Equitas European Funds, ist im Board of Directors des kanadischen Bergbaukonzerns Gabriel Resources und Mitglied des European Advisory Board der Citigroup. Zudem sitzt er im Aufsichtsrat von René Benkos Signa-Gesellschaften und leitet den Aufsichtsrat des Bauriesen Strabag. Für Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner hat er auch den Vorsitz in Haselsteiner-Privatstiftungen übernommen.

Ein relativ neues Standbein ist die Investmentgesellschaft Cudos Advisors, an der Gusenbauer 25 Prozent hält. Eine Heuschrecke sei er aber damit nicht geworden, stellt Gusenbauer klar. Das Geschäftsverhältnis mit dem durch Tipps an die Immofinanz in die Bredouille geratenen PR-Profi Peter Hochegger hat der Kurzzeitkanzler vor einem halben Jahr beendet.

Auch die Uni-Karriere schreitet voran: Er unterrichtete an der Brown University in Boston und bekommt im kommenden Jahr einen fixen Lehrstuhl an der Elite-Uni Harvard in Boston.

Gusenbauer, der sich für eine Reichensteuer ausspricht, rechnet offenbar selbst mit hohen Forderungen des Finanzamts: Für 2010 hat er 544.468 Euro an Steuerrückstellungen in der Bilanz.

„Die Entscheidung, die österreichische Innenpolitik zu verlassen, habe ich nicht bereut“, sagte er vor einem Jahr im FORMAT-Interview . Mit seinem Einkommen gehört Gusenbauer zu den erfolgreichsten österreichischen Expolitikern. Nur wenige frühere Regierungsmitglieder haben es hierzulande so gut verstanden, ihre Erfahrungen und ihre Visitenkarten zu vergolden.

Auch im internationalen Vergleich kann sich das Ergebnis sehen lassen. Joschka Fischer, Deutschlands ehemaliger grüner Außenminister, berät mittlerweile Siemens, RWE, BMW und Rewe und lobbyiert für die Gaspipeline Nabucco. Der Gewinn seines Unternehmens wird von der deutschen „WirtschaftsWoche“ auf rund zwei Millionen Euro geschätzt. Joschka Fischers einstiger Regierungspartner Gerhard Schröder soll als Redner und Berater auf ein Einkommen von 1,5 Millionen Euro kommen.

Blair hängt Gusi ab

Mehr verdient da der britische Expremierminister Tony Blair. Der 58-Jährige soll mit der Beratung des autoritären kasachischen Staatschefs Nursultan Nasarbajew 8 Millionen Pfund (9,2 Mio. Euro) im Jahr erhalten. Gusenbauer berät die kasachische Regierung schon seit Anfang 2010. Doch wie viel er dafür erhält, darüber gibt er sich sehr zugeknöpft.

– Miriam Koch

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