Gürtler-Schwiegersohn und Ex-bwin-
General M. Winkler wird Bristol-Chef

Von einem Leben mit der Schwiegermama träumen wohl wenige Männer. Im Fall des ehemaligen bwin-Managers Matthias Winkler verhält es sich allerdings anders. Er kommt, wie er sagt, mit der Mutter seiner Ehefrau Alexandra gut aus. Offenbar so gut, dass ihn diese nun stärker in die Familiengeschäfte einbindet.

Seit Anfang Oktober sind Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler, 61, und ihr Schwiegersohn Matthias Winkler Geschäftsführer des Wiener Luxushotels Bristol, das Gürtler kürzlich erworben hat. „Wir freuen uns beide“, meint Winkler, der als selbständiger Berater weiterhin für bwin tätig sein wird.

Wie exklusiv berichtet (FORMAT 17/11) hat Gürtler, zugleich Chefin der Spanischen Hofreitschule, für die prunkvolle Immobilie am Kärntner Ring kolportierte 90 Millionen Euro bezahlt. Gemeinsam mit ihrem 42-jährigen Schwiegersohn will sie dem traditionsreichen Nobelhotel bald zu mehr Glanz verhelfen. Neues Mobiliar und neue Luxussuiten soll es schon im nächsten Jahr geben. Hinzu kommen ein stärkerer Werbeauftritt und sogar ein neuer Hoteldirektor.

Hürdenreich

Dabei drohten die ehrgeizigen Pläne des Sacher-Clans zu scheitern. Denn der Kauf des 1892 erbauten Hotels, das sich zuletzt im Besitz der Bank-Austria-nahen B&C-Holding befand, ist an einen strengen Betreibervertrag gekoppelt. Demnach darf die US-Hotelkette Starwood das Bristol noch 25 Jahre managen – für Gürtler, die das Hotel mit ihrer Familie in Eigenregie bewirtschaften wollte, ein Dorn im Auge. Eine Lösung war sogar für die in Politik und Wirtschaft gut vernetzte Unternehmerin nicht einfach zu finden.

Nun ist es Elisabeth Gürtler aber gelungen, den Einzug in die Bristol-Chefetage zu „erkaufen“, wie es aus ihrem Umfeld heißt. So akzeptieren die Amerikaner die starke Präsenz und Mitsprache vor allem, weil es im Gegenzug dafür Geld fürs Hotel gibt. Mehr als zehn Millionen Euro wollen Gürtler und Winkler in die Luxusherberge investieren.

Starwood bangt schon länger um den guten Ruf des Hotels. Laut einem Gutachten der Imperial Hotels Austria AG besteht im Bristol dringender Handlungsbedarf. Der Befund: Die Luxusresidenz sei teils veraltet und müsse renoviert werden, außerdem fehle ein Wellnessbereich, die Zimmer seien zu klein, und auch Suiten gebe es zu wenige.

„Das Verhältnis zu Starwood ist gut, und das Hotel ist eine Perle“, schwächt Winkler ab. „Und mit Gerald Krischek, der früher das Hotel Goldener Hirsch in Salzburg geleitet hat, haben wir einen ausgezeichneten neuen Direktor.“ Doch auch der frischgebackene Hotelmanager Matthias Winkler weiß, dass Geld fürs Bristol dringend benötigt wird: 2010 lag die Auslastung der 140 Zimmer – davon 13 Suiten – bei nur 70,5 Prozent. Damit setzte das Bristol 12,4 Millionen Euro um: im Schnitt nicht gerade berauschende 136 Euro pro Nacht und Zimmer. Das Betriebsergebnis lag bei nur 373.000 Euro, es blieb also fast nichts.

Winkler und Gürtler wollen vieles verändern. Ab Mitte 2012 ist das Bristol, in dem schon der Wiener Autor Felix Salten jenen Vertrag ausverhandelte, der sein Buch „Bambi“ zum Weltbestseller machte, eine Baustelle. Neue Zimmer und Suiten sind vorgesehen. Für den geplanten Umbau werden die Konferenzsäle der insgesamt 11.479 Quadratmeter großen Immobilie verkleinert oder aufgelassen. „Das Bristol wird ein Glanzstück für Wien“, betont Gürtler und denkt auch schon daran, die Zimmerpreise anzuheben und das Mobiliar zu erneuern.

Die Herberge dürfte während des Umbaus geöffnet bleiben. Beim Sacher in Wien war das nicht anders – obwohl sich die Gäste ständig über den vielen Lärm beschwert hatten. Erst im Sommer investierte Gürtler zwölf Millionen Euro in die Sanierung der 152 Sacher-Räume.

Härtetest

Auf Winkler kommt der Großteil der Arbeit zu. Zwar werden wichtige Entscheidungen gemeinsam getroffen, allerdings wird Gürtler für das Bristol nicht viel Zeit bleiben. Die studierte Handelswissenschaftlerin, die auch im Aufsichtsrat der Erste Bank sitzt, betreibt neben den beiden Sacher-Hotels in Wien und Salzburg ein Hotel in Seefeld, je ein Café Sacher in Graz und Innsbruck. Ein weiteres wird am Flughafen Wien über einen Franchise-Partner geführt. Um das Bristol soll sich vor allem ihr Schwiegersohn kümmern, Gürtlers Tochter Alexandra wird ihren Mann beraten.

„Im Bristol sollen die Gäste spüren, dass es sich um einen Familienbetrieb handelt“, sagt Winkler – trotz des Vertrags mit Starwood. Harte Arbeit hat er schon als McDonald’s-Mitarbeiter nicht gescheut. „Ich habe dort die ganze Ausbildung absolviert, bin an der Kasse gestanden, bis ich schließlich eine leitende Position im Marketing hatte.“ So musste der gebürtige Gmundner für den US-Fastfood-Riesen nach den Ursachen für die schlecht gehenden Filialen suchen – und Gegenmaßnahmen ergreifen. Im Bristol wird ihm diese Marketingerfahrung helfen. „Wir werden die Bewerbung verstärken“, sagt der zweifache Familienvater. Das Bristol soll gemeinsam mit dem Sacher vermarktet werden. Außerdem wird sich Winkler um die Bewirtschaftung der ganzen Immobilie kümmern. Derzeit sind im Bristol-Gebäude unter anderem Filialen von Anker, Palmers und Orange untergebracht.

An seine Zeit als Kabinettschef des in vielen Troubles steckenden einstigen Finanzministers Karl-Heinz Grasser wird Winkler ungern erinnert. Da ist ihm das Gespräch über den Familienbetrieb mit Schwiegermutter und Ehefrau lieber.

– Silvia Jelincic

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