Günstige Konditionen gefordert: Bawag will eine Milliarde Euro aus dem Bankenpaket

Die Bawag braucht eine Milliarde Staatshilfe. Weil sie kein Ostgeschäft hat, will sie im Vergleich zur Konkurrenz weniger Zinsen zahlen.

Stephan Koren kennt den Weg. Vor zwei Jahren musste er das letzte
Mal ins Finanzministerium pilgern. Damals galt es, die Gewerkschaftsbank Bawag vor dem Untergang zu bewahren. Jetzt wird Bawag-Vizegeneral Koren wieder zuweilen im Ministerium zu treffen sein. Zwar geht es diesmal nicht ums Überleben, doch wie für alle großen Banken wird es auch für die Bawag enger.

Verhandlungen begonnen
Ein größerer Abwertungsbedarf bei strukturierten Produkten könnte Bilanzprobleme bescheren, weshalb der Staat vorsorglich um Hilfe gebeten wird. Die konkreten Verhandlungen für eine Milliarde Euro aus dem Bankenpaket haben begonnen, wie FORMAT in Erfahrung brachte. Die Anwälte bereiten die Unterlagen vor. Bawag-PSK-Sprecherin Sabine Hacker bestätigt: „Die Gespräche mit dem Finanzministerium befinden sich noch ganz am Anfang. Wir rechnen frühestens Anfang April mit einem Abschluss.“

Androschs Empfehlungen
Damit reihen sich Koren und sein Boss David Roberts in der Schlange hinter Hypo Alpe-Adria, Volksbanken, RZB und Erste Bank ein, die sich bereits Milliarden vom Staat sichern konnten. Das Bewertungsminus aus Finanzgeschäften betrug bei der Bawag zum Halbjahr 2008 bereits 115,8 Millionen Euro. Zwischenzeitlich ist der Wert um ein Vielfaches angewachsen. Hannes Androsch, Vizepräsident der Banken-ÖIAG Fimbag: „Es ist der Bawag PSK zu empfehlen, sich rasch Geld für die Stärkung der Eigenkapitalbasis zu holen.“ Die Fimbag darf per Gesetz 15 Milliarden Euro an Not leidende Banken verteilen.

Kein Liquiditätsproblem  
Ein Liquiditätsengpass liegt nicht vor. Denn die Bawag verfügt über einen Cashpolster von sieben Milliarden Euro. Der US-Fonds Cerberus ließ nach der Übernahme der Bawag vor zwei Jahren alles verkaufen, was nicht niet- und nagelfest war: die Immobilien und die Auslandstöchter, die Beteiligungen an der Fernsehanstalt ATV, der Klavierfabrik Bösendorfer oder an der Lotto-Gesellschaft. Der Erlös wird in Cash beziehungsweise in Staatsanleihen gehalten.

Selbstbewusste Forderungen
Dementsprechend selbstbewusst soll die Bawag-Führung auch im Finanzministerium auftreten. Sie fordert bessere Konditionen als Erste und RZB, die mindestens acht Prozent Zinsen zahlen müssen. Das Argument von Roberts und Koren: Die Bawag ist eine reine Austrobank. In der Krisenregion Zentral- und Osteuropa ist sie kaum präsent. Nachdem nun selbst die in amerikanischem Eigentum stehende Bawag um Austro-Geld ansucht, steht auch die italienische Bank Austria bereits in den Startlöchern. Immerhin ist die von Erich Hampel gemanagte Ostholding in Krisenländern – Kasachstan, Rumänien, Ungarn und der Ukraine – besonders stark engagiert. Der Bank Austria kann ein dickerer Kapitalpolster ebenfalls nicht schaden.

Von Andreas Lampl und Ashwien Sankholkar

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