Griechen für Österreich

Griechen für Österreich

Helmut Peter, Besitzer des weltberühmten "Weissen Rössls“, und andere Hoteliers suchen in Griechenland nach neuem Personal. Der Andrang ist groß.

FORMAT: Herr Peter, Sie sind der Altwirt des Weissen Rössls, das u. a. durch Peter Alexander zu einer Art österreichischem Kulturgut wurde. In der vergangenen Woche waren Sie in Griechenland, um nach Köchen, Kellnern und Rezeptionisten zu suchen. Warum eigentlich gerade dort?

Helmut Peter: Gemeinsam mit dem AMS Gmunden und dem AMS Oberösterreich wollten wir nicht mehr nur reden, sondern auch etwas tun. Für Gastronomie- und Hotelbetriebe in Österreich ist es nämlich gar nicht mehr einfach, Arbeitskräfte zu bekommen. Es gibt zum Beispiel viel mehr Lehrstellen, als wir besetzen können. Junge Menschen werden heute viel mehr durch die Schulen vom Arbeitsmarkt abgezogen. Man kann das natürlich positiv sehen, weil der Bildungsstand steigt. Gleichzeitig führt das aber auch dazu, dass Facharbeiter fehlen, und das ist auch bei den Dienstleistungen der Fall. Uns fehlen also Leute, während in Griechenland viele Menschen Arbeit suchen. Wir dachten, daraus könnte eine Win-win-Situation entstehen.

In der Woche, in der Sie in Griechenland waren, gab es Massenproteste gegen die Sparmaßnahmen der Regierung, viele Berufsgruppen streikten. Wie stellte sich die Situation vor Ort für Sie dar?

Peter: Die Situation ist für viele Menschen in Griechenland dramatisch. Natürlich nicht für diejenigen, die mit einem Mercedes fahren. Am stärksten betroffen sind jene Menschen, die ohnehin schon wenig hatten, die 1.000 Euro im Monat verdienten und jetzt gar keinen Job mehr haben oder nur noch die Hälfte bekommen. Aufgrund der Streiks sind wir 800 Kilometer mit dem Leihwagen gefahren. Wir waren in Athen, wo wir von der Botschafterin empfangen wurden, Vertreter des europäischen Arbeitsmarktservice EURES und einen Vertreter der Europäischen Kommission trafen, der dem Land dabei hilft, aus dem Schlamassel herauszukommen. Dann waren wir auf Kreta und in Thessaloniki.

Wie groß war der Andrang bei den Jobbörsen in Rethymno und Thessaloniki?

Peter: Der Andrang war groß, das haben EURES und die griechischen Partner vor Ort organisiert. Wir führten rund 140 Gespräche mit Bewerbern und waren erstaunt, wie hoch qualifiziert sie waren. Es gibt in Griechenland berufsbildende Schulen, die bis zur Matura gehen, und auch die Ausbildung in den Betrieben ist sehr gut. Rund zwei Drittel der Bewerber waren männlich, rund ein Drittel weiblich. Viele von ihnen sagen, sie bekommen in Griechenland im Winter keine Arbeit und wollen nach Österreich.

Fällt es den Bewerbern dabei schwer, von zuhause wegzugehen?

Peter: Natürlich fällt es jenen Bewerbern leichter, die noch keine Familie haben. Aber generell sind Leute, die in der Gastronomie arbeiten, ja gewohnt, herumzuziehen. Viele Athener arbeiten im Sommer auf Kos, so wie einige Kärntner im Winter am Arlberg arbeiten. Das wichtigste Kriterium für mich vom Weissen Rössl war aber, dass die Bewerber gut Deutsch sprechen, und das war überraschend oft der Fall. Viele sind als Kinder von Gastarbeitern in Deutschland geboren und sprechen fast besser Hochdeutsch als wir. Deutschkenntnisse werden in Zukunft eine große Rolle spielen. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass allein Tirol jährlich mehr Nächtigungen aufweist als ganz Griechenland, wird klar, wie schwierig es ist, die vielen Arbeitsplätze im österreichischen Tourismus zu besetzen. Wir brauchen mehr gute Leute.

Kritiker von der Gewerkschaft sagen, mit den Versuchen, in Griechenland, Spanien und Portugal Arbeitskräfte zu finden, wolle man aus der Not dieser Menschen schnelles Kapital schlagen.

Peter: Das ist ein Unsinn. Klarerweise haben sich Hoteliers und Gastronomen an das Arbeitsrecht und an den Kollektivvertrag zu halten, egal ob sie Griechen oder Österreicher beschäftigen. Wir wollen eine Situation schaffen, von der beide Seiten profitieren.

Wie geht es jetzt weiter?

Peter: Für das Weisse Rössl prüfen wir gerade, wie wir griechische Lehrlinge, die über 18 Jahre alt sind, aufnehmen können. In etwa zwei Wochen wissen wir Bescheid. Längerfristig schlagen wir aber vor, dass für arbeitslose Griechen ungefähr drei-monatige Deutschkurse organisiert werden. Das wird jede Bewerbung einfacher machen.

Zur Person: Helmut Peter, 64, leitete das Traditionshotel "Weisses Rössl“ am Wolfgangsee, das nun seine Tochter Gudrun Trutmann-Peter führt. Der studierte Betriebswirt war über viele Jahre Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, für die er immer noch aktiv eintritt. Außerdem saß der passionierte Segler erst für die FPÖ, dann für das Liberale Forum im Nationalrat und bekleidete verschiedene Funktionen in der Wirtschaftskammer.

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