Greenpeace macht Lust auf gute Taten: Klimaschutz soll endlich zum Kult werden

Der Kühlschrank ist dazu da, dass die Rehe immer frisches Futter haben.“ Roland Düringer als potenzieller Umweltsünder und in seiner ­Paraderolle als Edelprolo versucht mit fadenscheiniger Argumentation einen Kühl­schrank im Wald zu entsorgen, besinnt sich dann aber eines Besseren. Die Szene stammt aus einem reich prämierten Werbespot des „Umweltforums Haushalt“ aus dem Jahr 2000. Neun Jahre sind inzwischen vergangen, und der österreichische Kabarettist zeigt nach wie vor großes Engagement für den Umweltschutz. Diesmal stellt er seine Bekanntheit für das Greenpeace-Projekt „1.000.000 Taten für den Klimaschutz“ in den Dienst der guten ­Sache. Das Ziel: gute Taten zu sammeln, um den Klimawandel aufzuhalten.

Ganz konkret sollen es bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen, die vom 7. bis zum 18. Dezember 2009 stattfindet, eine Million „gute ­Taten“ werden. Unterstützt wird die Kampagne auch von Promis wie Andrea Händler, Erwin Steinhauer, Christina Stürmer und dem Ensemble des Theaters in der ­Josefstadt.

Infos zum Klimaschutz
Nach dem Motto „Der ­Wille ist da, aber Sie wissen nicht wie?“ will die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf ­einer Online-Plattform Informationen rund um das Thema Klima­schutz zur Verfügung stellen und gleichzeitig zeigen, wie jeder einzelne Österreicher für den Klimaschutz aktiv werden kann. Künftige Klimaschützer können sich auf der Plattform registrieren und durch einzelne Aktivitäten im Alltag dem Klimawandel aktiv entgegentreten.

Steffen Nichtenberger, Kampagnenleiter von Greenpeace, konkretisiert: „Beispiele für gute Taten sind etwa schon so einfache Dinge wie das Wasser beim Zähneputzen oder Rasieren nicht laufen zu lassen oder mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto zu fahren. Nicht jeder kann es sich schließlich leisten, ein Solarpanel montieren zu lassen.“

Klimaexperte werden
Auch der Wettbewerbsgedanke soll zum Klimaschützen motivieren: Mit jeder guten Tat wird der eigenen Klimaindex erhöht. Insgesamt können sich die Umweltschützer über fünf Levels – vom Klimaschutzanfänger bis zum Klimaexperten – hocharbeiten. Greenpeace-Sprecherin Melanie Beran betont den Grassroots-, also Basisbewegungs-Charakter der Kampagne: „Das Klimabewusstsein der Österreicher ist sehr ausgeprägt, aber die politische Umsetzung gestaltet sich oft zäh. Deswegen wollen wir jetzt den Bereich von hinten aufrollen.

Mit diesem Projekt geben die Österreicher und Österreicherinnen einen sehr eindeutigen Auftrag an die Politiker, in Kopenhagen ein gutes Ergebnis zu erzielen.“ Auch Klimaschutzaktionisten, die sich nicht online registrieren wollen, können bei flankierenden Aktionen der Kampagne ein Zeichen setzen. So wird es etwa im Herbst eine Gletscherwanderung auf den Sonnblick mit Teilnahme prominenter Per­sönlichkeiten geben, deren logistische Planung die ÖBB-Postbus GmbH übernimmt.

Auch andere Firmen haben sich bereit erklärt, gute Taten zu setzen. So wird etwa bauMax Gewinnspiele veranstalten, bei denen Energiesparprodukte verlost werden sollen. Auch an einer Zusammenarbeit von Mobilkom Austria und Greenpeace zur Umstellung auf elektronische Telefonrechnungen besteht Interesse von beiden Seiten. Eine Konkretisierung des Projekts wird in den nächsten Wochen erfolgen. Unterstützt wird die Greenpeace-Kam­pagne außerdem von Organisationen wie den Naturfreunden, dem WWF, den Vier Pfoten und dem VCÖ.

Spaß am Klimaschutz
Das Ziel: ohne erhobenen Zeigefinger zu motivieren. „1.000.000 Taten“ soll ein gutes Gefühl bei den Aktivisten auslösen und durch Spaß am Klimaschützen, also beispielsweise durch Rad- statt Autofahren, einen Impuls für eine nachhaltige Ver­haltensänderung geben. „Der erhobene ­Zeigefinger bringt gar nichts. Wir müssen den Menschen zeigen, dass Klimaschützen cool ist und auch für sie einen Nutzwert hat. Weniger Wasser- und Stromverbauch ist schließlich auch gut fürs Geldbörsel“, so Nichtenberger.

Auch die Schauspielerin und Kabarettistin Andrea Händler ist eine Greenpeace-Aktivistin für den guten Zweck. Zusammen mit der Umweltschutzorganisation soll in den Sommermonaten ein humo­riges Video zum Thema Klima­schutz entstehen. Denn Händler ist überzeugt, dass gerade das Lachen zur Emissionsreduk­tion beitragen kann. „Es ist wie im Ka­barett. Wenn man die Leute zuerst zum Lachen bringt und sie dann ­locker und ­gelöst sind, kann man beinahe alles von ihnen haben.“

Wenn es um den guten Zweck geht, kann man auch vom Ex-­Benzinbruder Roland Düringer, der das Greenpeace-Projekt im Rahmen einer Gartensendung unterstützt, beinahe alles haben. Erst kürzlich hat er dreizehn Autos aus seiner Raritätensammlung versteigert. Mit dem Erlös wurde dem ­Opfer eines ­Autounfalls, das jetzt im Rollstuhl sitzt, der Traum eines behindertengerechten ­Minivans erfüllt. Für Düringer war es eine Befreiung von „Ballast“, weil: „Jeder von uns hat die Möglichkeit, diesen Wahnsinn von Machbarkeit und Wachstum zu stoppen. Nicht morgen, sondern genau jetzt.“

Von Silke Pixner

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